[labournet:] Staatsanwaltschaft Aschaffenburg erhebt Anklage gegen BürgerInnenAsyl-Aktivisten Hagen Kopp!

Dossier

Bürger*innen-Asyl Am 16. Juli 2020 soll vor dem AG Alzen­au gegen den kein-mensch-ist-ille­gal-Akti­vis­ten Hagen Kopp ver­han­delt wer­den. Ihm wird zur Last gelegt, dazu auf­ge­ru­fen zu haben, „von Abschie­bung bedroh­ten Men­schen Bür­ge­rIn­nen­asyl zu gewäh­ren und sie auch not­falls (…) zu ver­ste­cken“. Hin­ter­grund: Hagen Kopp wird im Impres­sum der Web­site https://​akti​onbue​r​ge​rin​nen​asyl​.de externer Link genannt. „Schüt­ze Men­schen vor Abschie­bung – Mach mit.“ Unter die­sem Mot­te wirbt die bun­des­wei­te Kam­pa­gne auf der Web­sei­te für prak­ti­sche Soli­da­ri­tät mit Men­schen, die in „Armut, Ver­fol­gung oder gar Krieg“ abge­scho­ben wer­den sol­len. (…) Der Flücht­lings­rat Nie­der­sach­sen erklärt sich mit Hagen Kopp soli­da­risch, des­sen men­schen­recht­li­ches Enga­ge­ment mit die­sem Pro­zess kri­mi­na­li­siert wer­den soll. Hagen Kopp steht für zahl­rei­che Men­schen, die nicht taten­los zuse­hen wol­len, wie Men­schen­rech­te mit Füßen getre­ten wer­den. So kann die Ankla­ge auch nicht anders als ein Ein­schüch­te­rungs­ver­such gegen Menschenrechtsaktivist_​innen ver­stan­den wer­den.” Mel­dung vom 3. Juli 2020 beim Flücht­lings­rat Nie­der­sach­sen externer Link – auch wir erklä­ren uns soli­da­risch mit unse­rem lang­jäh­ri­gen Koope­ra­ti­ons­part­ner! Sie­he dazu:

