[UG-Blättle:]Das Boot

Wolf­gang Peter­sen unter­lässt es in sei­nem Fim „Das Boot“, wie in ame­ri­ka­ni­schen Mili­tär­schin­ken üblich, mit schwam­mi­gen Begrif­fen wie Ehre, Pflicht und Vater­land um sich zu wer­fen und fokus­siert ganz auf die klaus­tro­pho­bi­sche Umge­bung und das Ver­hal­ten ein­zel­ner Besat­zungs­mit­glie­der.

Bild: Eun deut­sches U‑Boot (U‑966) unter Beschuss, Novem­ber 1943. /​United Sta­tes Air For­ce (PD)

Fast ein Vier­tel­jahr­hun­dert, scheint es, war Wolf­gang Peter­sens „Das Boot“ nach dem Roman Lothar-Gün­ther Buch­heim „unser Film“, bevor „Der Unter­gang“ die­ses Prä­di­kat über­neh­men soll­te – ein Film über das „Drit­te Reich“ aus der Enge eines U‑Boots, in tech­ni­scher und dra­ma­tur­gi­scher Bril­lanz gedreht, Peter­sens Ein­tritts­kar­te in Hol­ly­wood, ein Film, den man „uns Deut­schen“ kaum zuge­traut hät­te, ein Film, der den Mass­stä­ben des Hol­ly­wood-Kinos ent­sprach, ein Film, den selbst der bekann­te ame­ri­ka­ni­sche Film­kri­ti­ker Roger Ebert als Anti­kriegs­film ein­stuf­te, des­sen gross­ar­ti­ge schau­spie­le­ri­sche Leis­tun­gen aller­orts gelobt wur­den und so wei­ter und so fort. Schä­me sich der, der auch nur ein Fünk­chen Kri­tik an die­sem Meis­ter­werk äus­sert?

Der Schluss des Films, der Moment, in dem fast alle Besat­zungs­mit­glie­der des U‑Boots in La Rochel­le bei einem Luft­an­griff getö­tet wer­den, scheint zu der Fra­ge zu zwin­gen: Wofür sind sie gestor­ben? Und der Anfang des Films, ein feucht-fröh­li­ches Män­ner­bei­sam­men­sein vor dem Aus­lau­fen (Mot­to: Erst ordent­lich einen tan­ken, dann aus­lau­fen), scheint die­ses Wofür sogar durch sei­nen Anti-Hit­ler-Touch zu bestä­ti­gen, als der Mari­ne­sol­dat Thom­sen (Otto San­der) in voll­trun­ke­nem Zustand das Mikro­phon ergreift und den ver­sam­mel­ten und zumeist tor­keln­den Kame­ra­den zuruft: „Unser herr­li­cher, wert­ge­schätz­ter absti­nen­ter und unbe­weib­ter Füh­rer, der in glor­rei­cher Kar­rie­re vom Maler­lehr­ling zum gröss­ten Schlach­ten­len­ker aller Zei­ten … stimmt’s etwa nicht?“ … „Also, der gros­se Flot­ten­sach­ver­stän­di­ge, der unüber­trof­fe­ne See­stra­te­ge, dem es gefal­len hat, in sei­nem uner­mess­li­chen Rat­schluss … wie geht’s ’n wei­ter?“

Die aus­sa­ge­kräf­ti­ge Klam­mer des Films scheint zu funk­tio­nie­ren. Eine Anti-Hit­ler-Koali­ti­on der beson­de­ren Art, sozu­sa­gen eine unter Was­ser, scheint sich zusam­men zu schmie­den. Eine Män­ner­ge­mein­schaft scheint ent­schlos­sen, ja, aber zu was?

Im Herbst 1941 müs­sen die Mari­ne-Ver­ant­wort­li­chen zur Kennt­nis neh­men, dass Chur­chill sich durch die deut­sche U‑Boot-Flot­te nicht in die Knie zwin­gen lässt. Immer jün­ge­re Sol­da­ten wer­den in die U‑Boote abkom­man­diert. Am Ende des Krie­ges wird selbst 20jährigen ein Kom­man­do auf U‑Booten erteilt. 1945 steht fest: 30.000 der 40.000 Män­ner in deut­schen U‑Booten sind bei ihren Ein­sät­zen ums Leben gekom­men.

