[LCM:] Über Prinzipien, Wissenschaftlichen Sozialismus und Gegenmacht von unten – Interview mit Black Socialists in America (Teil 2 von 3)

Seit etwas mehr als zwei Jah­ren exis­tie­ren die Black Socia­lists in Ame­ri­ca (BSA) und machen mit einer klas­sen­ori­en­tier­ten, strö­mungs­über­grei­fen­den Pro­pa­gan­da von sich reden. Unser Autor Paul W. hat in einem aus­führ­li­chen Gespräch mit Deme­tri­us, Mit­lied der BSA und Co-Host des Pod­casts „1000 cuts“, über die Lage in den USA, die Not­wen­dig­keit einer Schwar­zen Orga­ni­sie­rung und die Per­spek­ti­ven der Revolutionär:innen im Herz der Bes­tie gespro­chen. (Teil 2 von 3, Teil 1 fin­det ihr hier)

Erst kürz­lich habt ihr umfang­rei­che Kern­prin­zi­pi­en ver­öf­fent­licht, die euren poli­ti­schen Stand­punkt und euren Akti­ons­plan beschrei­ben. Was waren eure Grün­de dafür?

Eine Orga­ni­sa­ti­on wie die unse­re muss sich im Kla­ren über ihre Über­zeu­gun­gen, ihre Ideo­lo­gie und ihre Pra­xis sein. Aber vie­le lin­ke Grup­pen sind in die­ser Hin­sicht auf eine gefähr­li­che Art sehr vage. Sie haben Mit­glie­der mit Ideo­lo­gien, die letzt­lich im Wider­spruch zuein­an­der ste­hen. Über­zeug­te Campist*innen (Antiimperialist:innen, die zu Fans jener Staa­ten wer­den, die gegen die USA ste­hen, etwa Russ­land, Iran, etc., d.Red.) pas­sen nicht beson­ders gut zu inter­na­tio­na­lis­ti­schen oder inter­kom­mu­na­lis­ti­schen Ten­den­zen in der sel­ben Orga­ni­sa­ti­on.

Ein wei­te­rer Grund ist, dass wir viel poli­ti­sche Bil­dung betrei­ben. Und die Über­zeu­gun­gen vie­ler Men­schen sind nicht schlüs­sig, sie sind ein­fach von ver­schie­de­nen Per­so­nen auf­ge­schnapp­tes Geschwa­fel. Des­halb ist es uns so wich­tig, dass wir so detail­lier­te Kern­prin­zi­pi­en haben, die auch auf Nuan­cen und Details ein­ge­hen. Denn so wis­sen die Leu­te wirk­lich, was unse­re Theo­rie und vor allem unse­re Pra­xis ist. Denn vie­le Lin­ke sind vage und oppor­tu­nis­tisch und wol­len nur Leu­te anwer­ben, egal wer kommt. Aber dar­um geht es uns nicht. Wir sind kei­ne Mas­sen­par­tei, son­dern eher eine Kata­ly­sa­tor-Orga­ni­sa­ti­on. Wir sind da, um Leu­te zu unter­stüt­zen und sie dazu anzu­spor­nen, selbst los­zu­ge­hen und vor Ort auf direkt­de­mo­kra­ti­sche und auto­no­me Art auf einen Sys­tem­wan­del hin­zu­ar­bei­ten. Man muss ehr­lich sein in Bezug auf die eige­nen Über­zeu­gun­gen. Und auch wenn das beängs­ti­gend sein kann und ver­wund­bar macht, wird es Leu­te geben, die einen respek­tie­ren, weil sie wis­sen wer man ist und weil man zu den eige­nen Prin­zi­pi­en steht. Man ist nicht Wischi­wa­schi.

Das ers­te, was ihr in euren Prin­zi­pi­en schreibt, ist, dass ihr Wis­sen­schaft­li­che Sozialist*innen seid. War­um sind euch die Prin­zi­pi­en und Metho­den des Wis­sen­schaft­li­chen Sozia­lis­mus so wich­tig?

