[perspektive:] Stahlindustrie NRW: 0 Prozent und Einmalzahlungen

IG Metall und Stahlindustrie einigen sich auf eine Nullrunde für Stahlkocher:innen im Nordwesten. Im Gegenzug soll es verschiedene Einmalzahlungen geben. Der Tarifvertrag soll bis Mai 2022 gelten und betrifft ca. 70.000 Arbeiter:innen in NRW, Niedersachsen und Bremen. Der Abschluss könnte zum Vorbild für die Metall- und Elektroindustrie werden.

Lohn­er­hö­hun­gen – Fehl­an­zei­ge! Der neue Tarif­ver­trag für die Stahlarbeiter.innen in Nord­west­deutsch­land schreibt das bis­he­ri­ge Lohn­ni­veau bis min­des­tens Mai 2022 fort. Statt­des­sen einig­ten sich Stahl­in­dus­trie und die Gewerk­schaft IG Metall auf Ein­mal­zah­lun­gen für die ca. 70.000 Beschäf­tig­ten der Bran­che in Nord­rhein-West­fa­len, Nie­der­sach­sen und Bre­men.

Dem­nach soll den Arbeiter:innen zum 30. Juni 2021 eine ein­ma­li­ge Coro­na-Prä­mie in Höhe von 500 Euro aus­ge­zahlt wer­den. Im Dezem­ber 2021 und Febru­ar 2022 soll es jeweils 250 Euro geben. Ab 2023 sind dann jähr­li­che Ein­mal­zah­lun­gen von 600 Euro vor­ge­se­hen. Es ist aber nicht gesi­chert, dass das Geld am Ende auch tat­säch­lich auf den Kon­ten der Arbeiter:innen lan­det: Die Ein­mal­zah­lun­gen kön­nen laut Eini­gung näm­lich auch „zur Beschäf­ti­gungs­si­che­rung genutzt“ und in Frei­zeit umge­wan­delt wer­den.

Sin­ken­de Real­löh­ne?

Ursprüng­lich war die Gewerk­schaft mit der For­de­rung nach einer Tarif­er­hö­hung im Volu­men von vier Pro­zent in die Ver­hand­lun­gen gegan­gen. Der nord­rhein-west­fä­li­sche Bezirks­lei­ter der IG Metall, Knut Geis­ler, nann­te die Eini­gung nun jedoch „einen ver­ant­wor­tungs­vol­len und fai­ren Kom­pro­miss“. Durch den neu­en Tarif­ver­trag stie­gen die Löh­ne und Gehäl­ter nach Geis­lers Auf­fas­sung „dau­er­haft“. Setzt man die Lohn­er­hö­hung von 0 Pro­zent ins Ver­hält­nis zur Stei­ge­rung der Ver­brau­cher­prei­se – die­se lag im Febru­ar 2021 nach offi­zi­el­len Sta­tis­ti­ken bei immer­hin 1,3 Pro­zent – dürf­ten die Real­löh­ne der Stahlarbeiter:innen in die­sem Jahr und in Wirk­lich­keit jedoch deut­lich sin­ken.

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Vor­bild für die Metall- und Elek­tro­in­dus­trie?

Der Abschluss im Nord­wes­ten könn­te nun auch in ande­ren Tarif­ge­bie­ten der Stahl­bran­che über­nom­men wer­den und zudem als Vor­bild für die Tarif­ver­hand­lun­gen in der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie die­nen. Die­se sol­len ab Mon­tag fort­ge­setzt wer­den. Hier for­dert die IG Metall eben­falls ein „Volu­men von vier Pro­zent“ für ein Jahr, das je nach betrieb­li­cher Situa­ti­on ent­we­der für Lohn­er­hö­hun­gen, Maß­nah­men zur Beschäf­ti­gungs­si­che­rung oder die „Bewäl­ti­gung der indus­tri­el­len Trans­for­ma­ti­on“ ver­wen­det wer­den sol­le.

IG-Metall-Chef Jörg Hof­mann will den Stahl­ab­schluss trotz­dem nicht als „Blau­pau­se“ für die 3,8 Mil­lio­nen Arbeiter:innen der Metall- und Elek­tro­in­dus­trie ver­stan­den wis­sen. Die letz­te Ver­hand­lungs­run­de am Frei­tag hat­te nach Anga­ben der Betei­lig­ten eine Annä­he­rung, aber noch kei­nen Durch­bruch gebracht.

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Der Bei­trag Stahl­in­dus­trie NRW: 0 Pro­zent und Ein­mal­zah­lun­gen erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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