[ISO:] Zwölf Thesen zur Pandemie

Gera­de rollt die drit­te Wel­le in der Coro­na-Pan­de­mie her­an. Und die Mer­kel-Regie­rung agiert wei­ter­hin kata­stro­phal in der Pan­de­mie­be­kämp­fung. Eine sinn­vol­le Stra­te­gie wäre Zero Covid, ein soli­da­ri­scher Shut­down. Zwölf The­sen zur Pan­de­mie – und was wir dage­gen tun könn­ten.

1. Pandemie als Tatbestand – Epidemiologie als Wissenschaft

Covid-19 ist mit welt­weit 2.681.644 (oder knapp 2,7) Mil­lio­nen Todes­fäl­len und mit 73.000 Coro­na-Toten in Deutsch­land (jeweils in rund 14 Mona­ten) die größ­te Pan­de­mie seit der Spa­ni­schen Grip­pe Ende des Ers­ten Weltkriegs._ Dar­über sind sich WHO, die Regie­run­gen aller Län­der und alle rele­van­ten wis­sen­schaft­li­che Ein­rich­tun­gen der Viro­lo­gie und Epi­de­mio­lo­gie einig. Dass es Coro­na-Leug­ner gibt – auch in der Viro­lo­gie und Epi­de­mio­lo­gie – ist nor­mal. Eben­so wie es Kli­ma­l­eug­ner gibt (auch unter Kli­ma­to­lo­gen). Doch ein Anzwei­feln der Grund­er­kennt­nis­se die­ser Wis­sen­schaf­ten und Insti­tu­tio­nen ist abso­lut mino­ri­tär. Rich­tig aller­dings ist: Wir müs­sen immer kri­tisch sein. Bzw. dabei auf die kri­ti­schen, lin­ken Berei­che in die­sen Wis­sen­schafts­dis­zi­pli­nen schau­en (z.B. die Grup­pe „Kran­ken­haus statt Fabrik“ bzw. den Ver­ein demo­kra­ti­scher Ärz­tin­nen und Ärz­te – VdÄ).

2. Bedrohliche Dynamik und dritte Welle

Die Dyna­mik der Pan­de­mie hat sich in letz­ten Mona­ten enorm inten­si­viert – obgleich inzwi­schen welt­weit eini­ge hun­dert Mil­lio­nen Men­schen geimpft wer­den konn­ten. Die Zahl der Coro­na-Toten hat sich seit Anfang Novem­ber 2020 und bis zum 18. März 2021 von 1 Mil­li­on auf die genann­ten 2,7 Mil­lio­nen um mehr als das 2,5fache gestei­gert. In Deutsch­land hat sie sich im glei­chen Zeit­raum verSIEBENfacht (von 10.538 auf 74.043). Allein im Zeit­raum 1. Janu­ar 2021 bis zum 18. März 2021 star­ben in Deutsch­land 40.483 Men­schen „an und mit Coro­na“. Im gesam­ten Jahr 2020 waren es „nur“ 34.194 Coro­na-Tote.

Lei­der spricht viel dafür, dass die­se Situa­ti­on noch bis zum Herbst 2021 anhält, zumal wir in vie­len Län­dern seit eini­gen Wochen – so ins­be­son­de­re in Deutsch­land – eine drit­te Wel­le erle­ben. Stich­wor­te: Mutan­ten mit höhe­rer Infek­tio­si­tät und höhe­rer Leta­li­tät. Eine „Her­denim­mu­ni­tät“ kom­bi­niert mit einer aus­rei­chend gro­ßen Zahl Geimpf­ter wird in Euro­pa erst im Herbst erreicht sein. Welt­weit frü­hes­tens Mit­te 2022. Wir wer­den beim aktu­el­len Gang der Din­ge in Deutsch­land im Herbst 100.000 Coro­na-Tote zu bekla­gen haben. Welt­weit mehr als 3,5 Mil­lio­nen.

