[LCM:] [Deutschlands brutalste Familienclans VII]: Blut&Bohnen – die Kaffeedynastie Jacobs

Ihre Anfüh­rer scheu­en oft das Licht der Öffent­lich­keit, doch sie besit­zen immense Macht. Kon­ten gefüllt mit Mil­li­ar­den aus Geschäf­ten, die in aller Her­ren Län­der ver­rich­tet wer­den; tau­sen­de Unter­ge­be­ne, die auf Gedeih und Ver­derb dem Rich­ter­spruch der Män­ner und Frau­en an der Spit­ze aus­ge­lie­fert sind; sie bli­cken oft auf eine mehr als hun­dert­jäh­ri­ge Geschich­te kri­mi­nel­ler Machen­schaf­ten zurück, sind für Mil­lio­nen Tote mit­ver­ant­wort­lich: Deut­sche Kapi­ta­lis­ten-Clans.

Die­se Rei­he wid­met sich den Super­rei­chen der Bun­des­re­pu­blik, die den tra­di­ti­ons­rei­chen „Fami­li­en­un­ter­neh­men“ vor­ste­hen, von der Poli­tik jeder Cou­leur hofiert wer­den und so gut wie nie zum Gegen­stand wut­bür­ger­li­chen Auf­be­geh­rens wer­den. Teil eins der Serie wid­me­te sich der Fami­lie Quandt/​Klatten, Teil zwei dreh­te sich um das Scha­eff­ler-Impe­ri­um; in Teil drei ging es um die Bro­se Fahr­zeug­tei­le SE & Co. KG; Teil vier wid­me­te sich den Rei­manns und Teil 5 dem Reich der Oetkers. In Teil VI wid­me­ten wir uns den Faschis­ten­fi­nan­ziers des Finck-Clans.

Auf Platz 9 der reichs­ten Deut­schen im Jahr 2021 sieht das Ver­mö­gen Maga­zin die Kaf­fee­dy­nas­tie Jacobs. Mit 11,2 Mil­li­ar­den Euro wird ihr Ver­mö­gen ange­ge­ben. Woher es kommt, kann man sich unschwer aus­ma­len, denn der Fami­li­en­na­me steht seit Jahr­zehn­ten syn­onym für das wich­tigs­te Gut des Clans: Kaf­fee.

Die Geschich­te des Auf­stiegs des Oli­go­pols ist lang und da sich die bür­ger­li­che Geschichts­schrei­bung für der­glei­chen kaum inter­es­siert, müs­sen wir bei der Fra­ge, woher er kam, all der Reich­tum, auf einen glück­li­chen Umstand zurück­grei­fen. Erben von Rei­chen­dy­nas­tien ent­wi­ckeln aus Fadesse und Ver­nach­läs­si­gung häu­fig Iden­ti­täts­kri­sen und müs­sen dann Bücher schrei­ben. Das tat auch Loui­se Jacobs, eine aus der jün­ge­ren Genera­ti­on der Jacobs‘, und erforsch­te in ihrem Buch „Café Hei­mat“ die His­to­rie ihrer Fami­lie.

Das Büch­lein ist lücken­haft, schweift häu­fig ins Lite­ra­ri­sche ab und man muss sich die für unse­re Zwe­cke, die Erfor­schung der Fir­men­ge­schich­te deut­scher Kapi­ta­lis­ten­clans, rele­van­ten Infor­ma­tio­nen zwi­schen dut­zen­den Sei­ten Pfer­de­zucht, Cham­pa­gner-Früh­stück und Loup de Meer im Edel­schup­pen „Bor­chardt“ her­aus­pi­cken. Sei‘s drum, man erfährt doch eini­ges.

Die Geburt des heu­te mul­ti­na­tio­na­len Kon­zerns voll­zog sich 1898: „Im Hau­se Doms­hof 18 eröff­ne ich ein Spe­zi­al­ge­schäft in Caf­fee, Thee, Cacao, Cho­co­la­den, Bis­cuits – Inha­ber und Grün­der Johann Jacobs“. Die Unter­neh­mung ging dann eine Zeit recht klein­bür­ger­lich von der Hand, aber 1907 kam ein eige­ner Röst­be­trieb zum Laden und man gewann 1926, da hieß die Fir­ma schon „ Johann Jacobs und Co.“ mit der Nord­deut­schen Lloyd ers­te Groß­kun­den.

