[perspektive:] Das war der 1. Mai 2021 weltweit

Auf allen bewohnten Kontinenten waren auch in diesem Jahr zum internationalen Kampftag der Arbeiter:innenklasse Menschen in Bewegung. Dabei ging die Staatsmacht so gut wie überall hart gegen antifaschistischen und revolutionären Protest vor. Ein kleiner Überblick über verschiedene Aktionen.

Chile

Anläss­lich des 1. Mai tra­ten Arbeiter:innen in zahl­rei­chen Städ­ten Chi­les in den Gene­ral­streik. Die­ser rich­te­te sich gegen die Regie­rung von Prä­si­dent Piñe­ra und knüpf­te an die Pro­test­be­we­gun­gen der letz­ten Jah­re an. Bei den Demons­tra­tio­nen kam es zu zahl­rei­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der Poli­zei und zu hun­der­ten Fest­nah­men. Allein in der Haupt­stadt Sant­ia­go de Chi­le nahm die Poli­zei über 80 Arbeiter:innen fest. Schon am Mor­gen des 1. Mai waren zwölf Gewerkschafter:innen vor dem Prä­si­den­ten­pa­last ver­haf­tet wor­den, als sie dort einen Brief mit For­de­run­gen über­ge­ben woll­ten.

England

In Lon­don stand der 1. Mai in die­sem Jahr im Zei­chen des Pro­tests gegen das neue Poli­zei­ge­setz unter dem Mot­to #kill­t­he­bill. Dabei kam es schon früh zu Kon­fron­ta­tio­nen mit der Poli­zei. Die Demons­tra­ti­on zähl­te über 1000 Teilnehmer:innen, die durch das neue Gesetz unter ande­rem ihre Ver­samm­lungs­frei­heit gefähr­det sehen.
Auch in New­cast­le kam es zu Pro­tes­ten und Fest­nah­men.

Frankreich

Trotz Ankün­di­gun­gen des fran­zö­si­schen Innen­mi­nis­ters Gérald Darma­nin, es wer­de ledig­lich klei­ne­re Aktio­nen zum 1. Mai geben, waren in eigent­lich allen grö­ße­ren fran­zö­si­schen Städ­ten meh­re­re tau­send Men­schen auf den Stra­ßen. Sie rich­te­ten ihren Pro­test unter ande­rem gegen die Regie­rung Emma­nu­el Macrons. Bei den Pro­tes­ten war auch eine Teil­nah­me kämp­fe­ri­scher Arbeiter:innen von Lie­fer­diens­ten sicht­bar.

In Paris gab es meh­re­re Demons­tra­ti­ons­zü­ge, wobei einer von Gelb­wes­ten ange­führt wur­de. Die­se tra­fen auf dem Place de la Répu­bli­que zusam­men und lie­fen zusam­men wei­ter. Es kam teil­wei­se zu hef­ti­gen Zusam­men­stö­ßen mit der Poli­zei. Bren­nen­de Bar­ri­ka­den wur­den errich­tet. Auch in Nan­tes waren teil­wei­se gan­ze Stra­ßen­zü­ge mit Trä­nen­gas gefüllt. Die Demonstrant:innen hin­ter­lie­ßen hier in der Stadt zahl­rei­che gesprüh­te anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche For­de­run­gen und Paro­len.

Italien

In Ita­li­en fand unter ande­rem in Turin eine Groß­de­mo statt, die sich unter ande­rem gegen die geplan­te Hoch­ge­schwin­dig­keits­stre­cke TAV rich­te­te, die die nord­ita­lie­ni­sche Stadt mit dem fran­zö­si­schen Lyon ver­bin­den soll. Dabei kam es zu hef­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der Poli­zei.

Kolumbien

In Kolum­bi­en kam es am 1. Mai bereits am drit­ten Tag in Fol­ge zu Mas­sen­pro­tes­ten gegen eine geplan­te Steu­er­re­form. Dabei gin­gen Poli­zei und Mili­tär mit dra­ko­ni­scher Här­te gegen die Demons­trie­ren­den vor. Allein in der Stadt Cali wur­den min­des­tens 14 Men­schen durch das Mili­tär getö­tet.

Myanmar

In Myan­mar rich­te­ten sich die Pro­tes­te am 1. Mai in die­sem Jahr schwer­punkt­mä­ßig gegen die Mili­tär­dik­ta­tur. Seit dem Putsch am 1. Febru­ar ist die Bevöl­ke­rung durch­gän­gig von Ter­ror und Gewalt bedroht. Im gan­zen Land for­der­ten die Men­schen Frei­heit und Demo­kra­tie.

Österreich

In Öster­reich nah­men 2000 Per­so­nen an einer Demons­tra­ti­on teil, die von mehr als einem Dut­zend Orga­ni­sa­tio­nen orga­ni­siert wur­de. Die Rede­bei­trä­ge waren viel­fäl­tig und reich­ten von Arbeits­be­din­gun­gen in den ver­schie­dens­ten Bran­chen bis hin zur Soli­da­ri­tät mit Roja­va. Die Poli­zei ging dabei hart gegen die Demons­tra­ti­on vor. Es kam zum Ein­satz von Pfef­fer­spray und gewalt­sa­men Fest­nah­men. Zwei Per­so­nen muss­ten dar­auf­hin auf­grund erheb­li­cher Ver­let­zun­gen von der Poli­zei behan­delt wer­den.

