[EMRAWI:] Nach dem Streik ist vor dem Streik! – ein Update aus der Gudi

1., Es gab offen­sicht­lich kei­nen Plan für eine Wei­ter­füh­rung der Gudi. Erst mit unse­rem Streik began­nen Gesprä­che zwi­schen Fonds Sozia­les Wien (FSW) und Arbei­ter­sa­ma­ri­ter­bund (ASB), nicht jedoch mit uns. In der Zwi­schen­zeit ist klar: Die Gudi wird tat­säch­lich reno­viert, und soll in der nächs­ten Sai­son mit redu­zier­ter Bet­ten­an­zahl und folg­lich mit bes­se­rem Schutz wie­der geöff­net wer­den. Ein ers­ter Erfolg unse­res Streiks!

2., Der ASB stell­te sich angeb­lich hin­ter uns und unse­re For­de­run­gen. Nur lei­der, so sei­ne Argu­men­ta­ti­on, kön­ne er gegen den all­mäch­ti­gen FSW nichts machen. Wir sehen dar­in eine Leug­nung der eige­nen Ver­ant­wor­tung. Er unter­schrieb nicht nur einen Ver­trag mit dem FSW, der die Coro­na-Situa­ti­on voll­kom­men igno­rier­te, er mach­te im pre­kä­ren Woh­nungs­lo­sen­be­reich (Gudi, Win­kelä­cker­weg, Ker­schen­steiner­gas­se) deut­li­che Ein­spa­run­gen. Dort wur­den bei der Umstel­lung auf die Sai­son 2020/​2021 die Betreu­ungs­schlüs­sel deut­lich ange­ho­ben. Auch aktu­ell schaut die “Unter­stüt­zung” so aus, dass ein­mal mehr unse­re Arbeits­be­din­gun­gen ver­schärft wer­den. So wer­den unse­re Kran­ken­stän­de im letz­ten Monat nicht mehr nach­be­setzt, wir sol­len in der Zeit zwi­schen der Schlie­ßung und unse­rem Ver­trags­en­de in Zwangs­ur­laub gehen oder Zeit­aus­gleich neh­men. Die wöchent­li­che Tes­tung und die Fahr­zeit zwi­schen Home-Office-Team­sit­zung und Dienst­an­tritt in der Gudi sol­len nicht mehr bezahlt wer­den.

3., Der FSW wei­gert sich nach wie vor, mit uns zu spre­chen. Aller­dings gab es kurz nach dem Streik ein Dan­kes­schrei­ben an alle “Mit­ar­bei­te­rIn­nen der Wie­ner Woh­nungs­lo­sen­hil­fe”. Ein­mal mehr wird ver­sucht, mit kos­ten­lo­sem Applaus die von ihm selbst mit­ver­ur­sach­ten har­schen Zustän­de zu übertünchen/​überdecken. Mit die­ser Poli­tik des Honig-um ‑den-Mund-Schmie­ren wird wohl ver­sucht, Basisarbeiter*innen vom Pro­test abzu­hal­ten.

4., Auch poli­tisch kommt etwas Bewe­gung in die Sache. LINKS unter­stützt die Pro­tes­te, die Grü­nen set­zen sich jetzt, da sie in Oppo­si­ti­on sind, für ein ganz­jäh­ri­ges Betreu­ungs­an­ge­bot ein. Für die SPÖ brüs­kiert Sozi­al­stadt­rat Peter Hacker die Pro­tes­tie­ren­den mit der Aus­sa­ge, dass “sie den Zustand von Betrof­fe­nen als Vor­wand neh­men, um sich Vor­tei­le für den eige­nen Arbeits­ver­trag zu schaf­fen”. Außer­dem mein­te er, dass ein ganz­jäh­ri­ges Ange­bot die Obdach­lo­sig­keit nur ver­fes­ti­gen wer­de. Von FPÖ und ÖVP ist bis­lang nichts zu hören – was bes­ser so ist.

5., Die Soli­da­ri­tät und die Ver­net­zung mit ande­ren Ein­rich­tun­gen geht wei­ter. Wir bekom­men mehr und mehr Unter­stüt­zung. Wir hof­fen, dass wir mit unse­rem Pro­test einen Raum öff­nen kön­nen, in dem auch ande­re Miss­stän­de im Sozi­al­be­reich auf­ge­zeigt wer­den.

6., Der Kampf um die Gudi ist noch lan­ge nicht vor­bei. Neben klei­ne­ren Aktio­nen fin­det am 9. April eine wei­te­re öffent­li­che Teil­be­reichs­be­triebs­ver­samm­lung und eine Demo statt. Treff­punkt ist um 16:00 im Stadt­park. Auch Pla­nun­gen für wei­te­re Pro­tes­te, vor allem rund um die Schlie­ßung, sind im Gan­ge.

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