1930 stieg Walt­her Jacobs in den Betrieb mit ein, der ihn spä­ter zu Welt­gel­tung füh­ren soll­te. Zunächst aber wur­de ein wenig gehit­lert, wie es eben so üblich war in der besit­zen­den Klas­se Deutsch­lands. Der Ver­mu­tung, es kön­ne sich bei Jacobs des Namens wegen um einen jüdi­schen Betrieb han­deln, trat schon 1933 der zustän­di­ge Kreis­kampf­füh­rer ent­ge­gen: „2. April 1933. Kampf allen Ver­leum­dun­gen! Es wird hier­mit bestä­tigt, dass die Fir­ma Joh. Jacobs & Co. Kaf­fee­rös­te­rei, Bre­men, ein deut­sches Unter­neh­men ist und nur mit deut­schem Kapi­tal arbei­tet … Der Name ist rein nie­der­säch­si­schen Ursprungs.“ Jacobs bringt die Sor­te „1933“ auf den Markt, die ers­ten Jah­re des Hit­ler-Faschis­mus kur­beln die Kon­junk­tur auch im Kaf­fee-Sek­tor an. 1934 setzt Jacobs einen Fir­men­neu­bau um, es geht berg­auf, 1936 wer­den 6,6 Mil­lio­nen Reichs­mark umge­setzt, der Kaf­fee­im­port steigt an und man zeich­net die fir­men­in­ter­nen Rund­schrei­ben brav mit „Heil Hit­ler“.

Auf­stieg im Wirt­schafts­wun­der

Man muss aber sagen: im Unter­schied zu den meis­ten ande­ren heu­te noch mäch­ti­gen deut­schen Mono­pol­kon­zer­nen war der Faschis­mus für Jacobs nicht die ent­schei­den­de Kon­junk­tur­sprit­ze. Klar, man pro­fi­tier­te, klar, man konn­te sich drü­cken, an der Front zu ster­ben, klar, man koope­rier­te mit den Nazis und unter­hielt enge Ver­bin­dun­gen zur Wehr­macht, und zumin­dest in gering­fü­gi­gem Aus­maß müs­sen, so erwähnt Loui­se Jacobs, auch „Fremd­ar­bei­ter“ zum Ein­satz gekom­men sein.

Die genaue Rol­le von Jacobs im Natio­nal­so­zia­lis­mus ist nicht bis ins Detail erforscht. Aber der Auf­stieg beginnt eigent­lich als Kri­sen­ge­winn­ler in der Zeit nach dem Ende des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Walt­her Jacobs macht sei­ne „Kon­tak­te zu deut­schen und bri­ti­schen Behör­den“ gel­tend, der Wie­der­auf­bau beginnt. Lan­ge Zeit gibt es nur „Mucke­fuck“, den unge­lieb­ten, aber mas­sen­haft getrun­ke­nen Kaf­fee­er­satz, aber ab 1948 lan­den end­lich wie­der Kaf­fee­boh­nen aus Bra­si­li­en am Bre­mer Hafen.

In der Bun­des­re­pu­blik ent­wi­ckelt sich über die Jahr­zehn­te eine Mas­sen­kon­sum­kul­tur, ein wenig nach ame­ri­ka­ni­schem Vor­bild. Man setzt bei der Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung ganz auf die Mono­pol­kon­zer­ne und die ver­die­nen sich krumm. So steigt Jacobs auf, vom wohl­ha­ben­den Klein­bür­ger aus bäu­er­li­cher Fami­lie zum Mil­lio­när, dann zum Inha­ber eines Groß­kon­zerns.

1973 ver­legt Klaus J. Jacobs den Fir­men­sitz nach Zürich, 1990 kauft Kraft Foods das Unter­neh­men, 2015 geht es in den mul­ti­na­tio­na­len Kon­zern Jacobs Dou­we Egberts (JDE) ein, der wie­der­um via JAB Hol­ding von einem ande­ren deut­schen Mil­li­ar­därs­ge­schlecht kon­trol­liert wird: den Rei­manns.

