[Freiheitsliebe:] Bidens Jemen-Gesandter weiß nicht, ob die USA am Jemenkrieg beteiligt sind

In einer Anhö­rung vor einem Unter­aus­schuss des Außen­po­li­ti­schen Aus­schus­ses des US-Reprä­sen­tan­ten­haus erklär­te der Jemen-Son­der­ge­sand­te von US-Prä­si­dent Joe Biden, Tim Len­der­king, er wis­se nicht, ob die USA wei­ter­hin im Jemen­krieg invol­viert sei­en und die von Sau­di-Ara­bi­en geführ­te Koali­ti­on wei­ter­hin unter­stütz­ten. Joe Biden ver­sprach dies in einer Rede Anfang Febru­ar. Doch die­se Infor­ma­tio­nen lägen Bot­schaf­ter Len­der­king nicht vor.

Am Mitt­woch ver­gan­ge­ner Woche sag­te Joe Bidens Son­der­ge­sand­ter für Frie­dens­ver­hand­lun­gen im Jemen, Tim Len­der­king, in einer Anhö­rung vor Abge­ord­ne­ten des US-Kon­gress aus. Auf die Fra­ge des Demo­kra­ti­schen Kon­gress­ab­ge­ord­ne­ten Ted Lieu, ob die USA Bidens Zusa­ge vom Febru­ar nun ein­hiel­ten, kei­ne „offen­si­ven Mili­tär­ope­ra­tio­nen der Sau­dis“ mehr zu unter­stüt­zen, erklär­te Len­der­king: „Nun ja, ich kann zu die­sem The­ma nichts Spe­zi­fi­sches sagen.“ und weicht auf all­ge­mei­ne Flos­keln aus. Auf Nach­boh­ren von Lieu gesteht Bidens Jemen-Son­der­ge­sand­ter schließ­lich: „Ich bin nicht ganz in die­sem Infor­ma­ti­ons­kreis­lauf, Herr Abge­ord­ne­ter, also kann ich dazu auch nicht wirk­lich etwas sagen“.

Lieu: „The Biden admi­nis­tra­ti­on has said that the U.S. is no lon­ger gon­na sup­port offen­si­ve Sau­di-led mili­ta­ry ope­ra­ti­ons. Has that, in effect, occur­red?”
Len­der­king: „Well, I can’t speak to that point, spe­ci­fi­cal­ly.“

Lieu: „Let me just ask this ques­ti­on again. Is the U.S. cur­r­ent­ly sup­por­ting any mili­ta­ry ope­ra­ti­ons of the Sau­di-led coali­ti­on in Yemen?“
Len­der­king: „I’m not total­ly in that infor­ma­ti­on loop, Con­gress­man, so I can’t real­ly speak to that.“



Dass mit Len­der­king jene Per­son, die US-sei­tig mit der Been­di­gung des über sechs Jah­re andau­ern­den Krie­ges im Jemen beauf­tragt ist, nichts über die krie­ge­ri­schen Akti­vi­tä­ten sei­ner eige­nen Regie­rung weiß, ist eine Bla­ma­ge und illus­triert, wel­che Prio­ri­tät die Biden-Admi­nis­tra­ti­on der laut UN „schlimms­ten huma­ni­tä­ren Kri­se der Welt“ ein­räumt.

Len­der­king ist ein Kar­rie­re-Diplo­mat und dien­te für ver­schie­de­ne US-Regie­run­gen in Syri­en, Ban­gla­desch, Liba­non, Marok­ko, Kuwait, Irak, Paki­stan und zuletzt in Riad, Sau­di-Ara­bi­en, bevor er von Bidens Außen­mi­nis­ter Tony Blin­ken am 4. Febru­ar zum Son­der­bot­schaf­ter für den Frie­den im Jemen ernannt wur­de. In sei­ner außen­po­li­ti­schen Rede am 4. Febru­ar defi­niert Biden Len­der­kings Haupt­auf­ga­be: „[E]r wird mit dem UN-Gesand­ten und allen Kon­flikt­par­tei­en zusam­men­ar­bei­ten, um auf eine diplo­ma­ti­sche Lösung [im Jemen] zu drän­gen.“ Wie er die­se Auf­ga­be meis­tern soll, wenn er nicht ein­mal weiß, ob sei­ne eige­ne Regie­rung eine die­ser „Kon­flikt­par­tei­en“ ist, bleibt schlei­er­haft.

Am Tag die­ser unrühm­li­chen Per­for­mance ver­las Len­der­king auch ein State­ment im ana­lo­gen Nah­ost-Unter­aus­schuss des US-Senats. Hier­in erkann­te er an, dass „die Houthis nach dem Kon­flikt eine bedeu­ten­de Rol­le in der Regie­rung spie­len wer­den“ und for­der­te „die Hou­thi-Füh­rung“ auf: „kommt an den Ver­hand­lungs­tisch“. Zwar strich die Biden-Regie­rung die Houthis zum 16. Febru­ar von der US-Ter­ror­lis­te – auf die Trump sie noch einen Tag vor sei­nem Aus­schei­den setz­te –, doch blei­ben auch unter Biden füh­ren­de Hou­thi-Ver­tre­ter auf der Ter­ror­lis­te und wer­den wei­ter­hin sank­tio­niert. Ver­han­delt Washing­ton etwa mit „Ter­ro­ris­ten“? Oder soll­te Biden den destruk­ti­ven Kurs sei­nes Vor­gän­gers nicht end­lich been­den und die Houthis in Gän­ze von der Ter­ror­lis­te strei­chen?