3. Richtige und falsche Vergleiche

Rich­tig ist, dass wei­ter vie­le Men­schen unnö­tig an Krank­hei­ten –
auch anste­cken­den – ster­ben. Und dass es eine Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit des
Wes­tens ist, dar­über hin­weg­zu­se­hen bzw. nicht das zu unter­neh­men, was hier­für
erfor­der­lich wäre. Falsch ist jedoch, damit Covid-19 zu rela­ti­vie­ren. Zumal
vie­le die­ser Ver­glei­che inzwi­schen ins Lee­re gehen.

Erin­nert sei an die Ver­glei­che mit den Stra­ßen­ver­kehrs­to­ten, die im Früh­jahr und Mit­te 2020 genannt wur­den, um die Coro­na-Toten zu rela­ti­vie­ren. Heu­te haben wir in Deutsch­land im Jahr 20 Mal mehr Coro­na-Tote als Stra­ßen­ver­kehrs­to­te. Erin­nert sei auch an die viel­fa­chen Ver­glei­che mit den Grip­pe-Toten. Inzwi­schen ist die Übersterb­lich­keit in Deutsch­land (und in Euro­pa) ein­deu­tig gege­ben – und damit deut­lich höher als in den Jah­ren mit star­ken Grip­pe-Wel­len. 

4. Das marode Gesundheitssystem.

Natür­lich ist das Gesund­heits­sys­tem maro­de. Stich­wor­te:
Bet­ten­ab­bau – mise­ra­bel bezahl­te und zu weni­ge Pfle­ge­kräf­te. Selbst 2020 wur­den
erneut 20 Kran­ken­häu­ser geschlos­sen! Das müs­sen wir kri­ti­sie­ren – und das tun
wir.

Doch auch das bes­te Gesund­heits­sys­tem der Welt hat kei­ne Chan­ce,
eine unkon­trol­liert sich aus­wei­ten­de Epi­de­mie „auf­zu­fan­gen“. Im Übri­gen gibt es
enor­me Erfol­ge in der Bekämp­fung von Covid-19 aus­ge­rech­net in Län­dern mit einem
eher wenig ent­wi­ckel­ten Gesund­heits- und Kli­nik-Sys­tem. Es ist also falsch
einen direk­ten Zusam­men­hang her­zu­stel­len zwi­schen einem aus­ge­bau­ten
Gesund­heits­sys­tem und einer guten Epi­de­mie-Bekämp­fung. 

5. Wir unterstützen nicht die Merkel-Politik. Im Gegenteil!

Die Bun­des­re­gie­rung hat in den Jah­ren vor der Coro­na-Epi­de­mie abso­lut ver­sagt (sie­he die RKI-Stu­die zu „Modi-SARS“ 2012). Sie hat in den ers­ten zehn Wochen 2020 ver­sagt (sie­he die viel­fa­chen Erklä­run­gen von Mer­kel, Spahn und Wie­ler, wonach kei­ne Epi­de­mie dro­hen wür­de, wonach Mas­ken nichts taug­ten usw.). Sie hat mit ihrer Öff­nungs­po­li­tik ab Juni 2020 ver­sagt (und die War­nun­gen vor einer 2. Wel­le in den Wind geschla­gen). Sie pam­pert Phar­ma­un­ter­neh­men und lässt deren Preis­trei­be­rei und Selek­tie­rung bei der Belie­fe­rung mit Impf­stof­fen zu. Eini­ge „Volks­ver­tre­ter“ von CDU/​CSU im Bun­des­tag erwie­sen sich als kor­rupt und ver­dien­ten mas­siv an Mas­ken-Auf­trä­gen. Ein Ex-CSU-Lan­des­mi­nis­ter, der auch heu­te noch zum füh­ren­den Kreis der CSU zählt, wur­de mit Mas­ken­ge­schäf­ten Mil­lio­när. Der Gesund­heits­mi­nis­ter Spahn erwies sich als Ankün­di­gungs­mi­nis­ter. Das Abset­zen des Impf­stof­fes von Astra-Zene­ca war wenig ver­ant­wor­tungs­voll und dürf­te der Impf­kam­pa­gne mas­siv Scha­den zuge­fügt haben. Der Jojo-Lock­down, den die Mer­kel-Regie­rung prak­ti­zier­te, kos­te­te Zehn­tau­sen­den unnö­tig das Leben. 

