[UG-Blättle:]Schweiz: Zweiter Erster Mai in Zeiten der Seuche

Es war der zwei­te Ers­te Mai in der Pan­de­mie. Die Seu­che und ihre Ver­hee­run­gen im Kapi­ta­lis­mus waren denn auch zen­tra­les The­ma der Stras­se.

Bild: 1. Mai 2021 in Win­ter­thur. /​ajour

Und es war eini­ges los – in St. Gal­len bis nach Genf, über Basel, Win­ter­thur, Solo­thurn und Zürich. In Sachen Poli­zei­staat schoss erneut die Lim­mat­stadt den Vogel ab.

Basel

In Basel ver­sam­mel­ten sich um 10 Uhr gegen 1000 Men­schen auf dem Mes­se­platz. Ange­führt vom Revo­lu­tio­nä­ren Block lief die Demons­tra­ti­on via Kla­ra­platz, Mitt­le­re Brü­cke, Rat­haus zum Bar­füs­ser­platz. Auf der Demo­rou­te gab es diver­se Aktio­nen: In Soli­da­ri­tät mit der vor kur­zem geräum­ten ZAD de la col­li­ne wur­de ein Trans­pa­rent bei der Mitt­le­ren Brü­cke gehängt. Mit einem gros­sen Trans­pa­rent und einer Rede soli­da­ri­sier­te sich die Demons­tra­ti­on mit der Gue­ril­la in Roja­va, die sich in letz­ter Zeit inten­siv gegen die tür­ki­sche Armee (an der Gren­ze zur Tür­kei und im ira­ki­schen Teil von Kur­di­stan) sowie ver­blei­ben­den IS-Zel­len ver­tei­di­gen muss.

Ein gros­ser migran­ti­scher Block ver­lang­te laut­stark ein Blei­be­recht für alle und ging detail­liert auf die Situa­ti­on in den Lagern in der Schweiz ein. Eine Rede ging dabei auf die aktu­el­len Berich­te über Gewalt in den Bun­des­la­gern und die Anschul­di­gun­gen von Sei­ten der Lagerbetreiber:innen ein. Tei­le der Demons­tra­ti­on zogen vom Bar­füs­ser­platz wei­ter Rich­tung Rat­haus. Laut Medi­en­be­rich­ten ging es von dort Rich­tung St. Johann Park wei­ter.

Zürich

Der Mor­gen begann in Zürich mit ver­schie­de­nen gewerk­schaft­li­chen Kund­ge­bun­gen. Etwa jener am Para­de­platz für einen städ­ti­schen Min­dest­lohn von 23 Fran­ken. Oder jener auf dem Lin­den­hof, wo sich orga­ni­sier­te Schreiner:innen samt eini­ger Gewerk­schafts­pro­mi­nenz von Unia, Syna und GBKZ ver­sam­mel­ten. Gemein­sam for­der­ten sie bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen im Schrei­n­er­be­ruf. Denn die Schreinermeister:innen hat­ten kürz­lich den Gesamt­ar­beits­ver­trag gekün­digt. Spä­ter führ­te das Soli­da­ri­täts­ko­mi­tee gegen Pan­de­mie und Kri­se vor dem RAV-Büro an der Lager­stras­se eine Akti­on durch. Dies unter dem Mot­to Arbeits­lo­sig­keit ist kein Selbst­ver­schul­den, son­dern ein Sys­tem­feh­ler».

Für das «tra­di­tio­nel­le, revo­lu­tio­nä­re Nach­mit­tags­pro­gramm» wur­de in Zürich auf­ge­ru­fen, sich um 14 Uhr auf dem Ni-Una-Menos-Platz (Hel­ve­tia­platz) ein­zu­fin­den. Kurz vor 14 Uhr war der Platz dann – wie bereits bei vor­he­ri­gen Demons­tra­tio­nen wie etwa der «Wir tra­gen eure Kri­se nicht» – von der Poli­zei besetzt.

Kurz nach 14 Uhr kam Bewe­gung ins Spiel. Aus dem Nichts tauch­te plötz­lich eine Velo­de­mo mit gut 150 Teilnehmer:innen auf, wel­che um das Kanz­lei­are­al zog. Sofort misch­ten sich vie­le wei­te­re Per­so­nen zu Fuss in die Demons­tra­ti­on.

Die Poli­zei reagier­te unko­or­di­niert. Die Velo­de­mo zog wei­ter durch den Kreis 4 und eine wei­te­re Demons­tra­ti­on mit gut 500 Leu­ten durch die Lang­stras­se. Auf der Kreu­zung Militär/​Langstrasse ver­such­te die Poli­zei ein ers­tes Mal, die Demons­tra­ti­on zu stop­pen – mit Gum­mi­schro­t­ein­satz, ohne Vor­war­nung und ohne Sicher­heits­ab­stand.