Blu­ti­ge Boh­nen

Das Buch von Loui­se Jacobs ist nicht nur des­halb inter­es­sant, weil es Details aus der Fami­li­en­ge­schich­te nennt. Es ist vor allem des­halb inter­es­sant, weil es den Ele­fan­ten im Raum so selbst­ver­ständ­lich über­sieht, dass man einen Ein­druck davon bekommt, wie wenig Leu­te wie sie über­haupt ahnen, woher ihr Ver­mö­gen kommt. Dabei steck­te die Sache schon im Namen, zumin­dest in der Grün­dungs­pha­se des Unter­neh­mens, denn Läden wie den von Jacobs nann­te man damals ja ganz wert­neu­tral „Kolonialwaren“-Läden.

En pas­sant, wenn sie dar­über erzählt, dass mal eine Lie­fe­rung stockt, oder die Län­der nennt, aus denen die Boh­nen bezo­gen wer­den soll, erfährt man zumin­dest die Her­kunfts­län­der: Bra­si­li­en, Kolum­bi­en, Gua­te­ma­la, El Sal­va­dor, Kenia. Und manch­mal räso­niert sie mit dem gebüh­ren­den Exo­tis­mus der Kolo­ni­al­wa­ren­händ­ler­fa­mi­lie, wie wohl die „dun­kel­häu­ti­gen Indio­frau­en“, die „in Tücher gewi­ckel­ten schuf­ten­den Män­ner, Frau­en und Kin­der, die auf dem Sand­bo­den kau­ernd Boh­nen ver­le­sen“ auf den „deut­schen Bau­ern, den Han­sea­ten“ gewirkt haben muss­ten.

Dass es genau das Leid und die Drang­sal die­ser schuf­ten­den Män­ner, Frau­en und Kin­der waren, denen sie ihren Wohl­stand ver­dankt, kommt ihr nicht in den Sinn. Dabei hät­te sie es mühe­los nach­le­sen kön­nen, etwa in „Uncom­mon grounds – the histo­ry of cof­fee and how it trans­for­med our world“ des US-Publi­zis­ten Mark Pen­der­grast, der in sei­nem epi­schen Werk nach­zeich­net, wie das Geschäft mit der Kolo­ni­al­wa­re gan­ze Län­der zugrun­de rich­te­te.

Da war natür­lich zunächst die Skla­ve­rei. Lan­ge Zeit war es bil­li­ger, neue Skla­ven zu impor­tie­ren, als den vor­han­de­nen zum Über­le­ben zu ver­hel­fen und dem­entspre­chend arbei­te­te man sie ein­fach zu Tode. Recht­los den Eigen­tü­mern aus­ge­lie­fert, waren bru­ta­le Bestra­fun­gen, sexua­li­sier­te Gewalt und Mord an der Tages­ord­nung. Das for­ma­le Ver­bot des Skla­ven­han­dels änder­te dar­an wenig, zunächst stieg die Anzahl der Skla­ven sogar. Als das Ver­bot dann wirk­lich durch­ge­setzt wur­de, sahen sich die Plan­ta­gen­be­sit­zer ein­fach nach alter­na­ti­ven Arbeits­mo­del­len um, die der Bru­ta­li­tät der Skla­ve­rei kaum nach­stan­den. Ver­arm­te ita­lie­ni­sche Ein­wan­de­rer, ent­wur­zel­te Klein­bau­ern und ver­trie­be­ne Indi­ge­ne, ehe­ma­li­ge Skla­ven – den Plan­ta­gen­ka­pi­ta­lis­ten war es egal, sie zäun­ten ihre Unter­ge­be­nen ein und lie­ßen sie von bewaff­ne­ten Guards bewa­chen.

Über Gua­te­ma­la in sei­ner Kaf­fee-Hoch­pha­se schrieb Jef­frey Pai­ge in „Cof­fee and Power“: Gua­te­ma­la hat­te so vie­le Sol­da­ten, dass es einer Straf­ko­lo­nie ähnel­te, ein­fach aus dem Grund, dass es eine auf Zwangs­ar­beit basie­ren­de Straf­ko­lo­nie war.“ Pen­der­grast zitiert ein durch­aus reprä­sen­ta­ti­ves Beschwer­de­schrei­ben eines Plan­ta­gen­ar­bei­ters: „Don Manu­el, der Bru­der mei­nes Arbeit­ge­bers, schlug mich grund­los. Er schlug auch mei­ne Frau und unser Baby, mit dem Ergeb­nis, dass bei­de star­ben.“ Ein ande­rer schrieb: Nach­dem „der Chef die Blü­te mei­ner Jugend durch Arbeit aus­ge­beu­tet hat“, wol­le er jetzt nur noch „lang­sam auf den Fel­dern ster­ben wie es die Tie­re tun, wenn sie alt und nutz­los gewor­den sind.“