Als ich gera­de ange­fan­gen habe, mich damit zu beschäf­ti­gen, hat ein Genos­se zu mir gesagt, dass Wis­sen­schaft­li­cher Sozia­lis­mus den Unter­schied aus­macht zwi­schen Lin­ken, die etwas auf die Rei­he bekom­men und denen, die es nicht tun. Er war da sehr direkt, aber es ist die Wahr­heit. Eine zutiefst von wis­sen­schaft­li­cher Metho­dik gepräg­te Ideo­lo­gie ist der ein­zig rich­ti­ge Weg. Dabei dür­fen wir jedoch nicht in Szi­en­tis­mus ver­fal­len, also die Ansicht, dass mensch­li­ches Wis­sen aus­schließ­lich durch wis­sen­schaft­li­che Metho­dik erlangt wer­den kann. Wir müs­sen bei unse­rer Ana­ly­se von Sys­te­men und Struk­tu­ren der Herr­schaft und Aus­beu­tung mate­ri­ell und empi­risch sein. In Bezug dar­auf, wie unse­re Welt zustan­de gekom­men ist und wie sie aus­sieht, kön­nen wir uns nicht in idea­lis­ti­sche Phan­ta­sien zurück­zie­hen.

Außer­dem ist es wich­tig, dass unse­re sozia­lis­ti­sche Theo­rie und Pra­xis auf Geschich­te, Anthro­po­lo­gie, Psy­cho­lo­gie, Phy­sik, Bio­lo­gie und so wei­ter basiert. Wir kön­nen nicht wie rech­te Liber­tä­re sein, die den Markt auf anti­ke, vor­schrift­li­che Völ­ker pro­ji­zie­ren. Als ob es den Markt schon immer gege­ben hät­te. In sei­nem Buch Schul­den: Die ers­ten 5000 Jah­re sagt der gro­ße David Gra­eber, möge er in Lie­be ruhen: »Das ist Bull­shit!« Es ist also sehr wich­tig, von die­sen wis­sen­schaft­li­chen For­schungs­fel­dern aus­zu­ge­hen und zu ver­su­chen, empi­risch zu sein.

Schau­en wir zum Bei­spiel die Pro­pa­gan­da gegen die mensch­li­che Natur an, der wir in der hier­ar­chi­schen Klas­sen­ge­sell­schaft unter­wor­fen sind. Men­schen sei­en von Natur aus kon­kur­renz­ori­en­tiert und gewalt­tä­tig und könn­ten nie­mals sich selbst über­las­sen wer­den, weil das nur Cha­os gäbe. Wenn man sich aber die tat­säch­li­chen sozio­lo­gi­schen und anthro­pol­gi­schen Bele­ge ansieht, wie Kro­pot­kin vor lan­ger Zeit oder Rut­ger Breg­man in sei­nem jüngs­ten Buch Im Grun­de gut: Eine neue Geschich­te der Mensch­heit, dann sind Men­schen sehr viel bes­ser als behaup­tet. Rebec­ca Solnit hat in ihrem Buch A Para­di­se built in Hell dar­über gespro­chen, wie Men­schen in Kata­stro­phen­sze­na­ri­en zusam­men­kom­men und koope­rie­ren. Und ich habe das hier in Hous­ton, Texas wäh­rend dem Hur­ri­kan oder auch dem jüngs­ten Käl­te­ein­bruch gese­hen: So viel gegen­sei­ti­ge Hil­fe!

