[perspektive:] Gewalttaten gegen Lesben, Schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen steigen um 36%

Im letzten Jahr hat das Bundesinnenministerium 782 hassmotivierte Straftaten gegen Lesben, Schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen registriert. Das ist ein Anstieg von 36% gegenüber 2019.

Heu­te hat Bun­des­in­nen­mi­nis­ter See­hofer die Zah­len zur Poli­tisch-Moti­vier­ten Kri­mi­na­li­tät für 2020 vor­ge­stellt. Dar­un­ter sind auch Sta­tis­ti­ken über Pöbe­lei­en, Belei­di­gun­gen, Über­grif­fe bis hin zu Mord­ver­su­chen gegen Les­ben, Schwu­le, bise­xu­el­le, trans- und inter­ge­schlecht­li­che Men­schen.

Laut Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um wur­den für 2020 ins­ge­samt 204 Straf­ta­ten, davon 40 Gewalt­de­lik­te im Unter­the­men­feld „Geschlecht/​sexuelle Iden­ti­tät“ regis­triert. Damit sind trans­phob moti­vier­te Taten gemeint – also Angrif­fe die sich gegen Men­schen rich­ten, deren Geschlechts­iden­ti­tät nicht oder nicht voll­stän­dig mit dem nach der Geburt anhand der äuße­ren Merk­ma­le ein­ge­tra­ge­nen Geschlecht über­ein­stimmt, oder die eine Zuord­nung in „Mann“ oder „Frau“ ableh­nen.

Im Unter­the­men­feld „Sexu­el­le Ori­en­tie­rung“ wur­den ins­ge­samt 578 Straf­ta­ten, davon 114 Gewalt­ta­ten regis­triert. Die­se Taten gel­ten als homo­phob moti­viert – also gegen schwu­le, les­bi­sche oder bise­xu­el­le Men­schen gerich­tet.

Ins­ge­samt wur­den folg­lich 782 Straf­ta­ten von Hass­kri­mi­na­li­tät gegen Les­ben, Schwu­le, bise­xu­el­le, trans- und inter­ge­schlecht­li­che Men­schen regis­triert, dar­un­ter 154 Gewalt­ta­ten. Das ist ein Anstieg von 36% gegen­über 2019.

„Totalausfall“

Dazu erklärt Alfon­so Pan­tisa­no, Mit­glied im Bun­des­vor­stand des Les­ben- und Schwu­len­ver­ban­des (LSVD) in einer Pres­se­mit­tei­lung:

„Bis­lang ist die Bun­des­re­gie­rung bei der rea­len rechts­staat­li­chen Bekämp­fung von LSBTI-feind­li­cher Hass­kri­mi­na­li­tät ein Total­aus­fall. Seit Jah­ren wei­gert sich die Gro­ße Koali­ti­on, bei der von ihr ein­ge­führ­ten Bestim­mung zur Hass­kri­mi­na­li­tät im deut­schen Straf­recht homo­pho­be und trans­feind­li­che Moti­ve im Gesetz aus­drück­lich zu benen­nen. Zuletzt igno­rier­te Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­rin Lam­brecht die­se For­de­rung im Gesetz zur Bekämp­fung des Rechts­ex­tre­mis­mus und der Hass­kri­mi­na­li­tät.“

Seit 1954 gibt es zudem die Innen­mi­nis­ter­kon­fe­renz als stän­di­ge Ein­rich­tung. Noch nie stand auf einer die­ser Innen­mi­nis­ter­kon­fe­ren­zen homo­pho­be oder trans­feind­li­che Gewalt als Bespre­chungs­punkt auf der Tages­ord­nung.

In dem EU-Sur­vey berich­ten 13% der über 16.000 Befrag­ten aus Deutsch­land, dass sie in den letz­ten fünf Jah­ren gewalt­tä­tig ange­grif­fen wur­den, weil sie LGBTI+ sind.

Der Bei­trag Gewalt­ta­ten gegen Les­ben, Schwu­le, bise­xu­el­le, trans- und inter­ge­schlecht­li­che Men­schen stei­gen um 36% erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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