[perspektive:] Wirtschaftsinstitute fordern Rente mit 69 – damit das Wachstum 0,3 % höher ausfällt

Deutschlands führende Wirtschaftinstitute schlagen dem Wirtschaftsministerium in einer Auftragsarbeit eine Anhebung des Renteneintrittsalters von 67 auf 69 Jahre vor. Damit könne das Wirtschaftswachstum um 0,3% steigen – wenn die Menschen mit 70 noch so gut arbeiten wie die 40–64-jährigen.

Die „Gemein­schafts­dia­gno­se“ wird in Zukunft Gewicht haben – denn sie ist ein kol­lek­tiv ver­fass­tes Doku­ment von Deutsch­lands füh­ren­den kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­in­sti­tu­ten. Dar­un­ter das Deut­sches Insti­tut für Wirt­schafts­for­schung e.V, das ifo Insti­tut und das Insti­tut für Welt­wirt­schaft. Das gewerk­schafts­na­he WSI war nicht betei­ligt. In Auf­trag gege­ben und bezahlt wur­de die Arbeit vom Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um unter der Füh­rung von Peter Alt­mai­er (CDU).

Laut Ein­schät­zung der Insti­tu­te dürf­ten die öffent­li­chen Haus­hal­te die­ses Jahr mit 159 Mil­li­ar­den Euro sogar noch mehr Schul­den machen als 2020. Nach der Bewäl­ti­gung der Coro­na-Kri­se wer­de dann die Wirt­schafts­po­li­tik vor der Her­aus­for­de­rung ste­hen, „die Staats­fi­nan­zen wie­der auf eine soli­de Basis zu stel­len“, wie es in der „Gemein­schafts­dia­gno­se“ heißt.

Rente mit 69

Die Wirt­schafts­in­sti­tu­te sehen vor allem einen Weg: So sei „ange­sichts der Demo­gra­fie vor allem die Ren­ten­ver­si­che­rung in den Blick zu neh­men. Eine Erhö­hung des Ren­ten­ein­tritts­al­ters wür­de die Staats­fi­nan­zen gleich­zei­tig ein- und aus­ga­be­sei­tig stüt­zen“, heißt es in der Ein­lei­tung des Papiers.

Denn die „Abga­ben­quo­te“ – also die Steu­ern – sei­en bereits auf einem gesamt­deut­schen Höchst­stand. Zwi­schen Arbeiter:innen, Erben oder Unter­neh­men wird von Sei­ten der Insti­tu­te dabei nicht dif­fe­ren­ziert.

Was also tun? Vor die­sem Hin­ter­grund rückt laut dem Papier ein höhe­res Ren­ten­ein­tritts­al­ter stär­ker in den Fokus, wür­de dies doch die „Ein­nah­me­sei­te der Ren­ten­ver­si­che­rung“ stär­ken und zudem das „Pro­duk­ti­ons­po­ten­zi­al“ erhö­hen. „Ein sol­cher Schritt bräch­te somit eine dop­pel­te Ren­di­te.“, freu­en sich die Wirtschaftswissenschaftler:innen.

„Mehrere zehntel Prozentpunkte“

Spä­ter wer­den sie genau­er. Unter der Über­schrift „Demo­gra­fie belas­tet Wachs­tums­aus­sich­ten“ heißt es: „Eine Erhö­hung des Ren­ten­ein­tritts­al­ters auf 69 Jah­re wür­de die abseh­ba­re Reduk­ti­on des Poten­zi­al­wachs­tums um meh­re­re zehn­tel Pro­zent­punk­te in den 2020er Jah­ren mil­dern“

Eine Anhe­bung des Ren­ten­ein­tritts­al­ters auf 70 Jah­re wür­de dem­entspre­chend die Ver­rin-gerung des Poten­zi­al­wachs­tums um 0,3 Pro­zent­punk­te und eine Anhe­bung auf 75 Jah­re um 0,5 Pro­zent­punk­te mil­dern, rech­nen die Insti­tu­te vor. Damit for­dern Deutsch­lands füh­ren­de Think-Tanks in Öko­no­mie-Fra­gen alle Men­schen 3 Jah­re län­ger arbei­ten zu las­sen – für 0,3 Pro­zent­punkt Wirt­schafts­wachs­tum.

Ein Rea­li­tätscheck müss­ten die Berech­nun­gen aller­dings bestehen. Denn für ihre mathe­ma­ti­sche Simu­la­ti­on der Aus­wir­kun­gen eines erhöh­ten Ren­ten­ein­tritts­al­ters auf das Wirt­schafts­wachs­tum wird unter­stellt, dass der Pro­duk­ti­ons­bei­trag der 65 bis 69-jäh­ri­gen genau­so groß ist wie der der 40–64-Jährigen.

Der Bei­trag Wirt­schafts­in­sti­tu­te for­dern Ren­te mit 69 – damit das Wachs­tum 0,3 % höher aus­fällt erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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