Außer­dem gibt es noch das Buch Tri­be von Sebas­ti­an Jun­ger, in dem er auf­zeigt, wie Men­schen evo­lu­tio­när dazu gemacht sind, in Grup­pen zu leben, in einer Gemein­schaft zu sein. Die­se Pro­pa­gan­da, dass Men­schen Mons­ter sind und bla bla bla, die aus der sozi­al­dar­wi­nis­tisch beein­fluss­ten Wis­sen­schaft kommt, recht­fer­tigt im Grun­de nur Hier­ar­chien und Pater­na­lis­mus. Die The­se von denen ist: Weil ihr Idio­ten euch nicht selbst regie­ren könnt, braucht ihr eine Dad­dy-Figur, die euch sagt, was zu tun ist.

Und schließ­lich hilft uns eine wis­sen­schaft­lich-sozia­lis­ti­sche Per­spek­ti­ve auch dabei, unse­re jet­zi­gen Ver­hält­nis­se zu betrach­ten und zu sehen, dass es die­se gan­zen Struk­tu­ren und Mecha­nis­men nicht immer gege­ben hat. Und eben weil es sie in der Ver­gan­gen­heit nicht immer gege­ben hat, kön­nen wir dafür sor­gen, dass die­se Schei­ße auch in Zukunft wie­der ver­schwin­det.

Spä­ter fügt ihr hin­zu, dass ihr euch kei­nen, wie ihr es nennt, »Mar­ken­na­men« wie Anarchist*in,Trotzkist*in oder Marxist*in-Leninist*in geben wollt. Was waren eure Gedan­ken dahin­ter?

Ich den­ke, dass es für uns sehr wich­tig ist, nicht sek­tie­re­risch zu sein. Wenn man sich die­se gesam­te Mar­xis­mus-gegen-Anar­chis­mus-Debat­te ansieht, die bis heu­te wei­ter­geht, dann muss man manch­mal ein­fach auf die­se Bezeich­nun­gen ver­zich­ten, weil mit ihnen so viel Geschich­te und Bal­last ver­bun­den ist. Man wür­de nur den glei­chen alten Kampf wie­der­ho­len und zur Zeit der ers­ten Inter­na­tio­na­len und dem Streit zwi­schen Baku­nin und Marx zurück­ge­hen. Wenn man aber wirk­lich auf die Ideo­lo­gien ach­tet, stellt man fest, dass sie viel mehr gemein­sam haben, als man­che den­ken. Die­ser gan­ze Streit und das Dra­ma füh­ren zu nichts. Es gibt also Momen­te, in denen wir auf sol­che Labels und Iden­ti­tä­ten ver­zich­ten müs­sen. Auch wenn wir als Orga­ni­sa­ti­on fest an Iden­ti­tät, spe­zi­ell als Schwar­ze Men­schen, glau­ben. Bezeich­nun­gen haben natür­lich ihren Sinn. Din­ge brau­chen Namen, um sie zu ver­ste­hen und zu kate­go­ri­sie­ren. Aber gleich­zei­tig ver­fängt man sich schnell dar­in und schaut nicht mehr empi­risch, wie die Din­ge kon­kret funk­tio­nie­ren. Aber wir müs­sen empi­risch sein. Des­halb ist es für uns so wich­tig, nicht sek­tie­re­risch zu sein. Es wird sowie­so zum Vor­schein kom­men, wofür wir ste­hen

Man­che Leu­te sind auch über­rascht, wenn wir etwas von Anarchist*innen aus Japan pos­ten. Oder wenn wir nicht nur Zeug von Marx, son­dern auch von Baku­nin und Kro­pot­kin pos­ten. Aber wir sind von Book­chin geprägt und er ist von Marx und Kro­pot­kin geprägt. Es ist also wich­tig, fle­xi­bel zu sein. Denn unab­hän­gig von den jewei­li­gen Ten­den­zen vie­ler Denker*innen gibt es immer eini­ge Stü­cke Wis­sen und Wahr­heit, die man aus ihrer Ana­ly­se, Geschich­te und Pra­xis zie­hen kann. Also lest Marx! Aber lest auch Kro­pot­kin und Kuwa­si Balagoon oder Ashan­ti Als­ton. Lest sie alle! Seid selbst dazu bereit, Wer­ke von Auto­ri­tä­ren zu lesen! Lest Lenin, lest Mao! Aber immer mit einem kri­ti­schen Auge.

