[perspektive:] Housing Action Day 2021: Wohnraum für Menschen, nicht für Profite!

Gestern war in ganz Europa der Housing Action Day – ein Aktionstag für bezahlbare Mieten, gegen Spekulation mit Mietobjekten und für das Menschenrecht auf Wohnen.

In die­sem Jahr for­mu­lier­te das Akti­ons­bünd­nis gegen Ver­drän­gung und Mie­ten­wahn­sinn zum Housing Action Day vier For­de­run­gen:

Woh­nun­gen für alle!
Woh­nungs­lo­se und Geflüch­te­te in Woh­nun­gen oder Hotels unter­brin­gen!
Leer­stand been­den! Beset­zun­gen lega­li­sie­ren!
Mehr Plät­ze in Frau­en­häu­sern!
Zwangs­räu­mun­gen, Ver­sor­gungs­sper­ren und Kün­di­gun­gen ver­hin­dern!

Miet­schul­den erlas­sen!
Wohn­raum, Klein­ge­wer­be, Kul­tur­sze­ne und sozia­le Zen­tren sichern!
Kei­ne Sub­ven­tio­nen für hohe Mie­ten und Finanzinvestor*innen!

Mie­ten sen­ken – Gewin­ne umver­tei­len!
Höchst­mie­ten fest­set­zen!
Kri­sen­ge­win­ne abschöp­fen – Son­der­ab­ga­be zur Bewäl­ti­gung der Coro­na-Kri­se!

Boden­spe­ku­la­ti­on been­den – Woh­nungs­kon­zer­ne ver­ge­sell­schaf­ten!
Wohn­raum und Boden dür­fen kei­ne Ware sein!

In rund 25 Städ­ten in Deutsch­land wur­den die­se und wei­te­re For­de­run­gen auf die Stra­ße getra­gen.

In Ber­lin kamen rund 2.000 Men­schen zusam­men zu einer Demons­tra­ti­on.
Die­se Demons­tra­ti­on wur­de von zahl­rei­chen Kund­ge­bun­gen ergänzt – etwa bei der Ini­ti­ti­ve „Linie 206 bleibt!“, die um das Haus­pro­jekt der besetz­ten Lini­en­stra­ße 206 kämp­fen.

Ber­lin blick auf ein Jahr vol­ler Räu­mun­gen bekann­ter Haus­pro­jek­te zurück: Das Syn­di­kat, die Liebig34, die Haber­saath­stra­ße und die Rum­mels­bur­ger Bucht ver­lo­ren wäh­rend der Pan­de­mie ihre Räu­me. Auch die kol­lek­tiv betrie­be­ne Knei­pe „Meu­te­rei“ wur­de kürz­lich geräumt, und so kri­ti­sier­ten Ber­li­ner Aktivist:innen, dass Stadt­bild und Gas­tro­no­mie sich immer mehr dem Tou­ris­mus und grö­ße­ren Ket­ten anbie­dern müs­se.

In Frank­furt kamen eini­ge Dut­zend zum Pro­test zusam­men. Sie for­der­ten Ent­eig­nung von Immo­bi­li­en­kon­zer­nen, Ver­ge­sell­schaf­tung von Wohn­raum und Sozi­al­bau für bezahl­ba­re Mie­ten. Der Mie­ten­scheid Frank­furt ver­lieh auf der Kund­ge­bung einen Preis für die dreis­tes­te Miet­erhö­hung. Die­ser ging an die lan­des­ei­ge­ne Woh­nungs­ge­sell­schaft NH.

In Leip­zig fan­den ins­ge­samt vier Kund­ge­bun­gen und Demons­tra­tio­nen statt. Eine grö­ße­re Demo star­te­te in Con­ne­witz. Sie wur­de ergänzt durch eine Kund­ge­bung orga­ni­siert von „Stadt für alle“, Musi­ker­vier­tel“, „Ver­net­zung Süd“ und dem „Soli­da­ri­täts­netz­werk Leip­zig“. Dort berich­te­ten auch Betrof­fe­ne von viel zu klei­nen Woh­nun­gen, Ängs­ten um die Exis­tenz und Sofort­hil­fen, die nicht ankom­men.

Leip­zig: Das war der Housing Action Day 2021

Auch in Köln nah­men rund 150 Men­schen an einer Kund­ge­bung in der Innen­stadt teil. Ein brei­tes Bünd­nis for­der­te dort gemein­sam das Recht auf Woh­nen – für Men­schen, nicht für Pro­fi­te. Auch eine Betrof­fe­ne kam zu Wort: Eine jun­ge Mut­ter berich­te­te von ihrer Wohn­si­tua­ti­on bei der DEWOG. Die­se ist so ver­schim­melt, dass ihr Sohn aus gesund­heut­li­chen Grün­den eigent­lich bei den Groß­el­tern leben muss. Nun geht es ihr wie vie­len und auch sie ist von Ver­drän­gung bedroht.

Das Bünd­nis Mar­burg gegen Mie­ten­wahn­sinn orga­ni­sier­te eine Demons­tra­ti­on durch die Mar­bur­ger Innen­stadt.

In Stutt­gart ver­sam­mel­ten sich rund 200 Per­so­nen am Erwin-Schoett­le-Patz. Die Mitorganisator:innen „Soli­da­ri­tät und Klas­sen­kampf“ berich­ten: „Ins­ge­samt fünf Redner:innen und die Mode­ra­ti­on beleuch­te­ten die ver­schie­de­nen Facet­ten des Wohn­raum­kamp­fes. An vie­len Stel­len regt sich Wider­stand, wie zum Bei­spiel in der Initia­ti­ve Schoett­le Are­al. Hier schlie­ßen sich Nachbar:innen soli­da­risch zusam­men, um gemein­sam dafür zu sor­gen, dass die bald unge­nutz­ten 15.000 qm des Schoett­le Are­als sinn­voll und güns­tig für das Vier­tel bereit­ge­stellt wer­den. Rose­vi­ta und Adria­na, die ehe­ma­li­gen Haus­be­set­ze­rin­nen der Wil­helm Raa­be Stra­ße 4, erzähl­ten von der üblen Repres­si­on, die sie sei­tens des Staa­tes und der Jus­tiz ertra­gen muss­ten, wäh­rend aber rei­che Immo­bi­li­en­be­sit­zen­de geschützt wer­den, obwohl sie mas­sen­haft Pro­fi­te schef­feln und Woh­nen unbe­zahl­bar machen.“

Der Bei­trag Housing Action Day 2021: Wohn­raum für Men­schen, nicht für Pro­fi­te! erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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