[Freiheitsliebe:] Bidens Migrationspolitik – Business as usual

Trotz sei­ner Ableh­nung gegen­über Trumps Mau­er las­sens Bidens Ver­bin­dun­gen mit der “Grenz­si­cher­heits­in­dus­trie” dar­auf schlie­ßen, dass die Gren­ze der USA (zu Mexi­ko) “wei­ter mili­ta­ri­siert wird”.

(Hier­bei han­delt es sich um einen bear­bei­te­ten Aus­schnitt aus “Biden’s bor­der: the indus­try, the Demo­crats and the 2020 elec­tion” (Bidens Gren­ze: Die Indus­trie, die Demo­kra­ten und die Wahl von 2020) von Trans­na­tio­nal Insti­tu­te (Febru­ar 2021))

Am 19. Janu­ar wur­de der dama­li­ge Kan­di­dat für das Minis­te­ri­um für inne­re Sicher­heit Ale­jan­dro Mayor­kas gefragt, was er in Bezug auf die Kara­wa­ne von Migran­ten tun wür­de, die haupt­säch­lich aus Hon­du­ra­nern besteht und deren Ziel die süd­li­che Gren­ze der USA ist. Er ant­wor­te­te, dass die Ver­ei­nig­ten Staa­ten das Recht auf Asyl respek­tie­ren wür­den.

Mayor­kas zufol­ge wür­de sich her­aus­stel­len, sei­en Men­schen dazu berech­tigt, “unter dem Asyl­recht in den USA zu blei­ben, wer­den wir die­ses Gesetz dem­entspre­chend anwen­den. Wenn sie es nicht sind, dann wer­den sie nicht blei­ben.”

Einen Tag zuvor haben bei­na­he 8000 Men­schen die Gren­ze von Hon­du­ras nach Gua­te­ma­la über­schrit­ten. Eini­ge haben Mexi­ko als Ziel, doch die meis­ten wün­schen sich die Sicher­heit in den USA. Vie­le aus der Kara­wa­ne berich­te­ten, dass ihr Weg sie auf­grund der dra­ma­ti­schen Fol­gen zwei­er auf­ein­an­der­fol­gen­den Hur­ri­kans Kate­go­rie 4 Rich­tung Nor­den führ­te. Die­se tra­fen Hon­du­ras und Nica­ra­gua im Novem­ber 2020. Kaum traf die Kara­wa­ne in Gua­te­ma­la ein, wur­de sie bei­na­he sofort von in den USA aus­ge­bil­de­ten Mili­tär und der Poli­zei zer­schla­gen und von dem High­way ver­trie­ben, davon in eini­gen Fäl­len mit Gewalt.

Seit dem 11. Sep­tem­ber haben die USA kon­zen­trier­te Bemü­hun­gen unter­nom­men, ihre aus­län­di­schen Gren­zen aus­zu­wei­ten, in dem sie die Poli­zei und das Mili­tär aus­bil­den und Res­sour­cen in ande­re Län­der trans­fe­rie­ren. In den letz­ten Jah­ren lag der Fokus über­wie­gend auf Zen­tral­ame­ri­ka, mit dem Ziel, Flücht­lin­ge davon abzu­hal­ten, auch nur in die Nähe der Gren­ze zu den USA zu kom­men. Selbst wenn Flücht­lin­ge es schaf­fen, die Stra­ßen­blo­cka­den des Mili­tärs zu über­win­den und die Gren­ze zu errei­chen, wür­de nur ein Bruch­teil von ihnen Schutz erhal­ten.

Die Zahl der erfolg­rei­chen Asyl­fäl­le in den USA war bereits vor Trump extrem nied­rig. Auch gibt es bis­her kei­nen kli­ma­be­zo­ge­nen Asyl­sta­tus für die­je­ni­gen, die auf­grund von Umwelt­zer­stö­rung ver­trie­ben wur­den.

Mayor­kas deu­te­te kurz nach sei­ner Rati­fi­zie­rung durch den Senat an, dass die Men­schen in der Kara­wa­ne sich nicht für das Asyl­recht qua­li­fi­zie­ren wür­den. Das wür­de bedeu­ten, ihr Weg wäre an der Gren­ze zu den USA zu Ende.

Fortsetzung der Grenzbefestigung

Joe Biden hat bei sei­nem Amts­an­tritt ver­lau­ten las­sen, dass er einen küh­nen neu­en Weg in Sachen Ein­wan­de­rung ein­schla­gen wird. Inner­halb der ers­ten drei Wochen hat er 10 Ver­fü­gun­gen in Bezug auf Ein­wan­de­rung und Grenz­po­li­tik erlas­sen, genau wie einen Vor­schlag für eine Geset­zes­re­form. Dazu gehö­ren die Stär­kung der Initia­ti­ve ”Defer­red Action for Child­hood Arri­vals” (DACA – auf Deutsch: Zurück­ge­stell­te Akti­on bei Ankünf­ten im Kin­des­al­ter“), die Auf­he­bung des „Mus­lim Ban“, der Stopp des Baus der Grenz­mau­er und eines Abschie­be­mo­ra­to­ri­um. All das ist das Ergeb­nis von jah­re­lan­gem erheb­li­chen öffent­li­chen Druck, beson­ders von Orga­ni­sa­tio­nen für die Rech­te von Ein­wan­de­rern, die eine Schlüs­sel­rol­le bei der Prä­si­dent­schafts­wahl in kri­ti­schen Staa­ten wie Ari­zo­na und Geor­gia spiel­te.

