[perspektive:] Führender CSU-Politiker erhielt 12 Millionen € von Milliardär, der auch die AfD finanzierte

Der rechte CSU-Kader Peter Gauweiler bezog über acht Jahre „Pauschalhonorare“ vom Mövenpick-Milliardär August von Finck junior. Dieser war in der Vergangenheit immer wieder durch die Finanzierung rechter Projekte aufgefallen, zuletzt der AfD. Insgesamt soll sich die Summe für Gauweiler auf ganze 12 Millionen Euro belaufen haben.

Peter Gau­wei­ler ist nicht Irgend­je­mand – er ist ein Urge­stein rech­ter Poli­tik in Deutsch­land. Sein Vater Otto Gau­wei­ler war NSDAP-Funk­tio­när, sein Onkel Hel­mut Gau­wei­ler NS-Funk­tio­när und Pro­pa­gan­dist.

1968 trat Peter Gau­wei­ler in die CSU ein als Reak­ti­on auf die west­deut­sche Stu­die­ren­den­be­we­gung der 1960er Jah­re, um deren sozia­lis­ti­sche Zie­le auf­zu­hal­ten. Sein Men­tor war der erz­re­ak­tio­nä­re Franz Josef Strauß.

Spä­ter ver­ant­wor­te­te Gau­wei­ler als baye­ri­scher Poli­ti­ker die bru­ta­len Poli­zei­ein­sät­ze gegen die Pro­tes­te in Wackers­dorf mit, bei der Zehn­tau­sen­de gegen die im Bau befind­li­che Wie­der­auf­be­rei­tungs­an­la­ge pro­tes­tier­ten. Gau­wei­ler wur­de außer­dem hef­tig kri­ti­siert, als er 1987 auf AIDS-Kran­ke das Bun­des­seu­chen­ge­setz anwen­den woll­te. So ent­wi­ckel­te er für Bay­ern einen Maß­nah­men­ka­ta­log, der Zwangs­tests und Abson­de­run­gen vor­sah. Als 1997 die Wehr­machts­aus­stel­lung über Gräu­el­ta­ten der Nazis in Mün­chen gezeigt wer­den soll­te, star­te­te Gau­wei­ler eine Gegen-Kam­pa­gne.

Er saß lan­ge in Par­la­men­ten: Von 1990 bis 2002 war er Abge­ord­ne­ter im Baye­ri­schen Land­tag, von 2002 bis März 2015 war er Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter.

Honorar vom Milliardär

Wie nun die Süd­deut­sche Zei­tung berich­tet, soll er dabei zwi­schen 2008 und 2015 ein regel­mä­ßi­ges „ver­ein­bar­tes Pau­schal­ho­no­rar“ erhal­ten haben – von nie­mand ande­rem als dem Mul­ti-Mil­li­ar­där August von Finck juni­or.

Der 87-Jäh­ri­ge Unter­neh­mer und Bän­ker kommt aus Mün­chen, lebt aber heu­te in der Schweiz. Von Finck ver­füg­te 2018 nach Schät­zung des Wirt­schafts­ma­ga­zins For­bes über ein Ver­mö­gen von 9,2 Mil­li­ar­den US-Dol­lar. Damit liegt er auf Platz 16 der reichs­ten Men­schen Deutsch­lands – und auf Platz 167 der reichs­ten Men­schen der Welt.

Wie die Süd­deut­sche Zei­tung berich­tet, began­nen die Rech­nun­gen von Gau­wei­ler an Finck 2008 mit einem Jah­res­ho­no­rar in Höhe von 1,785 Mil­lio­nen Euro inklu­si­ve Mehr­wert­steu­er. Bis Ende 2015 folg­ten min­des­tens 26 vier­tel­jähr­li­che Rech­nun­gen die­ser Art für „Bera­tungs­tä­tig­keit“ in Höhe von jeweils 350.000 Euro plus 66.500 Euro Mehr­wert­steu­er, zusam­men also 416.500 Euro.

Ins­ge­samt ergibt das mehr als zwölf Mil­lio­nen Euro, davon mehr als elf Mil­lio­nen Euro wäh­rend Gau­wei­lers Zeit im Bun­des­tag. Pikant: Die Rech­nun­gen lie­fen mit dem letz­ten Vier­tel­jahr 2015 aus. Gau­wei­ler war Ende März 2015 aus dem Bun­des­tag aus­ge­schie­den und als CSU-Vize­chef zurück­ge­tre­ten.