Ihr hebt auch die Wich­tig­keit von dezen­tra­len und direkt-demo­kra­ti­schen Struk­tu­ren her­vor, um, wie ihr es nennt »ech­te Demo­kra­tie« auf­zu­bau­en. Eure Stra­te­gie dazu hat drei Pfei­ler: Teil­nah­me am poli­ti­schen Pro­zess, direk­te Akti­on sowie den Auf­bau von Dual Power. Kannst du erklä­ren, war­um ihr die­se drei gewählt habt und war­um sie so wich­tig sind?

Ich den­ke, es ist mitt­ler­wei­le Com­mon-Sen­se, dass es wich­tig ist, sich in den poli­ti­schen Pro­zess ein­zu­brin­gen und die eige­ne Umge­bung zu ver­än­dern. Und ich mei­ne damit nicht, sich auf natio­na­ler Ebe­ne zu enga­gie­ren, son­dern auf loka­ler Ebe­ne, wo man eben ist. Aber selbst­ver­ständ­lich haben wir auch sehr erns­te Beden­ken in Bezug auf die reprä­sen­ta­ti­ve Demo­kra­tie, denn es han­delt sich dabei nicht um ech­te Demo­kra­tie. Ech­te Demo­kra­tie ist direk­te, wirk­lich kom­mu­na­le Kon­sens­bil­dung.

Das Zwei­te ist die direk­te Akti­on. Dazu gehö­ren Pro­tes­te, Demons­tra­tio­nen und Streiks. Wobei Streiks wie­der­um mit Dual Power zusam­men­hän­gen. Denn beim Durch­füh­ren bestimm­ter Streiks oder sogar eines Gene­ral­streiks ist es gut, wenn man bereits eine alter­na­ti­ve Infra­struk­tur auf­ge­baut hat, auf die sich die Strei­ken­den ver­las­sen kön­nen. Und auch wenn die Lin­ke ernst­haf­te Kri­tik­punk­te an Gewerk­schaf­ten hat, müs­sen die Men­schen sich in die­se Orga­ni­sa­tio­nen der direk­ten Akti­on ein­brin­gen.

Und dann Dual Power: Das ist die Schaf­fung von neu­er Infra­struk­tur und neu­en Sys­te­men, die nach ande­ren Logi­ken als denen des Staa­tes oder des Kapi­tals funk­tio­nie­ren. Die nicht hier­ar­chisch sind und wirk­lich eine Gegen­macht zu Staat und Kapi­tal auf­bau­en kön­nen. Ich rede hier von Worker-Self-Direc­ted-Enter­pri­ses und Arbeiter*innen-Kooperativen, Com­mu­ni­ty-Land-Trusts und sol­chen Din­gen. Es ist auch wich­tig, ande­re, nicht-hier­ar­chi­sche Bezie­hun­gen zuein­an­der zu haben, die nicht auf ras­sis­ti­scher Eng­stir­nig­keit, Gen­der­hass, Hass auf ande­re Reli­gio­nen oder Ähn­li­chem basie­ren. Unse­re Zusam­men­ar­beit mit Coope­ra­ti­on Jack­son ist ein gutes Bei­spiel für den Auf­bau von Dual Power. Genau wie sie kann man dort auf­ste­hen, wo man lebt und auf tat­säch­li­che Sys­tem­ver­än­de­rung drän­gen.

Ich den­ke, dass hier auch Selbst­ver­tei­di­gung ein wich­ti­ger Aspekt ist. Öca­lan sagt dazu bei­spiels­wei­se, dass die­se Ver­tei­di­gung nicht nur mili­tä­risch son­dern auch idelo­lo­gisch wich­tig ist.