Das kom­plet­te Ver­sa­gen die­ser Regie­rung ist ein ent­schei­den­der
Grund für unser Plä­doy­er für einen soli­da­ri­schen Shut­down von unten –
gesell­schaft­lich getra­gen.

6. Die psycho-sozialen Schäden sind real

Unbe­streit­bar sind die Schä­den, die mit den
Restrik­ti­ons­maß­nah­men ange­rich­tet wer­den, enorm – im Bereich des
Psy­chisch-Sozia­len, für Kin­der und Jugend­li­che; hin­sicht­lich der Gewalt gegen
Frau­en. Doch die­se Schä­den sind vor allem der Zick-Zack-Poli­tik der Regie­rung
geschul­det, mit der die Dau­er sol­cher Restrik­tio­nen immer aufs Neue ver­län­gert
wird.

Und vor allem gilt: Wer von den psy­cho-sozia­len Fol­gen der
Restrik­tio­nen spricht, darf von den psy­cho-sozia­len Fol­gen, die mit dem
früh­zei­ti­gen und unnö­ti­gen Tods von bis­lang 73.000 Men­schen ver­bun­den sind,
nicht schwei­gen – Tote, um die meh­re­re hun­dert­tau­send Men­schen trau­ern.

Wobei ja auch da gilt: Es wären deut­lich mehr Coro­na-Tote, hät­te
es kei­ne Lock­downs gege­ben, lie­ße mei­ne unge­hin­der­te Aus­brei­tung des Virus zu.

7. Solidarischer Shutdown – eine realistische Perspektive

Unse­re Initia­ti­ve plä­diert für einen soli­da­ri­schen Shut­down. Die
Debat­te um die „Null“ ist dabei Spie­gel­fech­te­rei – dazu noch unten. Wich­tig
ist, dass es ein kla­res Ziel gibt: Die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen muss auf nahe
Null gesenkt wer­den. Erst dann kön­nen die Infek­tio­nen im Ein­zel­nen ver­folgt und
eine Aus­brei­tung des Virus so gut wie zum Stop­pen gebracht wer­den.

Ein sol­cher Shut­down muss sozi­al abge­si­chert sein („Schutz­schirm“); Geld ist genug da, wie uns tag­täg­lich demons­triert wird. Die­ser Shut­down müss­te für einen klar abgrenz­ba­ren Wirt­schafts­raum gel­ten. Wir sagen „Euro­pa“; fak­tisch ist das die um Groß­bri­tan­ni­en, Nor­we­gen und die Schweiz erwei­ter­te EU.

Und er müss­te vor allem die gesam­te Gesell­schaft erfas­sen, also
auch den größ­ten Teil der Wirt­schaft.

Eine sol­che Poli­tik ver­folgt auch das Ziel: Die Aus­brei­tung der
Mutan­ten muss unbe­dingt gestoppt; die Ent­wick­lung neu­er Mutan­ten ver­hin­dert
wer­den. Ande­ren­falls ist die Gefahr einer sprung­haf­ten Aus­wei­tung der Epi­de­mie
enorm. Sie­he die dra­ma­ti­sche Ent­wick­lung, die es in Por­tu­gal in den Mona­ten
Janu­ar und Febru­ar 2021 gab.

8. Drei Gegenargumente zu Zero Covid – und die Antworten

Gegen Zero Covid wer­den im Wesent­li­chen drei Argu­men­te vor­ge­bracht:

(1) „Zero“ sei unrea­lis­tisch. Ant­wort: Das ist eine poli­ti­sche Zahl. Wie wir sie anders­wo auch ver­wen­den. Wir for­dern auch eine „Null-CO2-Wirt­schaft“. Die offi­zi­el­le Poli­tik in Schwe­den lau­tet: „Null Stra­ßen­ver­kehrs­to­te“. Rea­lis­tisch? Eher nicht. Aber poli­tisch rich­tig.

(2) Das „Zero Covid“ euro­pa­weit zu errei­chen, sei unrea­lis­tisch. Ant­wort: Der genann­te Raum ist weit rea­lis­ti­scher ein­zu­gren­zen und bie­tet den Men­schen in die­sem Raum weit mehr Frei­hei­ten als dies z.B. in Neu­see­land oder auch im Raum Aus­tra­li­en der Fall ist. 