Es ist aller­dings auch wich­tig auf das zu schau­en, was Joe Biden nicht getan hat. Er hat sich nicht ver­pflich­tet, die bestehen­de Mau­er abzu­bau­en, ein­schließ­lich der 650 Mei­len und Bar­rie­ren, wofür er 2006 gestimmt hat­te. Er ist auch davon abge­rückt, wie vie­le in der Demo­kra­ti­schen Par­tei, Inves­ti­ti­on in tech­no­lo­gi­sche For­men der Grenz­kon­trol­le zu befür­wor­ten. Dazu sag­te er: „Ich wer­de dafür sor­gen, dass wir einen Grenz­schutz haben, aber er wird dar­auf basie­ren, dass wir High-Tech-Kapa­zi­tä­ten ein­set­zen, um damit umzu­ge­hen.“ Sei­ne poli­ti­sche Platt­form besagt, dass sei­ne Regie­rung in bes­se­re Tech­no­lo­gie inves­tie­ren wür­de, ein­schließ­lich „Kame­ras, Sen­so­ren, groß ange­leg­te Rönt­gen­ge­rä­te und unbe­weg­li­che Wach­tür­me.“

Er zeig­te kei­ne Anzei­chen dafür, dass er die 1994 unter der Clin­ton-Admi­nis­tra­ti­on ver­ab­schie­de­te Stra­te­gie „Prä­ven­ti­on durch Abschre­ckung“ been­den will, die den Ein­satz von Mau­ern, Agen­ten und Tech­no­lo­gien mas­siv aus­wei­tet und dar­auf aus­ge­legt ist, Men­schen zu zwin­gen, durch trost­lo­se, gefähr­li­che Gebie­te in die USA zu gelan­gen. Es ist eine Poli­tik, die in ihren Aus­wir­kun­gen töd­lich war und zwi­schen 1998 und 2019 zu 8.000 gemel­de­ten Todes­fäl­len geführt hat und vie­len wei­te­ren, die nie erfasst wur­den.

Biden hat sich im Gegen­satz zu ande­ren demo­kra­ti­schen Kon­kur­ren­ten im Ren­nen um die Prä­si­dent­schaft nicht für eine Ent­kri­mi­na­li­sie­rung uner­laub­ter Grenz­über­trit­te aus­ge­spro­chen. Er hat sich jedoch ver­pflich­tet, mit Kana­da und Mexi­ko part­ner­schaft­lich zusam­men­zu­ar­bei­ten, was „zu mehr Sicher­heit für alle unse­re Län­der füh­ren wird“.

In Bezug auf Mexi­ko bedeu­tet dies die Fort­set­zung der US-Grenz­ab­schie­be­pro­gram­me, die wäh­rend der Oba­ma-Regie­rung beschleu­nigt wur­den.

Infol­ge­des­sen wer­den Men­schen, die sich von Mit­tel­ame­ri­ka aus auf den Weg nach Nor­den machen, durch den Grenz- und Inhaf­tie­rungs­ap­pa­rat rei­sen, der sich von Gua­te­ma­la über Mexi­ko und die USA erstreckt, ein Appa­rat, der von einer Grup­pe mäch­ti­ger Waf­fen- und Sicher­heits­fir­men ent­wi­ckelt und her­ge­stellt wird.

Viel­leicht hilft Nor­throp Grum­man den Grenz­be­am­ten bei der Ver­fol­gung von Gesichts­er­ken­nungs­da­ten, wäh­rend sie das neu­es­te bio­me­tri­sche Sys­tem des US-Zoll und Grenz­schutz (CBP) ent­wi­ckeln. Viel­leicht wer­den die von Lock­heed Mar­tin her­ge­stell­ten P‑3 Ori­on-Flug­zeu­ge Per­so­nen ver­fol­gen, die sich ent­lang der Küs­ten­li­ni­en bewe­gen. Viel­leicht wird das Unter­neh­men Deloit­te vom Natio­nal Tracking Cen­ter der CBP in Nord-Vir­gi­nia eine Rol­le bei der Über­prü­fung von Per­so­nen spie­len, die ver­su­chen in die Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu flie­gen.

Und wenn sie von den Grenz­schüt­zern ver­haf­tet wer­den, wer­den sie von dem Unter­neh­men Core­Ci­vic viel­leicht ein­ge­sperrt, wäh­rend sie mit der Aus­wei­sung aus dem Land rech­nen müs­sen.

Kurz gesagt, wie TNI’s berich­tet: “Bidens Gren­ze – die Indus­trie, die Demo­kra­ten und die Wah­len 2020” – Details, an denen alle die­se Unter­neh­men ein star­kes Inter­es­se haben um sicher­zu­stel­len, dass die Ver­ei­nig­ten Staa­ten wei­ter­hin ihre Gren­zen befes­ti­gen.

Der überparteiliche industrielle Grenzkomplex

Die­ser Unter­neh­mens­kom­plex übt sei­nen Ein­fluss auf ver­schie­de­ne Wei­se aus, unter ande­rem durch Wahl­kampf­spen­den an wich­ti­ge Poli­ti­ker, Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten und Mit­glie­der stra­te­gi­scher gesetz­ge­ben­der Aus­schüs­se. Vie­le die­ser Unter­neh­men ver­fü­gen über gro­ße Lob­by­ing-Bud­gets, die sie nut­zen kön­nen, um wäh­rend ent­schei­den­der Debat­ten über die Gesetz­ge­bung in Bezug auf die Gren­ze zwi­schen den USA und Mexi­ko und die Ein­wan­de­rung, ein­schließ­lich des Bewil­li­gungs­ver­fah­rens, Druck aus­zu­üben.

Der Arti­kel von Nick Bux­ton und Todd Mil­ler erschien im Roar Maga­zin und wur­de von Sophie Wall­ner ins Deut­sche über­setzt.

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