Ja, obwohl das Pro­jekt in Roja­va nicht per­fekt ist, kein Pro­jekt kann unter die­sen Bedin­gun­gen per­fekt sein, ist es ein Leucht­feu­er für die gan­ze Welt. Es ist ein mul­ti-eth­ni­sches, mul­ti-natio­na­les und inter­na­tio­na­lis­ti­sches Pro­jekt. Es ist offen und Men­schen kön­nen sich in die Gemein­schaft ein­brin­gen. Aber für sie ist es auch zen­tral, die Mög­lich­kei­ten zu haben, sich und ihr wun­der­ba­res Pro­jekt zu ver­tei­di­gen. Ich den­ke also, dass Roja­va ein groß­ar­ti­ges Bei­spiel dafür ist. Lang lebe Roja­va!

Ihr betont wie­der­holt, dass sich die­se direkt-demo­kra­ti­schen und nicht-hier­ar­chi­schen Prin­zi­pi­en auch in eurer Orga­ni­sa­ti­on wie­der­spie­geln müs­sen. Aus die­sem Grund lehnt ihr cha­ris­ma­ti­sche Füh­rungs­fi­gu­ren und Avant­gar­dis­mus ab. Es wird aber immer Men­schen geben, die sich mehr in den Kampf ein­brin­gen als ande­re. Und Anarchist*innen nei­gen his­to­risch dazu, in die­sem Punkt sowie im Hin­blick auf das Über­neh­men von Macht naiv zu sein. Ein gutes Bei­spiel ist hier die Spa­ni­sche Revo­lu­ti­on. Was ist in Bezug auf die­se Kri­tik­punk­te euer Ansatz?

Ich den­ke, dass es aus die­sen Grün­den wich­tig ist, Anararchist*innen zu haben, die auf die Geschich­te schau­en und ver­su­chen, dar­aus zu ler­nen. Men­schen wie Book­chin kri­ti­sie­ren genau das und ver­su­chen aus den Nie­der­la­gen unse­rer anar­chis­ti­schen Vorgänger*innen zu ler­nen.

Wir Anarchist*innen und staats­kri­ti­sche Lin­ke, ich spre­che hier für mich und nicht für die gan­ze Orga­ni­sa­ti­on, müs­sen einen bes­se­ren Dis­kurs über den Macht­be­griff füh­ren. Was mei­nen wir, wenn wir Macht sagen? Wie sieht sie aus? Anarchist*innen sind nicht dar­an inter­es­siert, die Macht dort zu ergrei­fen, wo sie aktu­ell ist, son­dern for­dern sie her­aus. Wir wol­len eine neue Form der Macht kul­ti­vie­ren, die von unten nach oben funk­tio­niert. Eine Macht, die direkt von der Arbei­ter­klas­se, den Armen, den Unter­drü­cken und den his­to­risch mar­gi­na­li­sier­ten Grup­pen die­ser Welt aus­geht. Wohin­ge­gen Auto­ri­tä­re ver­su­chen, die bereits exis­tie­ren­den, hier­ar­chi­schen Struk­tu­ren und Herr­schafts­sys­te­me an sich zu rei­ßen, um sie für ihre ver­meint­lich »befrei­en­den« Zie­le zu nut­zen. Die­je­ni­gen, die in der Ver­gan­gen­heit ver­sucht haben, die Macht an der Spit­ze zu kon­trol­lie­ren oder zu zügeln, wur­den letzt­end­lich von der Logik die­ser Macht absor­biert, trans­for­miert oder zer­stört. Daher liegt der Schlüs­sel für uns dar­in, eine neue Macht an der Basis auf­zu­bau­en, die die Logik der Macht von Staat und Kapi­tal unter­gräbt. Wir wol­len die­se Struk­tu­ren durch den Auf­bau von Macht von unten über­flüs­sig machen, die auf direk­ter Demo­kra­tie anstel­le von Hier­ar­chie, Büro­kra­tie und Auto­ri­ta­ris­mus basiert.