(3) Die Raum­be­gren­zung sei „euro­zen­tris­tisch“. Argu­men­tiert man so, dann muss man jede For­de­rung auf BRD-Ebe­ne als „natio­na­lis­tisch“ gei­ßeln. Wir for­dern bewusst nicht einen natio­na­len Allein­gang – was deut­lich ein­fa­cher und „popu­lä­rer“ wäre. Umge­kehrt wäre eine For­de­rung, die Pan­de­mie-Bekämp­fung durch einen welt­wei­ten Shut­down anzu­ge­hen, abs­trakt gese­hen nicht falsch – aber noch­mals deut­lich weni­ger „rea­lis­tisch“ als der Ansatz „Euro­pa“.

Zumal es in ande­ren Regio­nen ja längst die Poli­tik „Zero Covid“ gibt. Für 1,8 Mil­li­ar­den Men­schen gilt (als erklär­tes Poli­tik-Ziel) Zero Covid.

9. Andere Länder betreiben Zero Covid – mit einigem Erfolg

Als Inter­na­tio­na­lis­tin­nen und Inter­na­tio­na­lis­ten soll­ten wir über den Tel­ler­rand der Repu­blik und den der EU schau­en. Tat­säch­lich gibt es mit Chi­na, Neu­see­land, Aus­tra­li­en, Viet­nam, Süd­ko­rea, Kuba und teil­wei­se auch Japan rund ein Dut­zend Län­der, in denen eine sol­che Zero-Covid-Poli­tik betrie­ben und eine Ein­däm­mungs­po­li­tik des Coro­na-Virus in Ansät­zen gelun­gen ist. Damit konn­te bis­lang das Leben von Hun­der­tau­sen­den Men­schen geret­tet wer­den.

Es lohnt, die welt­wei­te Coro­na-Bilanz genau­er zu stu­die­ren: Bis zum 18. März star­ben welt­weit, wie erwähnt, mehr als 2,7 Mil­lio­nen Men­schen den Coro­na-Tod. 540.000 in den USA. 770.000 in der EU plus Groß­bri­tan­ni­en, der Schweiz und Nor­we­gen. 670.000 in Latein­ame­ri­ka. Wie lässt sich erklä­ren, dass gut drei Vier­tel aller Coro­na-Toten auf Regio­nen ent­fal­len, in denen nur 18 Pro­zent der Mensch­heit leben? Oder: War­um star­ben in den Nie­der­lan­den 26 Mal mehr den Coro­na-Tod als in Aus­tra­li­en – bei ver­gleich­ba­rer Ein­woh­ner­zahl? War­um in Irland 174 Mal mehr als in Neu­see­land – zwei Inseln mit ver­gleich­ba­rer Ein­woh­ner­zahl? War­um in Ita­li­en 52 Mal mehr als in Süd­ko­rea – bei ver­gleich­ba­rer Ein­woh­ner­zahl? War­um auf der rei­chen Halb­in­sel Flo­ri­da 48 Mal mehr als auf der armen Insel Kuba?

Sicher gibt es eine Viel­zahl von Grün­den (wie durch­schnitt­li­ches Alter in der Gesell­schaft; Anteil von Vor­er­kran­kun­gen usw.), die für die­se krass unter­schied­li­che Bilanz eine Rol­le spie­len. Ein Fak­tor dürf­te jedoch wich­tig sein: Je direk­ter die Kapi­tal­in­ter­es­sen wir­ken kön­nen, des­to grö­ßer die Opfer­zahl. Oder auch: Je mehr der Staat (z.B. in Asi­en) für einen gewis­sen Schutz sor­gen konn­te und je mehr es an inner­ge­sell­schaft­li­cher Soli­da­ri­tät gibt, des­to bes­ser die Bilanz bei der Pan­de­mie-Bekämp­fung. 

