[KgK:] Stoppt die Kriminalisierung der Proteste am 1.Mai! Freiheit für alle Aktivist:innen!

Eini­ges war anders an die­sem 1. Mai, der ganz im Zei­chen der Coro­na­kri­se stand und trotz­dem – oder gera­de des­halb – mehr Teilnehmer:innen auf den ver­schie­de­nen Pro­test­ak­tio­nen und Demons­tra­tio­nen ver­zeich­ne­te als erwar­tet. Die Vertreter:innen der Regie­rungs­par­tei­en aus Bund und Län­dern stel­len sich auf die Sei­te der Poli­zei und stig­ma­ti­sie­ren die Pro­tes­te.

Die Ber­li­ner Poli­zei trat von Anfang an mit einer har­ten Linie auf und ver­zö­ger­te so den gere­gel­ten Start des Demons­tra­ti­ons-Zuges, der von Neu­kölln aus bis zum Ora­ni­en­platz in Kreuz­berg mar­schie­ren soll­te. Bereits auf der Karl-Marx-Stra­ße griff die Poli­zei unter Vor­wand man­geln­der Sicher­heits­ab­stän­de bru­tal ein und lös­te die Demons­tra­ti­on nach und nach auf. Hun­der­te Fest­nah­men (laut Poli­zei 354), Ver­let­zun­gen durch Pfef­fer­spray und Knüp­pel und das Ver­hin­dern von Ein­hal­tung der Sicher­heits­ab­stän­de durch das Fest­hal­ten der Poli­zei waren die Fol­ge die­ses unver­hält­nis­mä­ßi­gen Vor­ge­hens gegen das Ver­samm­lungs­recht.

Laut unse­ren Infor­ma­tio­nen sit­zen drei Men­schen wei­ter­hin in Unter­su­chungs­haft; ins­ge­samt wer­den 39 Fest­ge­nom­me­ne vor Gericht gestellt. Wir for­dern die sofor­ti­ge Frei­las­sung aller Aktivist:innen, sowie die Ein­stel­lung jeg­li­che Ermitt­lun­gen!

Pro-zionistische und bürgerliche Hetze gegen migrantischen Block

Die “revo­lu­tio­nä­re 1. Mai-Demons­tra­ti­on” wur­de in die­sem Jahr von der Migran­ti­fa mit einem inter­na­tio­na­lis­ti­schen und anti-impe­ria­lis­ti­schen Block ange­führt, der den staat­li­chen Ras­sis­mus der Fes­tung Euro­pa und des deut­schen Impe­ria­lis­mus anpran­ger­te, der in der gan­zen Welt an Krie­gen betei­ligt ist und in Deutsch­land selbst Migrant:innen, Geflüch­te­te und Peop­le of Color der Kri­mi­na­li­sie­rung, Ver­fol­gung und Pre­ka­ri­sie­rung aus­setzt.

Bereits vor der Demons­tra­ti­on wur­de der Migran­ti­fa-Block und die gesam­te Demons­tra­ti­on von pro-zio­nis­ti­schen und anti-deut­schen Kräf­ten für sei­ne Soli­da­ri­tät mit dem Kampf der Palästinenser:innen gegen Besat­zung und Ver­fol­gung ange­grif­fen. Obwohl die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Human Rights Watch die­se Poli­tik vor kur­zem als „Apart­heid“ ver­ur­teil­te, dien­te die Paläs­ti­na-Soli­da­ri­tät die­sen Kräf­ten ein­mal mehr als Vor­wand, den von migran­ti­schen Orga­ni­sa­tio­nen gepräg­ten Block zu kri­mi­na­li­sie­ren.