Und in Bezug auf den ers­ten Punkt müs­sen wir die Welt, in der wir leben wol­len, bereits andeu­ten. Wir wol­len eine nicht-hier­ar­chi­sche Welt. Wir müs­sen die­sen Samen also bereits in unse­ren Bewe­gun­gen und Orga­ni­sa­tio­nen pflan­zen und kei­men las­sen. Des­halb brau­chen wir kei­ne Par­tei­en, son­dern Kol­lek­ti­ve, die direkt­de­mo­kra­tisch und auto­nom sind und ver­su­chen, die Men­schen zu ermu­ti­gen statt sie zu ent­mu­ti­gen.

Ein wich­ti­ger Grund für uns, mit die­sem Pater­na­lis­mus zu bre­chen, liegt dar­in, dass wir uns die Geschich­te der Black Pan­ther Par­ty anse­hen. Und Figu­ren wie Huey P. New­ton, David Hil­li­ard oder Fred Hamp­ton, so bril­li­ant sie waren, hat­ten ein­fach zu viel Macht und Auto­ri­tät in der Par­tei. Wenn man sich die Ana­ly­sen von Per­so­nen wie Loren­zo Ervin oder Rus­sel Maroon Shoatz ansieht, dann argu­men­tie­ren sie, dass eben die­se hier­ar­chi­sche Struk­tur der Black Pan­ther Par­ty das war, was sie für Unter­wan­de­rung und Zer­schla­gung durch den Staat anfäl­lig gemacht hat. Auch Donald Cox hat Held*innenverehrung, Pater­na­lis­mus und dem War­ten auf Erlö­ser­fi­gu­ren sehr gut ana­ly­siert. Wir müs­sen ein­se­hen, dass die­se Her­an­ge­hens­wei­se es ein­fach nicht bringt. Wir soll­ten in unse­ren Bewe­gun­gen nicht die sel­ben Sys­te­me der Herr­schaft repli­zie­ren, die wir bekämp­fen.

Ich spre­che hier aus einer spe­zi­fisch Schwar­zen und New-Afri­kan Per­spek­ti­ve. Schaut euch den revo­lu­tio­nä­ren Natio­na­lis­mus und Pan-Afri­kai­sche Revolutionär*innen wie Tho­mas San­ka­ra oder Kwa­me Nkru­mah an. Vie­le von ihnen waren bril­li­ant, aber eben auch auto­ri­tär und sie waren auf ver­schie­de­ne Arten repres­siv. Trotz­dem wer­den sie in der revo­lu­tio­nä­ren Schwar­zen Lin­ken ver­ehrt und idea­li­siert, ohne auf die von ihnen unter­stütz­te staat­li­che Repres­si­on zu schau­en. Das sel­be gilt für Kuba, Che und Fidel, so groß­ar­tig sie auch waren. Ich den­ke also, dass es wich­tig ist, die­sen pater­na­lis­ti­schen Ein­stel­lun­gen zu bre­chen und zu zei­gen, dass die wah­ren Held*innen nicht die­se revo­lu­tio­nä­ren Figu­ren son­dern die Men­schen vor Ort sind, die die täg­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­ar­beit leis­ten. Die­je­ni­gen, die man nicht sieht und deren Namen man nicht hört. Und sie wol­len noch nicht ein­mal, dass sie gese­hen und ihre Namen gehört wer­den. Denn was viel wich­ti­ger ist ist die Arbeit, die uns dabei hilft, die Frei­heit zu gewin­nen.

# Titel­bild: Arbei­ter­ko­ope­ra­ti­ve Coope­ra­ti­on Jack­son

Der Bei­trag Über Prin­zi­pi­en, Wis­sen­schaft­li­chen Sozia­lis­mus und Gegen­macht von unten – Inter­view mit Black Socia­lists in Ame­ri­ca (Teil 2 von 3) erschien zuerst auf Lower Class Maga­zi­ne.

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