Auch gilt: Dort, wo es eine auto­ri­ta­ti­ve – in der Gesell­schaft weit­ge­hend aner­kann­te – Regie­rung gibt und dort wo es einen rela­tiv gro­ßen gesell­schaft­li­chen Zusam­men­halt gibt, war die­se Zero-Covid-Poli­tik am erfolg­reichs­ten.

Und: Dort war dies kei­nes­wegs not­wen­di­ger­wei­se mit Zwang
ver­bun­den. Oft erfolg­te dies auf Basis einer breit getra­ge­nen
gesell­schaft­li­chen Über­ein­kunft. 

Die Minis­ter­prä­si­den­tin von Neu­see­land sprach in ihrer Zero-Covid-Poli­tik immer von einem „5‑Mil­lio­nen-Team“. Sie hat­te damit Erfolg – im Zeit­raum März 2020 bis 18. März 2021 gab es auf Neu­see­land 26 Coro­na-Tote! Und: Sie erhielt bei den Wah­len im Okto­ber das Dan­ke­schön der Bevöl­ke­rung und erziel­te einen enor­men Wahl­sieg.

10. Wo stehen die Bosse und Banker?

Bis­lang wird die Wirt­schaft im Sin­ne der Pro­duk­ti­on in der offi­zi­el­len Coro­na-Poli­tik fast kom­plett aus­ge­blen­det. Dabei ver­brin­gen mehr als 35 Mil­lio­nen Deut­sche den größ­ten Teil des Tages in Fabri­ken, Büros, auf Bau­stel­len, in Logis­tik-Zen­tren usw. Und jede Ansamm­lung von Men­schen auf enge­rem Raum trägt zur Aus­brei­tung der Epi­de­mie bei. Die offi­zi­el­le Coro­na-Poli­tik ist schlicht und ein­fach auch Klas­sen­po­li­tik: Sie trifft die beson­ders Schwa­chen – und sie spart die beson­ders Star­ken aus. 

Für jede fort­schritt­li­che, lin­ke Poli­tik soll­te die Fra­ge ent­schei­dend sein: Wo ste­hen Kapi­tal, Arbeit­ge­ber­ver­bän­de und die neo­li­be­ra­len Par­tei­en und Poli­ti­ker? Die Ant­wort ist ein­deu­tig: Je wei­ter man nach rechts geht und je näher man in „Tuch­füh­lung“ zum gro­ßen Kapi­tal gelangt, des­to lau­ter wird der Ruf nach „Locke­rung“. „Weg mit den Restrik­tio­nen“! „Man muss dif­fe­ren­zie­ren!“ „Ein Ende mit der Coro­na-Dik­ta­tur!“ Alle rech­ten, rechts­ex­tre­men und „neo­li­be­ra­len“ Par­tei­en, Poli­ti­ker und Insti­tu­tio­nen – Lind­ner, Kubicki, Gau­land, Bol­so­na­ro, Elon Musk,
Bun­des­ver­band der Deut­schen Indus­trie (BDI) /​Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Arbeit­ge­ber­ver­bän­de (BDA), Con­fin­dus­tria (Ita­li­ens größ­te Unter­neh­mer­ver­band), Wall Street Jour­nal oder Bör­sen-Zei­tung usw. rufen nach sol­chen Locke­run­gen. Sie spei­en Gift und Gal­le gegen eine Ein­be­zie­hung der Wirt­schaft in Restrik­tio­nen. Und kon­kret gegen Zero Covid. Sie spre­chen von „Coro­na-Dik­ta­tur“. Der Ver­tre­ter des Insti­tuts der Wirt­schaft (IW), Micha­el Hüt­her, erklärt dies damit, dass das „Leben ja schon immer ein Weg hin zum Tod „gewe­sen sei“.

In die­sem Zusam­men­hang ent­de­cken sie jetzt die Inter­es­sen von Frau­en und Kin­dern. Und in die­sem Kon­text bezie­hen sie sich jetzt auf „unse­re Ver­fas­sung“. Das ist nichts als zyni­sche Heu­che­lei.