  • Schutz­räu­me schaf­fen – Abschie­bun­gen ver­hin­dern – Kri­mi­na­li­sie­rung der Soli­da­ri­tät stop­pen: Beru­fungs­ver­fah­ren und Kund­ge­bung am 6. Mai in Aschaf­fen­burg New
    Char­ter­ab­schie­bun­gen nach Afgha­ni­stan und nun sogar nach Sri Lan­ka, Ein­zel­ab­schie­bun­gen nach Soma­lia oder Äthio­pi­en. Die Ver­ant­wort­li­chen ken­nen kei­ne Tabus mehr. Die Poli­tik der Aus­gren­zung eska­liert wei­ter auf allen Ebe­nen: der Län­der, des Bun­des und auf euro­päi­scher Ebe­ne ins­be­son­de­re durch die Grenz­schutz­agen­tur Fron­tex. Abschie­bun­gen um jeden Preis: in Krieg, in Ver­fol­gung, in Armut und Per­spek­tiv­lo­sig­keit. Nach Paki­stan oder Nige­ria, nach Tune­si­en und vor allem in die Bal­kan­län­der. (…) Wir wer­den gegen die­ses Unrecht wei­ter kämp­fen. Mit Kund­ge­bun­gen, Demons­tra­tio­nen und Blo­cka­den. In Soli­da­ri­tät mit den Betrof­fe­nen bei Last-Minu­te-Pro­tes­ten im Flug­zeug. Mit Kam­pa­gnen gegen die Kol­la­bo­ra­ti­on der betei­lig­ten Flug­ge­sell­schaf­ten. Und mit dem Auf- und Aus­bau von Schutz­struk­tu­ren. (…) „Öffent­li­che Auf­for­de­rung zu Straf­ta­ten“ lau­tet die Ankla­ge am 6. Mai in Aschaf­fen­burg im Beru­fungs­ver­fah­ren gegen Hagen Kopp von kein mensch ist ille­gal in Hanau. Weil er mit sei­nem Namen im Impres­sum der Web­sei­te https://​akti​onbue​r​ge​rin​nen​asyl​.de externer Link steht. Nach­dem es im Juli 2020 vor dem Amts­ge­richt in Alzen­au einen glat­ten Frei­spruch gab, hat­te die Staats­an­walt­schaft Aschaf­fen­burg u.a. mit fol­gen­der Begrün­dung Beru­fung ein­ge­legt: „Durch den Auf­ruf ´von Abschie­bung bedroh­ten Men­schen Bürger:innenAsyl zu gewäh­ren und sie auch not­falls in ihren Woh­nun­gen zu ver­ste­cken‚ wird zu einer rechts­wid­ri­gen Tat auf­ge­ru­fen. Dies wur­de in der Öffent­lich­keit auch objek­tiv so ver­stan­den. Die Argu­men­ta­ti­on des Gerichts über­zeugt nicht, zumal Men­schen, die sich mit einer Dul­dung in der Bun­des­re­pu­blik auf­hal­ten, eben gera­de der­zeit nicht von Abschie­bung bedroht sind und dem­zu­fol­ge nicht ver­steckt wer­den müs­sen, das sie auf­grund der Dul­dung gar nicht abge­scho­ben wer­den kön­nen.“ Die Staats­an­walt­schaft hat offen­sicht­lich kei­ne Ahnung vom Asyl­recht oder davon, wie Abschie­bun­gen ablau­fen. Den­noch soll­te erwar­tet wer­den kön­nen, dass sie sich zumin­dest bei kom­pe­ten­ten Stel­len erkun­digt, bevor sie Beru­fung gegen ein immer­hin sach­li­ches ers­tes Urteil ein­legt. Das obi­ge Zitat aus der Begrün­dung ist an Pein­lich­keit kaum zu über­bie­ten. (…) Wir wer­den das Beru­fungs­ver­fah­ren in Aschaf­fen­burg zum Anlass neh­men, die ras­sis­ti­sche Gewalt der Abschie­bun­gen und deren Eska­la­ti­on in den letz­ten Mona­ten zu kri­ti­sie­ren und zu skan­da­li­sie­ren. Auf der Kund­ge­bung im Anschluss an den Pro­zess wer­den wir deut­lich machen, dass wir uns nicht ein­schüch­tern las­sen, son­dern wei­ter kämp­fen: für die offe­ne Gesell­schaft der Vie­len. Für eine Zukunft mit glei­chen Rech­ten für Alle, in der das töd­li­che Grenz­re­gime und die bru­ta­le Abschie­be­pra­xis als ver­bre­che­ri­sches Kapi­tel der Geschich­te erschei­nen wer­den…” Auf­ruf von und bei Bür­ge­rIn­nen­Asyl externer Link zu: Don­ners­tag, 6. Mai in Aschaf­fen­burg – Pro­zess wegen Auf­ruf zu Bürger:innenAsyl: 9.00 Uhr Pro­zess­be­ginn im Land­ge­richt und 11.00 Uhr Kund­ge­bung auf dem Schloss­platz
  • Kein Auf­ruf zu Straf­ta­ten: Gericht weist Kla­ge wegen Bür­ger­asyl ab und spricht Flücht­lings­ak­ti­vis­ten frei 
    Hagen Kopp trägt ein beson­de­res T‑Shirt, als er am Don­ners­tag auf der Ankla­ge­bank Platz nimmt: „saytheir­n­a­mes“ steht auf sei­ner Brust, in Geden­ken an die Hanau­er, die wäh­rend des ras­sis­ti­schen Anschlags im Febru­ar ermor­det wur­den. Kopp muss sich in der Alzen­au­er Zweig­stel­le des Amts­ge­richts Aschaf­fen­burg ver­ant­wor­ten, weil er im Impres­sum einer Web­sei­te für Bür­ger­asyl stand. Der 59-Jäh­ri­ge habe dazu auf­ge­for­dert, „von Abschie­bung bedroh­ten Men­schen Bür­ge­rin­nen­asyl zu gewäh­ren und sie auch not­falls in ihren Woh­nun­gen zu ver­ste­cken“. Damit habe er zu Straf­ta­ten auf­ge­ru­fen – so der Vor­wurf der