[EMRAWI:] Gegen Antifas und Nazis: Bundesregierung beschließt Gesetzentwurf gegen „Outings“

Dem­nach soll es in Zukunft straf­bar sein, per­sön­li­che Daten einer ande­ren Per­son wie zum Bei­spiel Name und Anschrift öffent­lich, auf einer Kund­ge­bung oder im Inter­net zu ver­brei­ten – wenn dies dazu geeig­net wäre, die­se Per­son einer Straf­tat aus­zu­set­zen, die sich gegen ihre „sexu­el­le Selbst­be­stim­mung, die kör­per­li­che Unver­sehrt­heit, die per­sön­li­che Frei­heit oder gegen eine Sache von bedeu­ten­dem Wert“ rich­tet. Es dro­hen eine Frei­heits­stra­fe von bis zu drei Jah­ren oder eine Geld­stra­fe.

„Wir müs­sen Men­schen bes­ser vor Hass und Het­ze schüt­zen“, erklär­te dazu Bun­des­jus­tiz­mins­te­rin Chris­ti­ne Lam­brecht (SPD), die den Gesetz­ent­wurf in die Wege gelei­tet hat­te.

Gesetz gegen „Fein­des­lis­ten“?

Das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um bezeich­net das Gesetz als Maß­nah­me zur „Ver­bes­se­rung des straf­recht­li­chen Schut­zes gegen soge­nann­te Fein­des­lis­ten“. In der Ver­gan­gen­heit waren bei faschis­ti­schen Ter­ror­grup­pen immer wie­der detail­lier­te Lis­ten von Per­so­nen gefun­den wor­den, die kon­kre­te Zie­le von Anschlä­gen sein soll­ten.

Doch genau sol­che Lis­ten wer­den mit dem Geset­zes­ent­wurf nicht unter Stra­fe gestellt – außer sie wür­den öffent­lich ins Inter­net gestellt – was eher sel­ten bei einer ernst­haf­ten Vor­be­rei­tung eines rech­ten Angriffs geschieht. Gegen die Fein­des­lis­ten, die teil­wei­se bei den Ter­ror­grup­pen „Natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Unter­grund (NSU)“ oder „Nord­kreuz“ gefun­den wur­den, wür­de die­ses Gesetz nicht hel­fen.

Natür­lich sind von faschis­ti­scher Sei­te aus öffent­li­che Lis­ten – ver­se­hen mit Auf­for­de­run­gen, die Per­son könn­te ja mal „Besuch bekom­men“ – auch zur Ein­schüch­te­rung gedacht. Das Ver­brei­ten sol­cher Lis­ten kann in Zukunft bestraft wer­den. Doch dies kann sich auch gegen kon­se­quen­te Nazi-Gegner:innen rich­ten.

Kri­mi­na­li­sie­rung von anti­fa­schis­ti­scher Recher­che mög­lich

Der Gesetz­ent­wurf unter­schei­det näm­lich nicht zwi­schen den ideo­lo­gi­schen Hin­ter­grün­den bei der Erfas­sung und Ver­öf­fent­li­chung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten. Jour­na­lis­ti­sche Bericht­erstat­tun­gen wer­den davon nicht aus­ge­nom­men, eben­so wenig die Recher­che­ar­beit von Ver­ei­nen und anti­fa­schis­ti­schen Grup­pie­run­gen.

Wer in Zukunft bei­spiels­wei­se Flug­blät­ter mit Namen und Anschrift eines Neo­na­zis und Hin­weis auf sei­ne men­schen­ver­ach­ten­de Gesin­nung in sei­ner Nach­bar­schaft ver­teilt, könn­te mit dem neu­en Gesetz bestraft wer­den.

Das­sel­be gilt für Mietaktivist:innen, die auf einer Kund­ge­bung Namen und Anschrift eines/​r Immobilienspekulant:in nen­nen, ver­bun­den mit der Auf­for­de­rung, Pro­tes­te vor dem Wohn­haus zu orga­ni­sie­ren, die als „ein­schüch­ternd“ wahr­ge­nom­men wer­den könn­ten.

Es rei­che, wenn die Ver­öf­fent­li­chung „Unsi­cher­heit oder Furcht aus­löst und als bedroh­li­che emp­fun­den wird, wohin­ge­gen ein Bezug zu einer kon­kre­ten Tat meist nicht gege­ben ist“, wie es in einem Pas­sus der Begrün­dung zum Gesetz­ent­wurf heißt.

Die neue Ver­ord­nung rich­tet sich also nicht pri­mär gegen Fein­des­lis­ten, son­dern viel­mehr gegen die poli­ti­sche Pra­xis des „Outings“ all­ge­mein. Damit kann das Gesetz, das nach außen als „Kampf gegen Rechts“ ver­kauft wird, sich eben­so in ein Instru­ment zum Kampf gegen Antifaschist:innen und lin­ke Aktivist:innen wan­deln.

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