Doch die­se Hal­tung ist nicht pri­mär inhu­man. Sie ist pri­mär kapi­tal-logisch. Das Arbeits­le­ben muss aus Sicht der Kapi­tal-Ver­tre­ter bei den Restrik­tio­nen mög­lichst ganz aus­ge­klam­mert wer­den, weil die­se kapi­ta­lis­ti­sche Wirt­schaft auf Gewinn und damit auf der Aus­beu­tung mensch­li­cher Arbeits­kraft beruht. Selbst der Home-Office-Anteil ist im März 2021 nur halb so groß wie im April und Mai 2020. Eine direk­te Kon­trol­le am Arbeits­platz bedeu­tet auch eine höhe­re Mehr­wer­tra­te. Die Auto­kon­zer­ne erleb­ten 2020 zwar Umsatz­rück­gän­ge. Doch sie hat­ten gleich­zei­tig erneut fet­te Gewin­ne – weit­ge­hend kofi­nan­ziert mit Kurz­ar­beit-Gel­dern (also aus Kas­sen, die von den Arbeit­neh­men­den und den Steu­er­zah­len­den kofi­nan­ziert wer­den).

11. Solle man nicht besser „differenzieren“ – die Alten schützen?

Die For­de­rung „Die Alten zu schüt­zen“ ist abso­lut rich­tig. Und die Kri­tik an den Zustän­den in den Alten­hei­men ist völ­lig gerecht­fer­tigt. Doch zunächst sind es doch die Libe­ra­len, sind es CDU, CSU, SPD, FDP usw., die jetzt vom „Schutz der Alten“ reden, die jedoch die­se Zustän­de mit ihrer Pri­va­ti­sie­rungs­po­li­tik geschaf­fen haben.

Wobei für die Alten­hei­me und für die alten Men­schen ins­ge­samt
gilt: Einen wirk­sa­men „Schutz“ für die­se
Men­schen kann man nur errei­chen, wenn man die Gesell­schaft als Gan­zes schützt.
In den Hei­men leben knapp eine Mil­li­on Men­schen. Ins­ge­samt liegt der Anteil der
Men­schen im Alter von 75 und mehr Jah­ren bei 10% der Gesamt­be­völ­ke­rung. Das
sind acht Mil­lio­nen Men­schen. Die­se (und ihre Ange­hö­ri­gen, Pfle­gen­de usw.) zu
„schüt­zen“ hie­ße, sie auf vie­le Mona­te weg­sper­ren. Was ja viel­fach erfolgt. Und
was skan­da­lös ist.

Fak­tisch läuft die For­de­rung „die Alten schüt­zen“ auf eine
unso­li­da­ri­sche Spal­tung der Gesell­schaft hin­aus. Jun­ge, „leis­tungs­fä­hi­ge“ und
gesun­de Men­schen sol­len mög­lichst weni­ge Restrik­tio­nen erle­ben, sol­len fei­ern
und genuss­voll Urlaub machen kön­nen. Die Alten wer­den iso­liert. Und ster­ben
einen Tod in Dun­kel­heit und Ein­sam­keit.

12. Fördert Zero Covid den „autoritären Staat“? 

Das Gegen­teil ist der Fall: Zick­zack-Kurs und Jojo-Lock­down
beför­dern Staats­ver­dros­sen­heit, Poli­tik­mü­dig­keit, rech­te Ten­den­zen und den
auto­ri­tä­ren Staat. Das ist aktu­ell beson­ders deut­lich. Die offi­zi­el­le Poli­tik
hat die For­de­run­gen nach „Öff­nun­gen“ befeu­ert. Jetzt wird mit­ten in eine drit­te
Wel­le hin­ein geöff­net. Das muss Tau­sen­de zusätz­li­che Tote kos­ten. Es ist unter
die­sen Bedin­gun­gen extrem schwie­rig, nun das Ruder wie­der her­um­zu­rei­ßen und
einen neu­en Lock­down zu begrün­den – und umzu­set­zen. Die Glaub­wür­dig­keit der
offi­zi­el­len Coro­na-Poli­tik ist schlicht und ein­fach nahe zero.

Auf die­se Wei­se gewan­nen die Quer­den­ker & Coro­na-Leug­ner Auf­wind – und sie wer­den neu­en Auf­wind gewin­nen. Die Infra­ge­stel­lung demo­kra­ti­scher Rech­te wird vor allem dadurch geför­dert, dass es mehr als ein Jahr lang die bekann­ten Restrik­tio­nen mit dem satt­sam bekann­ten Auf und Ab gab.