Kapi­tän­leut­nant Leh­mann-Wil­len­b­rock (Jür­gen Proch­now) – genannt der Kal­eu (Kapi­tän­leut­nant) – und sei­ne 50 Mari­ne­sol­da­ten gehen zu Was­ser. Sie sol­len im Atlan­tik mit der U‑96 nach feind­li­chen Schif­fen fahn­den. Mit an Bord sind u.a. der Kriegs­be­richt­erstat­ter Wer­ner (Her­bert Grö­ne­mey­er), Leh­manns Stell­ver­tre­ter Fritz Gra­de (Klaus Wen­ne­mann), der am liebs­ten nach Hau­se zu sei­ner schwer kran­ken Frau möch­te, der ers­te Offi­zier (Hubert Bengsch), der ein­zig 150%ige Nazi an Bord und der leicht zyni­sche zwei­te Offi­zier (Mar­tin Sem­mel­rog­ge).

Bei einem Manö­ver gegen feind­li­che Schif­fe wird die U‑96, nach­dem sie Tor­pe­dos abge­schos­sen hat, von einem Zer­stö­rer in arge Bedräng­nis gebracht. Leh­mann lässt das U‑Boot immer tie­fer tau­chen, 150 Meter und mehr; das Boot droht zu zer­bers­ten. Erst nach etli­chen Stun­den wagt Leh­mann es, wie­der auf­zu­tau­chen – und schiesst auf ein bren­nen­des feind­li­ches Schiff erneut einen Tor­pe­do ab. Erst danach bemer­ken die Besat­zungs­mit­glie­der, dass sich an Bord des beschos­se­nen Schiffs noch Leben­de befin­den, die alle­samt umkom­men.

Nach der Rück­kehr der U‑96 erhält Leh­mann den Auf­trag, durch die Meer­enge von Gibral­tar in den ita­lie­ni­schen Hafen La Spe­zia ein­zu­lau­fen – ein mör­de­ri­sches Unter­neh­men. Leh­mann will die nur sechs Kilo­me­ter brei­te Meer­enge, die von eng­li­schen Schif­fen natür­lich stark kon­trol­liert wird, bei Nacht anlau­fen, dann tau­chen, die Moto­ren abstel­len in der Hoff­nung, die Strö­mung trei­be die U‑96 ins Mit­tel­meer. Doch das Boot wird von einem feind­li­chen Flug­zeug­ge­schwa­der ent­deckt, beschos­sen und sinkt bis auf eine Tie­fe von 260 Metern. Was­ser dringt durch die plat­zen­den Wän­de ein. Leh­mann aller­dings gibt nicht auf. Zum Glück setzt das Schiff vor einem wei­te­ren Absin­ken auf. Nach den not­wen­di­gen Repa­ra­tu­ren und dem Aus­schaf­fen des Was­sers sieht Leh­mann nur noch eine Chan­ce, das Boot wie­der flott zu machen, sprich auf­zu­tau­chen …

Ein typisch deut­scher Film? Ja und Nein. Peter­sen ori­en­tier­te sich vor allem an der Art und Wei­se, wie Hol­ly­wood sol­che (Kriegs-)Filme insze­niert. Und vie­les an „Das Boot“ erin­nert tat­säch­lich in Mach­art wie Aus­sa­ge an bekann­te US-Kriegs­fil­me. Man könn­te sogar ande­rer­seits sagen, dass „Das Boot“ eini­ge spä­te­re US-Fil­me gera­de­zu inspi­riert hat, etwa „Pearl Har­bor“, auch wenn die­ser Film auf wesent­lich wei­ter ent­wi­ckel­te tech­ni­sche Mög­lich­kei­ten zurück­grei­fen konn­te. Die Fra­ge, die sich mir stellt, ist eher: Wozu die­ser Film? Buch­heim ver­ar­bei­te­te in sei­nem Roman eige­ne Kriegs­er­leb­nis­se als Kriegs­be­rich­ter in U‑Booten und war mit der fil­mi­schen Umset­zung durch Peter­sen in ver­schie­de­nen Punk­ten nicht ein­ver­stan­den. Da ich sein Buch nicht ken­ne, erspa­re ich mir, auf die­se Kri­tik­punk­te hier ein­zu­ge­hen (1).

Was zeigt Peter­sen? Zunächst ein­mal und ganz über­wie­gend zeigt er eine: Män­ner­ge­mein­schaft. Die­se Män­ner­ge­mein­schaft, gekenn­zeich­net durch das, was man gemein­hin als „Kame­rad­schaft“ titu­liert, und durch eine kla­re hier­ar­chi­sche Struk­tur, prä­sen­tiert einen Kapi­tän­leut­nant, der durch Jür­gen Proch­now als eine Art Vater­fi­gur, also eine Per­son, die in jeder Hin­sicht durch Ver­ant­wor­tung und Zunei­gung für sei­ne Unter­ge­be­nen gekenn­zeich­net ist, dar­ge­stellt wird. Die­se Inter­pre­ta­ti­on des U‑Boot-Kom­man­dan­ten durch­zieht den gesam­ten Film. Und vie­le, auch ich übri­gens beim ers­ten Sehen des Films vor etli­chen Jah­ren, wer­den durch die Art und Wei­se, wie Proch­now die­sen Mann spielt, tief beein­druckt gewe­sen sein.