Die Gleich­set­zung der Besat­zungs­po­li­tik des Staa­tes Isra­el mit Anti­se­mi­tis­mus erfolg­te in der Aus­sa­ge der Grü­nen-Frak­ti­ons­chefin Ant­je Kapek: „Wir ver­ur­tei­len außer­dem die Israel­feind­lich­keit und den Anti­se­mi­tis­mus, den eini­ge Demonstrant*innen gezeigt haben.“ Dabei igno­riert sie die Tat­sa­che, dass auch ver­schie­de­ne jüdi­sche Orga­ni­sa­tio­nen in dem Block für die Ver­bin­dung des Kamp­fes gegen Anti­se­mi­tis­mus und Ras­sis­mus im Kampf gegen Kapi­ta­lis­mus und Impe­ria­lis­mus ein­tra­ten.

Berliner Senat rechtfertigt Polizeigewalt

Wie selbst­ver­ständ­lich wur­de die Poli­zei­ge­walt von der kor­rup­ten CDU/​CSU und der neo­li­be­ra­len FDP gedeckt. Der innen­po­li­ti­sche Spre­cher der CDU/​CSU Ber­lin Bur­kard Dreg­ger sprach rea­li­täts­fern von der „schlimmste[n] Nacht der Gewalt seit vie­len Jah­ren“, als wäre der rech­te Ter­ror in Hanau und dut­zen­de ras­sis­ti­sche Atten­ta­te nie gesche­hen. Dreg­ger mach­te erneut deut­lich, dass sich die Uni­on im Wahl­kampf um das Rote Rat­haus als „har­te Hand“ gegen sozia­le und demo­kra­ti­sche Pro­tes­te sti­li­siert. Auch der FDP-Spre­cher Paul Fres­dorf sprach sich für mehr Poli­zei­ge­walt aus: Die „fast folk­lo­ri­schen Demons­tra­tio­nen und Ran­da­le“ sei­en „nicht hin­nehm­bar“.

Auch wenn die­se Par­tei­en in Ber­lin kei­ne direk­te Ver­ant­wor­tung für das Vor­ge­hen der Poli­zei haben, berei­ten sie mit der­ar­ti­gen Aus­sa­gen das Kli­ma für mehr Repres­si­on vor und ste­hen in Bund und Län­dern für die Aus­wei­tung der Kom­pe­ten­zen der Poli­zei zur Kon­trol­le und Ver­fol­gung. Nicht ohne Grund gin­gen die Aus­sa­gen der Poli­zei­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Slo­wik und des stell­ver­tre­ten­den Bun­des­vor­sit­zen­den der rech­ten Ver­ei­ni­gung „Gewerk­schaft der Poli­zei“, Jörn Radek, in die glei­che Rich­tung.

In der klas­si­schen Manier der Spal­tung der Pro­tes­te argu­men­tier­te der Ber­li­ner Innen­se­na­tor Andre­as Gei­sel (SPD), der für die Räu­mung zahl­rei­cher lin­ker Knei­pen und die Schi­ka­ne gegen die Anwohner:innen der Riga­er Stra­ße ver­ant­wort­lich ist, „die häss­li­chen Bil­der aus Neu­kölln dür­fen nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass die Men­schen in Ber­lin ins­ge­samt fried­lich und ver­ant­wor­tungs­be­wusst demons­triert haben.“ Dass die ihm unter­ste­hen­de Poli­zei für die „häss­li­chen Bil­der“ der Gewalt selbst ver­ant­wort­lich war, igno­rier­te Gei­sel und stell­te die 20.000 Demons­trie­ren­den unter Gene­ral­ver­dacht: „Es hat Abends bei die­ser Demons­tra­ti­on vom Her­mann­platz begin­nend von Anfang an den Wil­len gege­ben, gewalt­tä­tig zu sein.“