Län­der, die eine rela­tiv erfolg­rei­che Ein­däm­mungs­po­li­tik betrie­ben haben, sind heu­te nicht auto­ri­tä­rer als vor der Epi­de­mie. Auf Neu­see­land trifft das Gegen­teil zu. Umge­kehrt zei­gen die genann­ten Län­der, in denen es eine sol­che rela­tiv erfolg­rei­che Poli­tik der Ein­däm­mung gab, dass dort wie­der für den größ­ten Teil der Bevöl­ke­rung ein rela­tiv nor­ma­les All­tags­le­ben statt­fin­den kann. Sie­he die Bil­der ges­tern vom „America’s Cup“ aus Neu­see­land. Sie­he vor weni­gen Wochen die Bil­der von den „Aus­tra­li­an Open“ – jeweils Film­be­rich­te mit Tau­sen­den Men­schen, die begeis­tert und ohne Mas­ken fei­ern konn­ten. War­um? Weil erfolg­reich eine Zero-Covid-Poli­tik betrie­ben wur­de.

Bilanz

Wor­um muss bei einer ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten lin­ken Poli­tik
gehen?

Die Pan­de­mie ist Rea­li­tät. Eine Überster­blick­eit von mehr als 20 Pro­zent im Dezem­ber 2020 und Janu­ar-Febru­ar 2021 – und in ein­zel­nen Bun­des­län­dern von mehr als 40 Pro­zent – das gab es noch nie seit 1945. Die­se Pan­de­mie trifft deut­lich über­pro­por­tio­nal die­je­ni­gen, die arm sind, die ein­kom­mens­schwach sind, die in pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen leben, die auf­grund ihres Alters und ihrer Wohn­si­tua­ti­on beson­ders gefähr­det sind.

Der Kern der Epi­de­mie hat mit Kapi­tal und kapi­ta­lis­ti­scher
Glo­ba­li­sie­rung zu tun. Stich­wort: Zoo­no­se.

Wir kön­nen und müs­sen das erklä­ren.

Der Kern des Ver­sa­gens in der Bekämp­fung der Pan­de­mie hat mit
der kapi­ta­lis­tisch ver­fass­ten Gesell­schaft zu tun. Stich­wor­te: Fall­pau­scha­le;
Aus­schluss der Wirt­schaft bei den Ein­däm­mungs­maß­nah­men und Lock­downs.

Wir kön­nen und müs­sen das erklä­ren.

Die zen­tra­le Erkennt­nis für eine wirk­sa­me Bekämp­fung der
Pan­de­mie ist die, die die Men­schen seit Jahr­hun­der­ten im Kampf gegen Seu­chen
gewon­nen haben: Ein­däm­mung, Iso­lie­rung, Ver­fol­gung der Infek­ti­ons­ket­ten, um sie
zu unter­bre­chen; Hei­lung Erkrank­ter. Das erfor­dert eine soli­da­ri­sche Bewe­gung
von unten. Das lässt sich mit den kon­kre­ten Erfah­run­gen und Län­der-Bei­spie­len
bele­gen.

Das kön­nen und müs­sen wir erklä­ren.

Und: Wir müs­sen uns dafür in einem bestehen­den und wach­sen­den
Bünd­nis enga­gie­ren.

Win­fried Wolf, Wil­helms­horst bei Ber­lin, 18. März 2021

Anga­be hier und im wei­te­ren Ver­lauf nach der Johns Hop­kins Uni­ver­si­ty; Stand: 18. März 2021.

Hier nach: “http://​www​.worl​do​me​ter​.info” www​.worl​do​me​ter​.info Bei die­ser Sta­tis­tik sind die Anga­ben für die ein­zel­nen Län­der exakt zurück ver­folg­bar für ein­zel­ne Zeit­punk­te.

2020 waren es 2724 Stra­ßen­ver­kehrs­to­te (Coro­na-bedingt 300 weni­ger als 2019).

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