Inwie­weit Proch­now spe­zi­ell aus die­sem Gesichts­punkt her­aus für die Rol­le aus­ge­wählt wur­de, kann ich nicht sagen. Er prä­sen­tiert uns die­se Rol­le jeden­falls durch­weg als das, was man gemein­hin „Sym­pa­thie­trä­ger“ zu nen­nen pflegt. Mit die­ser Dar­stel­lung ist die hal­be Ern­te des Films bereits ein­ge­fah­ren. Damit kor­re­spon­diert eine Besat­zung, die – bis auf den über­zeug­ten Hit­ler-Anhän­ger, den ers­ten Offi­zier, des­sen ideo­lo­gi­scher Fana­tis­mus aller­dings zum Schluss des Films hin auch eher brö­ckelt – „ihrem“ Kal­eu treu erge­ben ist – wie eine Kin­der­schar, die auf Papa hört, geeint in ihrer kri­ti­schen Distanz zu Mari­ne­füh­rung und Hit­ler.

Neben Kame­rad­schaft und „väter­li­cher“ Befehls- und Gehor­sams­struk­tur tritt ein Drit­tes: Ideo­lo­gie. Gera­de die mehr oder weni­ger schar­fe Distanz der Besat­zung und ihres Kom­man­deurs zum Natio­nal­so­zia­lis­mus – der ers­te Offi­zier ist in die­ser Hin­sicht „kalt gestellt“, sprich: hat kei­nen Ein­fluss auf die Trup­pe – scheint eine ideo­lo­gie­freie Atmo­sphä­re an Bord zu impli­zie­ren, obwohl man sich fra­gen muss, ob es in den U‑Booten damals wirk­lich so wenig über­zeug­te NS-Anhän­ger gege­ben haben mag. Dazu trägt auch bei, dass – aus­ser bei einem kur­zen Auf­ent­halt beim Heil-Hit­ler-posau­nen­den Kapi­tän der „Weser“ (Gün­ter Lam­precht)– das poli­tisch destruk­ti­ve und skru­pel­lo­se nazis­ti­sche Milieu der Zeit ganz über­wie­gend aus­sen vor scheint. Alles kon­zen­triert sich auf den Zusam­men­halt der Besat­zung gegen­über den Risi­ken im Atlan­tik und bei Gibral­tar. Also doch ideo­lo­gie­frei? Kei­nes­wegs.

Peter­sen unter­lässt es, wie in ame­ri­ka­ni­schen Mili­tär­schin­ken üblich, mit schwam­mi­gen Begrif­fen wie Ehre, Pflicht und Vater­land um sich zu wer­fen und fokus­siert ganz auf die klaus­tro­pho­bi­sche Umge­bung und das Ver­hal­ten ein­zel­ner Besat­zungs­mit­glie­der. Und gera­de hier wird der Film – gewollt oder nicht – eben doch ideo­lo­gisch.

Man mag ein­wen­den, ein väter­li­cher Kom­man­deur sei immer noch bes­ser als ein skru­pe­lo­ser nazis­ti­scher Hau­de­gen, der sei­ne Män­ner in die Ver­nich­tung führt. Aber die­ses Argu­ment trügt. Denn gera­de dadurch, dass Peter­sen Abstand von sol­chen Ver­hält­nis­sen nimmt, repro­du­ziert er die Ideo­lo­gie von „Kame­rad­schaft“, Pflicht­ge­fühl und Ehre in einer schein­bar neu­tra­len Wei­se. Die Bil­der des Films spre­chen in die­ser Hin­sicht Bän­de. Über wei­te Stre­cken – vor allem im Director’s Cut ging mir dies all­mäh­lich auf die Ner­ven – sieht man ängst­li­che Gesich­ter von Män­nern, die sich aber den­noch zusam­men­reis­sen, die Ruhe bewah­ren (der Kal­eu ermahnt sie des­sen mehr­fach), wie sie nach oben schau­en, von wo aus die Gefahr naht, hört beschwich­ti­gen­de Wor­te des Kal­eu, sieht Proch­now lei­se lächeln, vol­ler Zuver­sicht ange­sichts des Zusam­men­halts der Trup­pe, sieht den unter­wür­fi­gen Gehor­sam sei­ner Män­ner usw.