Die Demons­tra­ti­on zog sich dar­auf­hin etwas zurück, teil­te sich in (min­des­tens) zwei Tei­le. Auf der Kern­stras­se ver­ein­ten sich die Züge wie­der und zogen laut­stark wei­ter via Baden­er­stras­se zum Staufau­cher, wo die Poli­zei begann, die Demons­tra­ti­on lang­sam zu umzin­geln. Mitt­ler­wei­le waren gut 1000 Leu­te an der Demons­tra­ti­on im Zür­cher Kreis 4 betei­ligt. Schon kurz nach dem Demo­start flog ein Poli­zei­hub­schrau­ber tief über dem Gesche­hen.

Die Demons­tra­ti­on ver­such­te via Rot­wand­stras­se wei­ter zu zie­hen, dort wur­de sie jedoch von der Poli­zei ein­ge­kes­selt. Dies geschah wie­der­um mit Hil­fe von Gum­mi­schro­te­in­sät­zen. Rund um den Kes­sel zeig­ten sich vie­le Leu­te soli­da­risch und die Poli­zei wirk­te lan­ge nach der Eta­blie­rung des Kes­sels sehr gehetzt und teil­wei­se unko­or­di­niert. Die Velo­de­mo und wei­te­re klei­ne, spon­ta­ne Demons­tra­tio­nen zogen wei­ter durch den Kreis 4. Wäh­rend­des­sen ver­such­ten die Ein­ge­kes­sel­ten durch den Innen­hof des Bezirks­ge­fäng­nis­ses aus­zu­bre­chen. Hier­für wur­de ein Tor geknackt, aber unglück­li­cher­wei­se blieb der Erfolg beim zwei­ten Tor aus. In einer stun­den­lan­gen Pro­ze­dur erfass­te die Poli­zei schliess­lich die Per­so­na­li­en aller Ein­ge­kes­sel­ten und sprach Weg­wei­sun­gen für das gesam­te Stadt­ge­biet aus.

Winterthur

In der Eulach­stadt gab es am Mor­gen einen gewerk­schaft­li­chen Pos­ten­lauf mit Ver­bän­den aus der Arbei­ter­uni­on Win­ter­thur. Auch die Kli­ma­st­reik- und die femi­nis­ti­sche Bewe­gung waren prä­sent. Aus­ser­dem hat­te das Anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Bünd­nis Win­ter­thur auf 11 Uhr in die Stein­berg­gas­se mobi­li­siert. Cir­ca 500 Per­so­nen for­mier­ten sich gegen 11.30 Uhr zu einem lau­ten Demo­zug.

Die Men­ge beweg­te sich zum Bahn­hof, wo das Bünd­nis «Soli­da­risch aus der Kri­se» eine Rede zur aktu­el­len Lage hielt und klar mach­te: Wir tra­gen eure Kri­se nicht! Es folg­te eine Rede der IG Ste­fa­ni­ni-Lie­gen­schaf­ten (IGBBSL) über die selbst­or­ga­ni­sier­ten Ste­fa­ni­ni-Häu­ser, denen Ver­trei­bung und Auf­wer­tung droht. Die Demo beweg­te sich wei­ter am Stadt­park vor­bei und zurück in die Stein­berg­gas­se, wo sie sich selbst­be­stimmt auf­lös­te. Die Poli­zei war früh mit eini­gen Zivis und einem Dia­log-Team vor Ort, was die Demonstrant:innen jedoch nicht auf­hielt.

Solothurn

In Solo­thurn ver­sam­mel­ten sich um 13.30 Uhr 300 Per­so­nen zur Demons­tra­ti­on. Orga­ni­siert hat­ten die Demons­tra­ti­on basis­ge­werk­schaft­li­che Grup­pen wie das Basis­kol­lek­tiv der Rei­ni­gungs­krä­te Solo­thurn, die Freie Arbei­te­rIn­nen Uni­on FAU und die Indus­tri­al Workers of the World IWW zusam­men mit dem kur­di­schen Kul­tur­zen­trum, Dem-Kurd und der UNIA-Jugend. Bei Dau­er­re­gen zog die Demons­tra­ti­on durch die Innen­stadt. Arbeiter:innen aus der Rei­ni­gung, der Gas­tro­no­mie und dem Gesund­heits­sek­tor sowie kur­di­sche Aktivist:innen hiel­ten Rede­bei­trä­ge.

ajour

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