„Augus­tus Intel­li­gence“: wenn Geheim­diens­te, Adel, Wirt­schaft, Poli­tik und Faschi­sie­rung ver­schmel­zen

Von Finck und der Faschismus

August von Finck juni­or ist der zwei­te von vier Söh­nen des August von Finck seni­or, einem frü­hen Bewun­de­rer Hit­lers und Pro­fi­teur der Ari­sie­rung wäh­rend des Hit­ler-Faschis­mus. Des­sen Pri­vat­bank „Merck Finck & Co“ konn­te im Jahr 1938 unter ande­rem das jüdi­sche Pri­vat­bank­haus „S. M. v. Roth­schild“ über­neh­men.

Spä­ter ver­mehr­te Finck Juni­or sein Erbe mit Inves­ti­tio­nen in der Restau­rant- und Hotel­grup­pe „Möven­pick“ sowie in Rüs­tungs­un­ter­neh­men und dem Unter­neh­men „Degus­sa Gold­han­del„. Finck erwarb dafür extra die Namens­rech­te des Kon­zerns Degus­sa. Dabei han­delt es sich um einen his­to­risch anrü­chi­gen Namen. Denn die Degus­sa lie­fer­te über Toch­ter­fir­men das Zyklon B für die Gas­kam­mern der Ver­nich­tungs­la­ger wäh­rend der Zeit des Hit­ler-Faschis­mus. In den Schmelz­öfen der Degus­sa wur­de wei­ter­hin das Zahn­gold ein­ge­schmol­zen, das den ver­gas­ten Juden her­aus­ge­bro­chen wur­de.

Finck und die AfD

Finck setz­te sein Ver­mö­gen in der Ver­gan­gen­heit immer wie­der zur För­de­rung rech­ter Pro­jek­te ein. Laut inter­ner Unter­la­gen war Finck über Degus­sa an einem gewinn­brin­gen­den Gold­han­del betei­ligt, mit dem die faschis­ti­sche AfD in den ers­ten Jah­ren ihre finan­zi­el­le Basis gestärkt haben soll. Laut einer Lie­fer­lis­te der AfD war die Degus­sa einer der Haupt­lie­fe­ran­ten des Gol­des.

Zudem soll sich der Geschäfts­füh­rer der Finck­schen Ver­mö­gens­ver­wal­tung im März 2017 mit einem rech­ten Ver­le­ger getrof­fen haben. Dabei ging es um das Kon­zept der AfD-nahen Zei­tung „Deutsch­land Kurier“. Die Zei­tung wur­de Mil­lio­nen­fach gedruckt und von der AfD mehr­fach zu Wahl­kampf­zwe­cken ein­ge­setzt. In ihr schrei­ben ver­schie­de­ne AfD-Poli­ti­ker.

2013 wur­den meh­re­re AfD-Ver­an­stal­tun­gen von einer Mün­che­ner PR-Agen­tur bezahlt, die enge Bezie­hun­gen zu Finck unter­hält. Der Betrag wird vom dama­li­gen Bun­des­schatz­meis­ter der AfD, Nor­bert Sten­zel, auf „100.000 bis 120.000 Euro“ geschätzt.

August von Finck Juni­onr hat­te zudem bereits in der Ver­gan­gen­heit mit Spen­den an ande­re Par­tei­en für Auf­se­hen gesorgt. Der FDP hat­te er 2010 rund 1,1 Mil­lio­nen Euro gespen­det. Kurz dar­auf wur­de die Mehr­wert­steu­er für Hotel­über­nach­tun­gen von 19 auf 7 Pro­zent redu­ziert. Auch Peter Gau­wei­ler war offen­bar auf der Lis­te sei­ner bezahl­ten Poli­ti­ker.

Gauweilers „Nebentätigkeiten“

Immer wie­der hat Gau­wei­ler in der Ver­gan­gen­heit auf­se­hen mit „Neben­tä­tig­kei­ten“ erregt. 2014 ver­klag­te Gau­wei­ler für sei­nen Man­dan­ten, den Labor­un­ter­neh­mer Bernd Schott­dorf, den Unter­su­chungs­aus­schuss des Baye­ri­schen Land­tags. 2015 beauf­trag­te der Staat Katar die Rechts­an­walts­kanz­lei Bub, Gau­wei­ler und Part­ner mit der Wahr­neh­mung sei­ner Inter­es­sen in der juris­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen Katar und dem ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des (DFB), Theo Zwan­zi­ger. Zwan­zi­ger hat­te die Ver­ga­be der Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft 2022 an Katar kri­ti­siert. Zuletzt ver­trat Gau­wei­ler das kri­mi­nel­le Wire­card-Unter­neh­men.

Der Bei­trag Füh­ren­der CSU-Poli­ti­ker erhielt 12 Mil­lio­nen € von Mil­li­ar­där, der auch die AfD finan­zier­te erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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