Kaf­fee in Latein­ame­ri­ka hieß Ver­nich­tung von Mensch und Natur in einem gigan­ti­schen Aus­maß. Regie­run­gen wur­den gestürzt, Indi­ge­ne mas­sen­haft ver­trie­ben und ver­sklavt wie etwa in Gua­te­ma­la, Spe­ku­la­ti­on sorg­te zeit­wei­se für die Ver­nich­tung von Unmen­gen an Kaf­fee und selbst­re­dend nahm man kei­ner­lei Rück­sicht auf die Natur. Die bra­si­lia­ni­sche Rio-Regi­on wur­de „rasch runi­niert durch eine Pflan­ze, deren destruk­ti­ve Anbau­form gero­de­te Wäl­der, erschöpf­te natür­li­che Res­sour­cen und gene­rell Ver­fall zurück­ließ“, schrieb Edu­ar­do Galea­no.

Und heu­te?

Es herrscht im all­ge­mei­nen Bewusst­sein der Irr­glau­be vor, zu mei­nen, „frü­her“ sei das alles viel schlim­mer gewe­sen, aber „heut­zu­ta­ge“ doch nicht mehr. Das liegt vor allem dar­an, dass die Ver­bre­chen der Kapi­ta­lis­ten meis­tens erst Jah­re nach ihrem Voll­zug ans Licht einer brei­te­ren Öffent­lich­keit gelan­gen und dann eine rie­si­ge Pro­pa­gan­da­ma­schi­ne bemüht ist, sie als Unfäl­le, Ein­zel­fäll oder Ver­se­hen abzu­tun.

Aber Kaf­fee blieb ein Gut, des­sen Ver­mark­tung die einen reich macht und die ande­ren in Unglück und Ver­der­ben stürzt. Erst im Jahr 2016 unter­such­te eine däni­sche NGO die Lie­fer­ket­ten der zwei größ­ten Mono­po­lis­ten – Nest­lé und Jacobs (da schon JDE) – und fand das, was man net­ter­wei­se „poor working con­di­ti­ons“ nennt, also Skla­ve­rei, Kin­der­ar­beit, töd­li­che Pes­ti­zi­de und so wei­ter.

Auf die Berich­te reagier­ten die Kon­zer­ne natür­lich bestürzt, man ließ ver­laut­ba­ren, man kön­ne nicht die gan­ze Lie­fer­ket­te kon­trol­lie­ren und klar, man müs­se da mehr tun, die Geschäfts­be­zie­hun­gen mit denen, die auf­ge­flo­gen waren, wur­den been­det – und wei­ter ging das Spiel. Ein Bericht der Inter­na­tio­nal Labour Orga­ni­sa­ti­on (ILO) lis­tet für 2018 Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen gegen Kaffee-Arbeiter:innen in 17 Län­dern auf, dar­un­ter Zwangs­ar­beit, moder­ne Skla­ve­rei und Kin­der­ar­beit. Ein Arti­kel in Byline Times beschreibt die Situa­ti­on von Plantagen-Arbeiter:innen in Bra­si­li­en: Sie „wer­den oft in ihr Arbeits­ver­hält­nis ver­kauft (traf­fi­cked to work), für wenig oder kein Geld, und sie sind gezwun­gen, in Müll­hüt­ten zu leben, Was­ser neben den Tie­ren zu trin­ken. Sie befin­den sich häu­fig in Schuld­knecht­schaft, sie haben nicht-exis­ten­te Arbeits­ver­trä­ge, wer­den töd­li­chen Pflan­zen­gif­ten aus­ge­setzt, erman­geln Schutz­klei­dung und sind in Unter­künf­ten ohne Türen, Matrat­zen oder Trink­was­ser unter­ge­bracht.“ Der Anteil von Kin­der­ar­beit in Kaf­fee-Regio­nen Bra­si­li­ens liegt um 37 Pro­zent höher als in ande­ren Regio­nen. In Kenia, so der Byline-Times-Arti­kel, lie­ge der Monats­lohn (!) auf Kaf­fee-Plan­ta­gen bei 12 US-Dol­lar.