Schweiz

In Basel wur­de die Demons­tra­ti­on zum 1. Mai in die­sem Jahr in die­sem Jahr von einem revo­lu­tio­nä­ren Block ange­führt. An die­sem betei­lig­ten sich rund 1500 Men­schen. Damit war er der größ­te Block der Demons­tra­ti­on. Die­ser lief auch nach der ange­mel­de­ten Rou­te wei­ter. Dabei wur­de zur Soli­da­ri­tät mit der kur­di­schen Gue­ril­la auf­ge­ru­fen und gegen die Abwäl­zung der Kri­sen­las­ten auf den Rücken der Arbeiter:innenklasse demons­triert.

Südkorea

Auch in die­sem Jahr hat die tra­di­tio­nell kämp­fe­ri­sche süd­ko­rea­ni­sche Arbeiter:innenbewegung zahl­rei­che Demons­tra­tio­nen zum 1. Mai durch­ge­führt. In der Haupt­stadt Seo­ul und 14 wei­te­ren Städ­ten des Lan­des orga­ni­sier­te der Gewerk­schafts­ver­band KCTU Aktio­nen für bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen und die Stär­kung der Rech­te von Arbeiter:innen.

Taiwan

Auf Tai­wan demons­trier­ten rund 3000 Men­schen für höhe­re Löh­ne und bes­se­re Sozi­al­ver­si­che­run­gen. Auf­ge­ru­fen hat­te das Bünd­nis „Akti­ons­al­li­anz 1. Mai 2021“, zu dem unter ande­rem die Gewerk­schaf­ten gehör­ten. Zen­tra­le For­de­rung war dabei, dass die Arbeiter:innen aller Bran­chen sich ver­ei­ni­gen soll­ten.

Türkei und Kurdistan

Am 1. Mai gin­gen trotz Ver­bo­ten Tau­sen­de von Men­schen in der gan­zen Tür­kei auf die Stra­ßen. Das demo­kra­ti­sche 1. Mai-Bünd­nis, in dem auch die Ver­ein­ten Kampf­kräf­te (BMG – Bünd­nis revo­lu­tio­nä­rer Kräf­te) ver­tre­ten sind, mobi­li­sier­te auf die Stra­ßen. Meh­re­re Klein­grup­pen zogen auf den his­to­ri­schen Tak­sim-Platz, der von der Poli­zei abge­rie­gelt wor­den ist. BMG-Mit­glie­der erklär­ten in den Demons­tra­tio­nen ent­schlos­sen: „Wir sind heu­te auf den ver­bo­te­nen Plät­zen. Wir sind heu­te hier, um die Bar­ri­ka­de zu durch­bre­chen, die vor den kämp­fen­den Arbeiter:innen, den Frau­en und den Stu­die­ren­den der Boğa­zi­çi-Uni­ver­si­tät errich­tet wor­den ist. Wir sind heu­te hier, um als Revolutionär*innen die Ver­bo­te des Staa­tes zu bekämp­fen. Wir wer­den die Bar­ri­ka­den durch­bre­chen und den Faschis­mus besie­gen!“

Die Poli­zei griff die Demons­tra­tio­nen an und nahm Hun­der­te Men­schen fest. Trotz einem Dekret, mit dem das Auf­zeich­nen von Poli­zei­ge­walt unter Stra­fe gestellt wor­den ist, doku­men­tier­te die freie Pres­se die Poli­zei­ge­walt. Der Wider­stand wur­de trotz­dem fort­ge­setzt. Aus den Poli­zei­bus­sen san­gen die fest­ge­nom­me­nen Demonstrant*innen Mär­sche des Wider­stands.

Auch in Nord- und Ost­sy­ri­en gab es Demons­tra­tio­nen und Kund­ge­bun­gen zum 1. Mai, auf denen die Besat­zungs­an­grif­fe des tür­ki­schen Staa­tes in Süd­kur­di­stan und Roja­va ver­ur­teilt wor­den sind. Die Revo­lu­tio­nä­re Kom­mu­nis­ti­sche Bewe­gung (TKŞ) rief die Völ­ker die­ser Welt zu inter­na­tio­na­ler Soli­da­ri­tät mit der Roja­va-Revo­lu­ti­on auf und erklär­te: „Die impe­ria­lis­ti­schen Kräf­te und reak­tio­nä­ren Mäch­te der Regi­on ertra­gen die­ses Sys­tem hier nicht, das den Weg des Lichts gegen die Dun­kel­heit des Kapi­ta­lis­mus ein­schlägt. Sie ver­su­chen über jeg­li­che Angrif­fe unse­re Revo­lu­ti­on zu bezwin­gen. Der faschis­ti­sche tür­ki­sche Kolo­ni­al­staat führt die­se Angrif­fe an.“

Der Bei­trag Das war der 1. Mai 2021 welt­weit erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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