[UG-Blättle:]Atlantic Cartier: Von brennenden und havarierten Atomschiffen

Am 1. Mai jähr­te sich der Brand des Atom­frach­ters Atlan­tic Car­tier im Ham­bur­ger Hafen zum ach­ten Mal.

Bild: Die Atlan­tic Car­tier im Hafen von Göte­borg, Juli 2010. /​Dani­ca (PD)

2013 brach auf dem rie­si­gen trans­at­lan­tisch fah­ren­den Fracht­schiff ein Feu­er aus. Neben Muni­ti­on und Etha­nol befan­den sich auch Brenn­stä­be und das sowohl radio­ak­ti­ve als auch toxi­sche Uran­he­xa­fluo­rid an Bord. Nur knapp ent­ging Ham­burg damals einer grös­se­ren Kata­stro­phe.

Es folg­ten zahl­rei­che klei­ne­re und grös­se­re Pro­tes­te, sowohl auf dem Was­ser als auch an Land – Atom­trans­por­te wur­den in der Stadt dis­ku­tiert. Doch hat die Stadt dar­aus genug gelernt? Die Hava­rie der Mont­re­al Express im Janu­ar 2021, erneut ein Unfall mit einem Schiff, wel­ches Uran­he­xa­fluo­rid gela­den hat­te, zeugt vom Gegen­teil.

Statt Atom­trans­por­te end­lich zu stop­pen, scheint es der Ham­bur­ger Jus­tiz wich­ti­ger, Atomkraftgegner*innen zu ver­fol­gen. So sitzt momen­tan eine Akti­vis­tin in der JVA Schles­wig eine Ersatz­frei­heits­stra­fe ab. Sie war nach der Betei­li­gung an einer Uran­trans­port­blo­cka­de (im Ham­bur­ger Hafen) im Jahr 2014 vom Ham­bur­ger Land­ge­richt 2019 zu einer Geld­stra­fe ver­ur­teilt wor­den und hat­te sich gewei­gert, die­se zu zah­len.

Seit dem 23. April ist sie, wie alle Neu-Inhaf­tier­ten, zunächst für zwei Wochen in Qua­ran­tä­ne. Anders als bei­spiels­wei­se bei Rei­se­rück­keh­ren­den jedoch ohne die Opti­on auf eine Ver­kür­zung die­ser Zeit durch Coro­na­tests. Dies ist ins­be­son­de­re des­we­gen erschre­ckend, weil der Stand der Wis­sen­schaft eine Qua­ran­tä­ne­ver­kür­zung zulas­sen wür­de, es für Haft­an­stal­ten aber offen­bar zu viel Auf­wand dar­stellt. Des­we­gen wer­den alle Inhaf­tier­ten zu Beginn ihrer Haft­zeit für zwei Wochen in kom­plet­te Iso­la­ti­on gesteckt. Sie dür­fen in die­ser Zeit nicht nur kei­ner­lei Besuch emp­fan­gen, son­dern nicht ein­mal duschen.

Die Anti-Atom-Akti­vis­tin Ibi ver­sucht nun, sich dage­gen mit juris­ti­schen Mit­teln zu weh­ren und hat sich an die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer gewandt. Sie for­dert PCR-Tests für Gefan­ge­ne zur Qua­ran­tä­ne- und damit Iso­la­ti­ons­ver­kür­zung, sowie Dusch­mög­lich­keit auch für Gefan­ge­ne in Qua­ran­tä­ne.

Zudem hat in ihrem kon­kre­ten Fall die Anstalts­lei­tung Besuch ihrer Ver­tei­di­gung zunächst ein­ma­lig zuge­las­sen, dann aber strikt unter­sagt. Begrün­det wird das damit, dass es sich bei der Ver­tei­di­gung nicht um Anwält:innen han­delt. Das stimmt zwar, jedoch wur­de die Ver­tei­di­gung zuvor expli­zit vom Gericht für die­ses Straf­ver­fah­ren zuge­las­sen und auch die Straf­pro­zess­ord­nung erlaubt solch eine Zulas­sung von Lai­en ein­deu­tig.

Ibi zeigt sich den­noch kämp­fe­risch: „Selbst wenn ich weder Besuch mei­ner Ver­tei­di­gung bekom­men kann, noch duschen darf: Ich wer­de mich der Atom­ma­fia wei­ter­hin in den Weg stel­len. Und für eine Welt ohne Knäs­te ein­tre­ten.“

pm

Wei­te­re Infos: Zum Brand der Atlan­tic Car­tier 2013: https://​aabhh​.noblogs​.org/​p​o​s​t​/​2​0​1​3​/​0​6​/​2​6​/​a​a​a​-​3​4​3​-​b​r​a​n​d​-​i​m​-​h​a​f​en/ Zu Ibis Haft: https://​nir​gend​wo​.info/ Zu Atom­trans­por­ten durch Ham­burg: http://​www​.atom​trans​por​te​-ham​burg​-stop​pen​.de/

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