Mehr­fach ein­ge­blen­det wird ein Foto des Gross­ad­mi­rals Dönitz, den Hit­ler kurz vor sei­nem Tod zum Reichs­prä­si­den­ten ernann­te – einer jener typi­schen stock­kon­ser­va­ti­ven Mili­tärs, die nie hin­ter der Wei­ma­rer Demo­kra­tie stan­den. Noch am 1. Mai 1945 for­der­te er über den Rund­funk die kämp­fen­de Trup­pe zum wei­te­ren Krieg gegen „den Osten“ auf: „Im Bewusst­sein der Ver­ant­wor­tung über­neh­me ich die Füh­rung des deut­schen Vol­kes in die­ser schick­sals­schwe­ren Stun­de. Mei­ne ers­te Auf­ga­be ist es, deut­sche Men­schen vor der Ver­nich­tung durch den vor­drän­gen­den bol­sche­wis­ti­schen Feind zu ret­ten. Nur für die­ses Ziel geht der mili­tä­ri­sche Kampf wei­ter.“ Sie­ben Tage spä­ter liess Dönitz durch Jodl die bedin­gungs­lo­se Kapi­tu­la­ti­on unter­schrei­ben.

Zurück an Bord: Als dort dann doch einer – Johann (Erwin Leder) – die Ner­ven nach einem Angriff ver­liert, zieht der Kal­eu die Pis­to­le, wäh­rend Gra­de und zwei ande­re den ent­nerv­ten Johann, der sei­nen Gefechts­stand ver­las­sen hat, schüt­zen und den Kal­eu dar­an hin­dern, ihn wegen Befehls­ver­wei­ge­rung zu erschies­sen. Der Kal­eu begreift schnell und lässt von sei­nem Vor­ha­ben ab. Spä­ter ent­schul­digt sich Johann, der Angst vor dem Kriegs­ge­richt hat, bei ihm und der Kal­eu schaut ihn ruhig, mil­de gestimmt und väter­lich an. Die Sache ist erle­digt.

Was sehen wir also? Wir sehen, wie im Film die Grund­vor­aus­set­zung von Kampf­be­reit­schaft und mili­tä­ri­schem Gehor­sam ent­wi­ckelt wird. In die­ser Hin­sicht unter­schei­det sich Peter­sens Film in kei­nem Punkt von US-ame­ri­ka­ni­schen Kriegs­fil­men, die die „Kame­rad­schaft“ fei­ern. Die­se Ideo­lo­gie der Män­ner­ge­mein­schaft, deren Aus­druck mili­tä­ri­sche Kame­rad­schaft ist, ist aber ein Pro­dukt der noch zivi­len Gesell­schaft und Grund­vor­aus­set­zung auch heu­ti­ger mili­tä­ri­scher Ein­satz­be­reit­schaft. Man mag das für banal hal­ten. Aber letzt­lich liegt hier ein wich­ti­ger Grund, war­um Krieg über­haupt funk­tio­niert.

Das Wesen der Kame­rad­schaft ist nicht Freund­schaft, son­dern eiser­ne Dis­zi­plin im Hin­blick dar­auf, jeder­zeit auch unter eige­ner Lebens­ge­fahr für den ande­ren ein­zu­ste­hen, ohne nach dem Zweck die­ses Bünd­nis­ses noch zu fra­gen. Ver­kauft man die­ses Prin­zip in der Wei­se, wie im Film gesche­hen, durch die Prä­sen­ta­ti­on eines Kom­man­dan­ten, der gera­de­zu väter­li­che Züge in Bezug auf sei­ne Trup­pe und das Ele­ment des gna­den­vol­len Ver­zei­hens in sich trägt, wird es umso über­zeu­gen­der, zumal man von der NS-Ideo­lo­gie Abstand genom­men hat.

Auch die an eini­gen Stel­len ein­ge­bau­ten Sze­nen, in denen ein Sol­dat Brie­fe an sei­ne Braut schreibt bzw. Gra­de ver­zwei­felt an sei­ne tod­kran­ke Frau denkt, ändern nichts an mei­ner oben dar­ge­stell­ten Sicht. Die­se Sze­nen kaschie­ren nicht etwa irgend etwas. Mit der „Kame­rad­schaft“ in der Fer­ne oder Frem­de kor­re­spon­diert viel­mehr die­ser Blick auf die „Hei­mat“, für die man Opfer bringt. Etwas ähn­li­ches gilt auch für die Figur des Bericht­erstat­ters Wer­ner. Grö­ne­mey­er wur­de die Funk­ti­on des Sol­da­ten zuteil, der erst im Kampf unter Was­ser rich­tig begreift, was Krieg eigent­lich ist. Und selbst der NS-gestähl­te zwei­te Offi­zier ist am Ende tief beein­druckt vom Män­ner­bund, den der Kal­eu anführt.

