[KgK:] Vonovia mahnt zur Vorsicht: Die Macht der Mieter:innen

Da der Mie­ten­de­ckel vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt für nich­tig erklärt wur­de, kön­nen Vermieter:innen die gesenk­te Mie­te zurück­ver­lan­gen. Die Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men reagie­ren gemischt: Wäh­rend die Immo­bi­li­en­ver­wal­tung Blacz­ko ihren Mieter:innen auf unver­fro­re­ne Wei­se droht, beschwich­tigt Deut­sche Woh­nen mit Flos­keln. Vono­via aber ver­kün­det öffent­lich­keits­wirk­sam den Erlass der Nach­zah­lun­gen. Das Unter­neh­men mahnt gegen die Eska­la­ti­on – es ist der Druck von der Stra­ße, der Vono­via nach­ge­ben lässt.

Vonovia-Chef Buch: “Stimmung hat sich radikalisiert”

Das Urteil des Ver­fas­sungs­ge­richts lös­te ein Gewit­ter der Wut aus: Spon­tan ver­sam­mel­ten sich in Ber­lin 20.000 Men­schen, um gegen die Ent­schei­dung zu pro­tes­tie­ren. Eine Paro­le ver­band die Mas­sen: „Ent­eig­nung – jetzt erst Recht“. Die Demons­tra­ti­on bewies eine Kraft, die auch die Immo­bi­li­en­kon­zer­ne nicht unbe­ein­druckt lässt.

Vono­via, eines der größ­ten Ber­li­ner Woh­nungs­un­ter­neh­men, reagier­te als eine der ers­ten Fir­men öffent­lich auf das Gerichts­ur­teil – mit der Ankün­di­gung des Ver­zichts auf die Miet­nach­zah­lung . In einem Gespräch mit DER SPIEGEL offen­bart Vono­via-Chef Rolf Buch sei­ne Beweg­grün­de:

Der Ver­zicht auf Miet­nach­for­de­run­gen sol­le ein Signal sein, ‘dass es kei­ne wei­te­re Eska­la­ti­on’ beim The­ma bezahl­ba­res Woh­nen geben dür­fe. Er fürch­te, das Urteil wer­de den Kon­flikt noch wei­ter anhei­zen. Dem ‘Spie­gel’ sag­te Buch, er mache sich mitt­ler­wei­le Sor­gen um die Vono­via-Mit­ar­bei­ter in Ber­lin. ‘Die Stim­mung in Ber­lin hat sich radi­ka­li­siert.’

Buch weiß, wovon er spricht: Nicht nur in Ber­lin war die Wut am Don­ners­tag zu spü­ren. Auch in Stutt­gart fand eine Kund­ge­bung statt, gezielt der Ent­eig­nung sei­nes Unter­neh­mens gewid­met. In Hal­le wie­der­um knöpf­ten sich Mieter:innen Deut­sche Woh­nen vor und for­der­ten die “Ent­eig­nung bis zum Kom­mu­nis­mus”. Wenn jetzt, inmit­ten der Pan­de­mie, über Nacht ent­stan­de­ne Miet­schul­den eine Wel­le von Kün­di­gun­gen und Zwangs­räu­mun­gen aus­lö­sen wür­den, wären die Fol­gen für die Unter­neh­men kaum abseh­bar.

Unser Angriff ist die beste Verteidigung

So wun­dert es nicht, dass Deut­sche Woh­nen ihre Ankün­di­gung, die Nach­zah­lun­gen bis zum letz­ten Cent ein­zu­trei­ben, so diplo­ma­tisch wie mög­lich zu for­mu­lie­ren ver­such­te: Von “größt­mög­li­cher sozia­ler Ver­ant­wor­tung” wur­de gemur­melt, als man die Mieter:innen mit “Stun­dun­gen, Raten- und Ein­mal­zah­lun­gen” kon­fron­tier­te. Auch die­ser Immo­bi­li­en­rie­se spürt den Druck von Initia­ti­ven wie “Deut­sche Woh­nen und Co. Ent­eig­nen”.

Anders hin­ge­gen die Woh­nungs­ver­wal­tung Blacz­ko mit Sitz in Ber­lin und Miami, die mun­ter Öl ins Feu­er goss. Nach der Ver­kün­dung der gericht­li­chen Ent­schei­dung erhiel­ten die Mieter:innen, die sich die gede­ckel­te Mie­te erstrit­ten hat­ten, scha­den­fro­he E‑Mails – mit einer offe­nen Andro­hung der Ver­gel­tung.

Anschei­nend kann Blacz­ko von Miami aus nicht die Gefahr erken­nen, die Vono­via-Chef Rolf Buch aus sei­nem Büro­fens­ter sieht. Denn wirft man einen Blick auf die Reak­tio­nen – auf der Stra­ße und in den Medi­en –, so drängt sich ein Ein­druck nach­hal­tig auf: Die Mieter:innenbewegung ist nicht gewillt, das Urteil ein­fach so hin­zu­neh­men.

Indem wir unnach­gie­big unse­rer For­de­rung nach Ent­eig­nung Druck ver­lei­hen, zei­gen wir den Unter­neh­men, dass sie dem Bei­spiel von Vono­via bes­ser zu fol­gen haben. So wer­den wir auch dreis­ten Maul­hel­den wie der Immo­bi­li­en­ver­wal­tung Blacz­ko das Fürch­ten leh­ren – getreu dem Mot­to “Angriff ist die bes­te Ver­tei­di­gung”.

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