Staats­an­walt­schaft. Kopp ist es wich­tig, auch auf den grö­ße­ren Kon­text der Ankla­ge ein­zu­ge­hen. Er betont, dass Tobi­as R., der Atten­tä­ter von Hanau, von den Sicher­heits­be­hör­den hät­te gestoppt wer­den kön­nen, etwa weil er sein „Mani­fest“ 14 Tage vor­her ins Netz stell­te. Dann spannt er den Bogen zu sei­nem Fall: Für den war anfangs die Schwer­punkt­ab­tei­lung „zur Bekämp­fung von Com­pu­ter- und Daten­netz­kri­mi­na­li­tät“ sowie „gewalt­dar­stel­len­der, por­no­gra­fi­scher und sons­ti­ger jugend­ge­fähr­den­der Schrif­ten“ der Staats­an­walt­schaft Cott­bus feder­füh­rend. Kopp fragt kri­tisch, ob die­se nichts Bes­se­res zu tun habe. Es sei trau­rig, dass sich die Staats­an­walt­schaft Aschaf­fen­burg die Cott­bus­ser Sicht ein­fach zu eigen mache, fügt er hin­zu. Am Ende spricht Rich­ter Tors­ten Kem­me­rer Kopp vom Vor­wurf des Ver­sto­ßes gegen Para­graf 111 des Straf­ge­setz­bu­ches frei und folgt in wesent­li­chen Tei­len der Argu­men­ta­ti­on von Ver­tei­di­ger Mar­kus Kün­zel. (…) Kün­zel hat­te wei­te­re Argu­men­te genannt – etwa dass Kopp den Auf­ruf höchs­tens als Ange­bot für ande­re zur Ver­fü­gung gestellt habe. Staats­an­walt Franz Stoi­ber hin­ge­gen hat­te bean­tragt, Kopp schul­dig zu spre­chen und zu einer Geld­stra­fe von 30 Tages­sät­zen à 35 Euro zu ver­ur­tei­len. Er ver­trat die Ansicht, es wer­de klar, wor­auf die Auf­for­de­rung hin­aus­lau­fe, näm­lich auf Bei­hil­fe zu uner­laub­tem Auf­ent­halt. Die Aus­sa­ge sei mit der not­wen­di­gen Bestimmt­heit getrof­fen wor­den. Die Staats­an­walt­schaft wer­de prü­fen, ob sie in Beru­fung gehe. Hagen Kopp äußer­te sich zufrie­den über das Ergeb­nis und freu­te sich, dass Unter­zeich­ner der Hanau­er Bür­ger­asyl-Initia­ti­ve in Alzen­au ihre Soli­da­ri­tät zeig­ten. Er kri­ti­sier­te aber, dass der Rich­ter nicht auf den von ihm ange­spro­che­nen Para­gra­fen 34 ein­ge­gan­gen sei. Dem­nach kön­nen ansons­ten straf­ba­re Hil­fe­leis­tun­gen im Not­fall gerecht­fer­tigt sein, zum Bei­spiel bei Lebens­ge­fahr…” Arti­kel von Gre­gor Hasch­nik vom 16.7.2020 in der FR online externer Link (Rhein-Main) – wir gra­tu­lie­ren!
  • [Gerichts­ver­hand­lung am 16. Juli] Wir for­dern Frei­spruch für Hagen Kopp! Das Bürger*innen-Asyl ist men­schen­recht­lich gebo­ten. Kei­ne Kri­mi­na­li­sie­rung von prak­ti­scher Soli­da­ri­tät! 
    Das Grund­rech­te­ko­mi­tee for­dert Frei­spruch für Hagen Kopp. Das Bürger*innen-Asyl ist men­schen­recht­lich gebo­ten. Kei­ne Kri­mi­na­li­sie­rung von prak­ti­scher Soli­da­ri­tät! “Die Not­wen­dig­keit einer gesell­schaft­li­chen Inter­ven­ti­on des Zivi­len Unge­hor­sams in Form des Bürger*innen-Asyls ist so lan­ge men­schen­recht­lich gebo­ten, wie das unmensch­li­che Abschie­be­sys­tem fort­be­steht. Davon sind wir auch heu­te noch über­zeugt”, begrün­det Brit­ta Rabe, Refe­ren­tin des Komi­tees für Grund­rech­te und Demo­kra­tie, die For­de­rung nach einem Frei­spruch. Am 16. Juli steht Hagen Kopp in Bay­ri­schen Alzen­au vor Gericht. Ihm wird vor­ge­wor­fen, dazu auf­zu­ru­fen “von Abschie­bung bedroh­ten Men­schen Bürger*innen-Asyl zu gewäh­ren und sie auch not­falls (…) zu ver­ste­cken”. Hagen Kopp steht im Impres­sum der Web­sei­te: www​.akti​onbue​r​ge​rin​nen​asyl​.de externer Link: „Schüt­ze Men­schen vor Abschie­bung – Mach mit.“ Die bun­des­wei­te Kam­pa­gne wirbt dort für die prak­ti­sche Soli­da­ri­tät mit Men­schen, die in Armut, Ver­fol­gung oder gar Krieg abge­scho­ben wer­den sol­len, – unter ande­rem dadurch, dass man ihnen Unter­schlupf gewährt. Sie ruft fer­ner dazu auf, loka­le Initia­ti­ven von Bürger*innen-Asyl zu unter­stüt­zen…” Pres­se­mit­tei­lung des Grund­rech­te­ko­mi­tees vom 15.7.2020 externer Link – wir schlie­ßen uns an!
  • Ankla­ge gegen Bür­ger­asy­lak­ti­vis­ten
    Baye­ri­scher Flücht­lings­rat erklärt sich soli­da­risch mit dem ange­klag­ten Men­schen­rechts­ak­ti­vis­ten Hagen Kopp. Solier­klä­rung vom 8. Juli 2020 externer Link

Der Bei­trag Staats­an­walt­schaft Aschaf­fen­burg erhebt Ankla­ge gegen Bür­ge­rIn­nen­Asyl-Akti­vis­ten Hagen Kopp! erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

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