Das Geschäft mit dem Kaf­fee ist dabei eine rie­si­ge Pro­fit­ma­schi­ne. Über zwei Mil­li­ar­den Tas­sen Kaf­fee täg­lich wer­den kon­su­miert und die Lie­fer­ket­te ist weit ver­zweigt und führt stets in Län­der, in denen nied­rigs­te Löh­ne, wenn nicht gar Skla­ve­rei weit ver­brei­tet sind, oft auch mit rech­ten arbei­ter­feind­li­chen Regi­men wie dem heu­ti­gen in Bra­si­li­en. Aus die­sen Bedin­gun­gen erwach­sen immense Pro­fit­mar­gen.

Kin­der­ar­beit, dies­mal mit Kakao

Die füh­ren­de Gei­ge bei Jacobs Dou­we Egberts spielt heu­te nicht mehr die Fami­lie Jacobs, die gleich­wohl wei­ter­hin über ein Mil­li­ar­den­ver­mö­gen gebie­tet. Abge­löst wur­de sie von den Rei­manns. Die Jacobs dage­gen erb­ten eine Gestal­tungs­macht, die den Kin­der­ar­bei­tern auf den Kaf­fee­plan­ta­gen ihrer Lie­fe­ran­ten wohl ver­sagt blei­ben wird.

Die Män­ner der Fami­lie küm­mern sich um die haus­ei­ge­ne Fami­li­en-Hol­ding. Erst Andre­as, dann Nico­las und Phil­ip­pe Jacobs inves­tie­ren und meh­ren das aus Kolo­ni­al­wa­ren ent­stan­de­ne Ver­mö­gen mit – Kolo­ni­al­wa­ren. Die Hol­ding hält 50,11 Pro­zent am welt­gröss­ten Kakao- und Scho­ko­la­de­pro­du­zen­ten Bar­ry Cal­le­baut. Kakao und Scho­ko­la­de ste­hen dem Kaf­fee in Sachen Arbeits­be­din­gun­gen und Natur­schutz dabei kaum um etwas nach. Wer in so einen Clan gebo­ren wird, muss sich um nichts sor­gen: „Wir sind sehr früh mit den Geschäf­ten unse­res Vaters in Kon­takt gekom­men. An unse­rem Fami­li­en­tisch gab es regel­mäs­sig Abend­essen mit Geschäfts­part­nern und Mana­gern unse­rer Unter­neh­men. Wir haben zu Hau­se auch Schog­gi degus­tiert“, erin­nert sich Nico­las Jacobs. Und Phil­ip­pe fügt hin­zu: „Wir haben uns bei­de schon früh fürs Geschäft inter­es­siert und es ent­spre­chend unse­rer Her­kunft immer als Chan­ce wahr­ge­nom­men. Als Chan­ce, die es zu nut­zen gilt.“

Wer dage­gen weni­ger Chan­cen hat und sel­te­ner Schog­gi degus­tiert, sind die Arbeiter:innen in den Lie­fer­ket­ten des Kaf­fee- und Scho­ko­la­de­busi­ness. Auch Bar­ry Cal­le­baut ist für Kin­der­ar­beit in den sup­ply chains bekannt. Trotz stän­di­ger Beteue­run­gen, man wol­le irgend­et­was gegen die Kin­der­ar­beit in den eige­nen Lie­fer­ket­ten tun, bleibt die­se beharr­lich Bestand­teil der Mehr­wert­pro­duk­ti­on. Bar­ry Cal­le­baut unter­zeich­ne­te zwar schon 2001 eine Selbst­ver­pflich­tung zum Abbau der Kin­der­ar­beit bis 2008, aber sie blieb bis heu­te und mitt­ler­wei­le schwört der Kon­zern, man wer­de sie „bis 2025“ abschaf­fen.

Der Freu­de der Erben an den Chan­cen des Invest­ment­ver­mö­gens wird das kei­nen Abbruch tun. Tra­di­ti­on ver­pflich­tet eben.

# Titel­bild: Skla­ven auf einer Kaf­fee-Plan­ta­ge in Bra­si­li­en, 1882, Quel­le: wikimedia.commons

Der Bei­trag [Deutsch­lands bru­tals­te Fami­li­en­clans VII]: Blut&Bohnen – die Kaf­fee­dy­nas­tie Jacobs erschien zuerst auf Lower Class Maga­zi­ne.

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