[UG-Blättle:]Würdigung des Einsatzes gegen gewaltsames Verschwindenlassen in Mexiko

Die Bewe­gung für unse­re Ver­schwun­de­nen in Mexi­ko (Movi­mi­en­to por Nuestros Desa­pa­re­ci­dos en Méxi­co, MNDM) erhält den deutsch-fran­zö­si­schen Men­schen­rechts­preis Gil­ber­to Bos­ques.

Bild: Ciu­dad Juá­rez, Mexi­ko. /​Wiper Méxi­co (CC BY-SA 3.0 unpor­ted – crop­ped)

Die Mit­glie­der der Deut­schen Men­schen­rechts­ko­or­di­na­ti­on Mexi­ko, dar­un­ter Brot für die Welt, begrüs­sen die Aus­zeich­nung als Aner­ken­nung für die mexi­ka­ni­sche Zivil­ge­sell­schaft, vor allem für die Fami­li­en der Opfer. Ihrem beharr­li­chen Drän­gen ist es zu ver­dan­ken, dass die­ses Ver­bre­chen inter­na­tio­na­le Auf­merk­sam­keit gefun­den hat und nicht mehr ver­tuscht wer­den kann.

„Die Auf­klä­rung des Schick­sals der Ver­schwun­de­nen ist ein wich­ti­ger Bei­trag dazu, Frie­den und Gerech­tig­keit zu schaf­fen“, sagt Grace Fernán­dez von der Bewe­gung für unse­re Ver­schwun­de­nen in Mexi­ko. „Der Preis zeigt, dass die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft die gra­vie­ren­de Pro­ble­ma­tik in Mexi­ko aner­kennt und die Anstren­gun­gen der Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen wür­digt.“

Laut offi­zi­el­len Anga­ben gel­ten in Mexi­ko etwa 80.000 Per­so­nen als ver­schwun­den. Die aller­meis­ten – 98 Pro­zent – ver­schwan­den nach 2006. In dem Jahr erklär­te der dama­li­ge Prä­si­dent Feli­pe Cal­derón den Dro­gen­kar­tel­len den Krieg. Die Iden­ti­fi­ka­ti­on der gefun­de­nen mensch­li­chen Über­res­te aus etwa 4.000 Mas­sen­grä­bern geht nur lang­sam vor­an. Juris­ti­sche Fort­schrit­te sind vor allem dem Wir­ken zivil­ge­sell­schaft­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen wie den dies­jäh­ri­gen Preisträger:innen zu ver­dan­ken.

Auf Druck der Zivil­ge­sell­schaft ver­ab­schie­de­te der mexi­ka­ni­sche Kon­gress 2017 etwa ein Gesetz gegen das Ver­schwin­den­las­sen, mit dem eine Natio­na­le Such­kom­mis­si­on geschaf­fen wur­de. Der­zeit wird ein „Aus­ser­or­dent­li­cher Mecha­nis­mus zur foren­si­schen Iden­ti­fi­zie­rung“ gegrün­det. Die­ser soll mit inter­na­tio­na­ler, auch deut­scher, Unter­stüt­zung zur Klä­rung der Iden­ti­tät der Toten bei­tra­gen.

„Erst auf Druck der Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen hat die mexi­ka­ni­sche Regie­rung die­ses Ver­bre­chen in den Blick genom­men. Ohne die Bewe­gung für unse­re Ver­schwun­de­nen in Mexi­ko wäre dies nicht gesche­hen“, betont Mela­nie Bleil von Brot für die Welt. Der seit Ende 2018 amtie­ren­de Prä­si­dent Andrés Manu­el López Obra­dor ist auf die Ange­hö­ri­gen Ver­schwun­de­ner zuge­gan­gen und hat ihnen sei­ne Unter­stüt­zung ver­spro­chen. Doch bis heu­te ver­schwin­den täg­lich im Schnitt zehn Per­so­nen in Mexi­ko. „Ange­sichts Tau­sen­der Ver­schwun­de­ner in Mexi­ko for­dert die Bewe­gung zurecht inter­na­tio­na­le Unter­stüt­zung bei der Auf­klä­rung die­ses Ver­bre­chens“, so Bleil wei­ter.

Den undo­tier­ten Men­schen­rechts­preis ver­lei­hen die Bot­schaf­ten Deutsch­lands und Frank­reichs seit 2013 an mexi­ka­ni­sche Orga­ni­sa­tio­nen oder Per­sön­lich­kei­ten, die sich in dem latein­ame­ri­ka­ni­schen Land für Men­schen­rech­te, Frie­den, Gerech­tig­keit und Soli­da­ri­tät ein­set­zen. Benannt ist der Preis nach dem mexi­ka­ni­schen Diplo­ma­ten Gil­ber­to Bos­ques, der wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs tau­sen­den Ver­folg­ten des Nazi- und des spa­ni­schen Fran­co-Regimes den Auf­ent­halt in Mexi­ko ermög­lich­te.

Beson­de­re Erwäh­nun­gen erhiel­ten in die­sem Jahr zudem der eme­ri­tier­te Bischof von Sal­til­lo, Mon­se­ñor Raúl Vera für sein Lebens­werk und Yési­ca Sán­chez Maya von der Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Kon­sor­ti­um für par­la­men­ta­ri­schen Dia­log und sozia­le Gleich­heit Oaxa­ca (Con­sor­cio para el Diá­lo­go Par­la­men­ta­rio y la Equidad Oaxa­ca) für ihren Ein­satz für Frau­en­rech­te. Die Bewe­gung für unse­re Ver­schwun­de­nen in Mexi­ko besteht aus 72 Fami­li­en­kol­lek­ti­ven und Orga­ni­sa­tio­nen, die sie beglei­ten. Auf eige­ne Faust suchen vor allem Frau­en nach Hin­wei­sen zu ihren Ange­hö­ri­gen. Sie set­zen sich für eine effek­ti­ve Prä­ven­ti­on, lücken­lo­se Auf­klä­rung und kon­se­quen­te Straf­ver­fol­gung ein.

pm

Die Preis­ver­lei­hung fin­det am Frei­tag um 21 Uhr (MEZ) statt und wird live über den Face­book-Kanal der Deut­schen Bot­schaft in Mexi­ko über­tra­gen (www​.face​book​.com/​E​m​b​a​j​a​d​a​A​l​e​m​a​n​a​C​i​u​d​a​d​d​e​M​e​x​ico)

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