In sei­ner Anhö­rung nann­te Len­der­king auch den Iran einen „Ter­ror-Staat“ („ter­ro­rist sta­te“), wäh­rend sei­ne Regie­rung zur sel­ben Zeit in Wien indi­rek­te Gesprä­che mit Tehe­ran über die Wie­der­be­le­bung des Iran-Deals von 2015 führt. Noch­mal: War­um ver­han­deln die USA mit „Ter­ro­ris­ten“? Und noch­mal: Oder soll­te Washing­ton viel­mehr die Ver­wen­dung die­ses rein poli­ti­schen Kampf­be­griffs über­den­ken?

In Bidens besag­ter Rede am 4. Febru­ar, in der er lang­erwar­tet die außen­po­li­ti­schen Zie­le sei­ner Regie­rung dar­leg­te, kam in Rich­tung Sau­di-Ara­bi­en die wohl bedeu­tends­te sei­ner Ankün­di­gun­gen: „[W]ir been­den jeg­li­che ame­ri­ka­ni­sche Unter­stüt­zung für offen­si­ve Ope­ra­tio­nen im Krieg im Jemen, ein­schließ­lich rele­van­ter Waf­fen­ver­käu­fe.“ Biden spricht expli­zit von „offen­si­ven Ope­ra­tio­nen“, was im Umkehr­schluss impli­ziert, die Unter­stüt­zung für „defen­si­ve Ope­ra­tio­nen“ wer­de wei­ter­ge­hen. Ana­log heißt es, nur „rele­van­te Waf­fen­ver­käu­fe“, also für Offen­siv­ope­ra­tio­nen, wer­den ein­ge­stellt, sol­che für Defen­siv­ope­ra­ti­on gin­gen dem­nach wei­ter. Nur vier Tage nach Bidens Rede bestä­tig­te dann der Vor­sit­zen­de des US-CENTCOM, Gen. Ken­neth McKen­zie, das US-Mili­tär wer­de Sau­di-Ara­bi­en in eben­je­nen Defen­siv­ope­ra­tio­nen wei­ter­hin unter­stüt­zen, etwa durch Geheim­dienst­kol­la­bo­ra­ti­on.

Im Nar­ra­tiv der Sau­dis dient jedoch der gesam­te Krieg ein­zig und allein der Ver­tei­di­gung, was auch die Oba­ma-Admi­nis­tra­ti­on mit Biden als Vize stets bemüh­te, um 2015 ihren all­um­fas­sen­den Sup­port für die Sau­di-Emi­ra­te-Koali­ti­on medi­al zu recht­fer­ti­gen. Biden äußer­te am 4. Febru­ar ledig­lich blu­mi­ge Wor­te, die nichts Ver­bind­li­ches ent­hiel­ten.

Seit März 2015 bom­bar­diert eine acht­köp­fi­ge Kriegs­ko­ali­ti­on unter Füh­rung Sau­di-Ara­bi­ens und der Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te die Zivil­be­völ­ke­rung des bereits vor dem Krieg ärms­ten Lands der ara­bi­schen Welt. Durch den Krieg wur­den laut UN-Schät­zung vom Dezem­ber 2020 über 233.000 Men­schen getö­tet, allein 131.000 davon durch Sekun­där­phä­no­me­ne wie Hun­ger, zer­stör­te Kran­ken­haus­in­fra­struk­tur und Epi­de­mien. Denn neben Waf­fen­ge­walt setzt die Sau­di-Emi­ra­te-Koali­ti­on auch die ver­hee­rends­te Hun­gers­not seit 100 Jah­ren sowie – neben ande­ren Epi­de­mien wie Den­gue und Mala­ria – die größ­te je auf der Welt doku­men­tier­te Cho­le­ra­epi­de­mie vor­sätz­lich als Kriegs­waf­fen ein.

Und seit Beginn des Krie­ges ist die US-Regie­rung die größ­te Kom­pli­zin in die­sem Geno­zid vor unse­ren Augen. Seit Kriegs­be­ginn stam­men weit über die Hälf­te aller Waf­fen­lie­fe­run­gen an die Koali­ti­on aus den USA. Über die Jah­re haben die Luft­be­tan­kun­gen der sau­di­schen Kampf­jets durch die USA den Bom­ben­krieg erst ermög­licht. Hin­zu kom­men Aus­bil­dung sau­di­scher Sol­da­ten, Geheim­dienst­kol­la­bo­ra­ti­on, ope­ra­ti­ver Sup­port in den Kom­man­do­zen­tra­len, jeg­li­che logis­ti­sche Unter­stüt­zung sowie poli­ti­sche und diplo­ma­ti­sche Rücken­de­ckung.

Wenn Bidens Jemen-Son­der­ge­sand­ter behaup­tet, über die­sen umfas­sen­den US-Sup­port nichts zu wis­sen, kann er kaum ernst genom­men wer­den. Um den Krieg im Jemen zu been­den, müs­sen die USA – genau wie die euro­päi­schen Kom­pli­zen – end­lich ihren ver­bre­che­ri­schen Sup­port für die Kriegs­ko­ali­ti­on ein­stel­len.

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