Zudem unter­stellt Gei­sel den Teilnehmer:innen der Demons­tra­ti­on, die Coro­na-Auf­la­gen nicht erfüllt zu haben, obwohl es die Poli­zei war, wel­che die Demons­trie­ren­den auf dem Her­mann­platz fest­hielt und spä­ter in einer Stra­ße­n­en­ge mit Repres­si­on begann. Im Gegen­satz zur Poli­zei hiel­ten sich jedoch alle Pro­tes­tie­ren­den an die Mas­ken­pflicht. Von Sei­ten der Organisator:innen gab es stän­di­ge Hin­wei­se auf die bestehen­den Sicher­heits­vor­schrif­ten. Doch wäh­rend sich die Poli­zei bei Corona-Leugner:innen immer wie­der gegen ein har­tes Ein­grei­fen ent­schied, wur­de beim Pro­test von Migrant:innen, Arbeiter:innen und Jugend­li­chen kei­nen Augen­blick gezö­gert.

Ähn­lich ihrem Koali­ti­ons­part­ner äußer­ten sich auch die Grü­nen und ver­tei­dig­ten die Poli­zei­re­pres­si­on. Die Grü­nen-Frak­ti­ons­chefin im Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­haus, Ant­je Kapek, dis­kre­di­tier­te den Pro­test mit der Aus­sa­ge: „Wer glaubt, mit bren­nen­den Müll­ton­nen auf der Son­nen­al­lee für eine bes­se­re Welt zu kämp­fen, irrt.“ Auch die Spit­zen­kan­di­da­tin der Grü­nen, Anna­le­na Baer­bock, schwieg zur Poli­zei­ge­walt und ver­ur­teil­te die Pro­tes­tie­ren­den: „Bar­ri­ka­den anzu­zün­den und gewalt­sam auf Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten los­zu­ge­hen, ist kri­mi­nell und in keins­ter Wei­se akzep­ta­bel.“

Die Repres­si­on der Poli­zei macht erneut deut­lich, wie der rot-rot-grü­ne Senat seit Jah­ren gegen sozia­le Pro­tes­te für bezahl­ba­ren Wohn­raum, gegen Abschie­bun­gen und gegen Zwangs­räu­mun­gen vor­geht. Die Aus­sa­gen von Baer­bock und Co. zei­gen, dass sich dar­an auch mit einer grün-schwar­zen oder grün-rot-roten Regie­rung auf Bun­des­ebe­ne nichts ändern wird. Im Gegen­teil ste­hen alle Par­tei­en des Regimes für eine Stär­kung des Repres­si­ons­ap­pa­ra­tes.

Im Gegen­satz zu ihren Koali­ti­ons­par­tei­en im Ber­li­ner Senat schwieg die Füh­rung der Ber­li­ner Links­par­tei bis­her zu Poli­zei­ge­walt und der bru­ta­len Been­di­gung der 1. Mai Demons­tra­ti­on. Ihnen ist die Regie­rungs­be­tei­li­gung und die Pos­ten im Senat schein­bar wich­ti­ger als eine Ver­ur­tei­lung der Repres­si­on. Die­se Kapi­tu­la­ti­on macht deut­lich, dass durch eine Regie­rungs­be­tei­li­gung der Links­par­tei kei­ne Abkehr von Poli­zei­ge­walt und ‑schi­ka­ne zu erwar­ten ist.

Wir for­dern die Frei­las­sung aller Aktivist:innen, die Ein­stel­lung aller Ermitt­lun­gen und Gerichts­ver­fah­ren und die Bil­dung eines unab­hän­gi­gen Unter­su­chungs­aus­schus­ses sei­tens migran­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen, anti­ras­sis­ti­scher Initia­ti­ven und Gewerk­schaf­ten. Die­ser Aus­schuss soll ein Organ der Selbst­or­ga­ni­sie­rung sein und sich unab­hän­gig von dem Staat und der Regie­rung bewe­gen. Alle Ein­satz­plä­ne der Poli­zei müs­sen im Vor­feld offen­ge­legt wer­den. Die poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung für die bru­ta­le Poli­zei­ge­walt liegt beim Rot-Rot-Grü­nen Senat. Wir for­dern, dass die Ver­ant­wort­li­chen zurück­tre­ten!

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