Es ist – um es noch ein­mal zu beto­nen – die­se Män­ner­bün­de­lei, die­se inter­na­li­sier­te, aber eigent­lich frem­den Zwe­cken die­nen­de Kame­rad­schafts­ideo­lo­gie, die neben ande­ren Din­gen Krieg erst mög­lich macht; sie wird auch in „Das Boot“ „lei­se“ gefei­ert. Man stel­le sich den glei­chen Film vor, aber aus­schliess­lich mit Frau­en in den Rol­len. Das ist schlicht­weg nicht vor­stell­bar. Kenn­zei­chen einer sol­chen „Kame­rad­schaft“ ist es eben, nach den Grün­den nicht mehr zu fra­gen, die die Trup­pe zum Ein­satz bringt. Der­lei mili­tä­ri­sche Ein­hei­ten kön­nen letzt­end­lich für fast jeden Zweck ein­ge­setzt wer­den.

Gera­de ihre schein­ba­re Ent­ideo­lo­gi­sie­rung – nur „das Vater­land zu ver­tei­di­gen“ bleibt als letz­ter, aber eben ent­schei­den­der Rest – schafft ihre Ein­satz­be­reit­schaft. Das in die­sem Bezug­sys­tem die Kapi­tu­la­ti­on oder das Über­lau­fen zum Feind, also Deser­tie­ren, kei­ne Alter­na­ti­ve ist, ergibt sich zwin­gend aus der vater­län­di­schen Män­ner­bün­de­lei. Man beach­te, wie vie­le Jahr­zehn­te nach 1945 Deser­teu­re der Wehr­macht auch wei­ter­hin ver­un­glimpft wur­den, bis end­lich an weni­gen Orten in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land auch ihnen posi­tiv gedacht wur­de.

Man ver­glei­che schliess­lich „Das Boot“ etwa mit Kubricks „Full Metal Jacket“, in dem die­se auf ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten­schmie­den zuge­schnit­te­ne Män­ner­bün­de­lei im ers­ten Teil des Films gna­den­los bloss­ge­stellt und im zwei­ten Teil jeg­li­che Kriegs­ideo­lo­gie und ‑wirk­lich­keit eben­so gna­den­los dekon­stru­iert wird. Gera­de „Das Boot“ zeigt unmiss­ver­ständ­lich, dass ein Anti-Kriegs-Film letzt­lich gar nicht nur im Krieg spie­len könn­te, son­dern in einer Gesell­schaft begin­nen müss­te, die Kriegs­be­reit­schaft erzeugt, zei­gen müss­te, wie sie die­se erzeugt.

Peter­sen erzeugt Hel­den, die sich im Kampf bewäh­ren und die am Schluss den­noch nur der Tod erwar­tet. Die damit ver­bun­de­ne Spe­ku­la­ti­on ist Ret­tung des Kame­rad­schafts­ge­dan­kens ange­sichts der nazis­ti­schen „Ver­un­rei­ni­gung“ die­ser „Idee“. Es käme viel­leicht eher dar­auf an, Hel­den zu zei­gen, die sich nicht im Kampf bewäh­ren, son­dern in des­sen Ver­hin­de­rung.

Ulrich Beh­rens

(1) Vgl. Buch­heims Kri­tik in Aus­zü­gen. Die gesam­te Kri­tik ist zu fin­den in GEO 10/​1981 unter dem Titel „Die Wahr­heit blieb auf Tauch­sta­ti­on“.

Das Boot

Deutsch­land

1981

143 min.

Regie: Wolf­gang Peter­sen

Dreh­buch: Wolf­gang Peter­sen

Dar­stel­ler: Jür­gen Proch­now, Huber­tus Bengsch, Klaus Wen­ne­mann, Her­bert Grö­ne­mey­er

Pro­duk­ti­on: Gün­ter Rohr­bach

Musik: Klaus Dol­din­ger

Kame­ra: Jost Vaca­no

Schnitt: Han­nes Nikel

Ulrich Beh­rens

(1) Vgl. Buch­heims Kri­tik in Aus­zü­gen. Die gesam­te Kri­tik ist zu fin­den in GEO 10/​1981 unter dem Titel „Die Wahr­heit blieb auf Tauch­sta­ti­on“.

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