[UG-Blättle:]8. Mai 1945 – eine Erinnerung

Am 8. Mai 1945 – dem Tag der Befrei­ung von den Natio­nal­so­zia­lis­ten – war der zwei­te Griff nach der Welt­macht end­gül­tig miss­lun­gen.

Bild: Gene­ral­ad­mi­ral von Frie­de­burg und Feld­mar­schall Ber­nard Mont­go­me­ry am 4. Mai 1945 bei der Unter­zeich­nung der Kapi­tu­la­ti­ons­er­klä­rung. /​Mal­in­di­ne E G (Capt), No 5 Army Film & Pho­to­gra­phic Unit (PD)

1. Heute

Inmit­ten des Coro­na-pan­de­misch ver­seuch­ten Stand­ort Deutsch­land; inmit­ten der durch das Virus aus­ge­lös­ten Bedro­hung oder Zer­stö­rung der Exis­tenz von Tau­sen­den und Aber­tau­sen­den, vor­nehm­lich des Hee­res der Mit­tel- und Eigen­tums­lo­sen, deren Leben und Über­le­ben davon abhängt, sich ihr täg­li­ches Brot durch lohn­ab­hän­gi­gen Dienst an gewinn­träch­ti­gem, frem­den Eigen­tum zu sichern; inmit­ten derer, die im breit­ge­fä­cher­ten Nied­rigst­lohn­sek­tor sich ver­din­gen, in trost­los-ghet­to­ähn­li­chen Wohn­be­zir­ken hau­sen oder in den Flücht­lings­la­gern zusam­men­ge­pfercht in beson­de­rer Wei­se der Pan­de­mie schutz­los aus­ge­lie­fert sind; inmit­ten jener, die im durch­seuch­ten Stand­ort Deutsch­land bereits zu Tau­sen­den einem dem Stand­ort­in­ter­es­se sub­su­mier­ten Gesund­heits­sys­tem zum Opfer gefal­len sind; inmit­ten einer von Ver­schwö­rungs­gläu­bi­gen unter­stütz­ten, um sich grei­fen­den Pro­test­be­we­gung, die vom poli­ti­schen Ver­wal­ter des Gan­zen die Rück­kehr zu den vor­pan­de­mi­schen Stand­ort­be­din­gun­gen for­dert, die ers­te Ursa­che dafür sind, dass Sars-CoV2 mit sei­ner infek­tiö­sen Unpar­tei­lich­keit in sei­nen Wir­kun­gen äus­sert par­tei­isch zu Wer­ke geht und jen­seits irgend­ei­ner Vor­ein­ge­nom­men­heit dies offen­legt: Dass all die­se Bewoh­ner des Stand­ort Deutsch­land den Fol­gen der Infek­ti­on in ganz ande­rer Wei­se aus­ge­lie­fert sind, als die öko­no­misch und poli­tisch pri­vi­le­gier­ten Mit­be­woh­ner die­ses Stand­or­tes; dass Sars-CoV2 in sei­ner infek­tiö­sen Unpar­tei­lich­keit vor aller Augen dar­legt, wie es bestellt ist um Reich­tum, Armut, Krank­heit und Tod im Stand­ort Deutsch­land.

Inmit­ten all des­sen ist der Bun­des­prä­si­dent hin­ge­gen so frei, sich am 8. Mai 2020 in einer Rede an alle Infi­zier­te und Nicht­in­fi­zier­te quer durch alle Lager und gesell­schaft­li­che Klas­sen im Stand­ort Deutsch­land, als Land, als Nati­on gefasst, zu wen­den. Es muss sich um etwas Gros­ses, etwas ganz Bedeut­sa­mes han­deln, dass der gegen­wär­ti­ge Bun­des­prä­si­dent an die­sem so beson­ders aus­ge­wähl­ten Tag sich mit einer Rede an alle Mit­glie­der der virus­durch­seuch­te Nati­on rich­tet.

Was ist es, dass der 8. Mai seit 76 Jah­ren einer solch öffent­lich insze­nier­ten Anteil­nah­me und offen­bar uner­schüt­ter­li­chen, soge­nann­ten „Erin­ne­rungs­kul­tur“ für wür­dig befun­den wird? Es lohnt sich, die­se Rede und die Reden sei­ner Vor­gän­ger an die­sem so bedeu­tungs­schwan­ge­ren Tag einer Unter­su­chung zu unter­zie­hen.

2. Die lange kurze Geschichte eines Weckrufs

In sei­ner am 8. Mai 2020 vor­ge­tra­ge­nen Rede ruft der Bun­des­prä­si­dent alle zur Erin­ne­rung an ein als geschichts­träch­tig gehan­del­tes Kalen­der­da­tum auf: „Heu­te vor 75 Jah­ren ist in Euro­pa der Zwei­te Welt­krieg zu Ende gegangen.„1 Er ist nicht der Ers­te, der die als Volk zusam­men­ge­fass­ten Bewoh­ner des Lan­des zur Erin­ne­rung an den 8. Mai 1945 auf­ruft. Vor ihm die gan­ze Ahnen­rei­he von Bun­des­prä­si­den­ten, Bun­des­kanz­lern und der Bun­des­kanz­le­rin bis hin zum Bun­des­prä­si­den­ten der heu­te virus­ver­seuch­ten Nati­on. Den rich­tungs­wei­sen­den Grund­stein zu die­sem Erin­ne­rungs­weck­ruf hat Theo­dor Heuss als Mit­glied des Par­la­men­ta­ri­schen Rates am 8. Mai 1949 bei der Ver­kün­dung des Grund­ge­set­zes gelegt mit den Wor­ten:

Im Grun­de genom­men bleibt die­ser 8. Mai 1945 die tra­gischs­te und frag­wür­digs­te Para­do­xie der Geschich­te für jeden von uns. War­um denn? Weil wir erlöst und ver­nich­tet in einem gewe­sen sind.2

In sou­ve­rä­ner Selbst­er­mäch­ti­gung nimmt der ers­te Bun­des­prä­si­dent des Nach­kriegs­deutsch­lands (West), Theo­dor Heuss, in Anspruch, „für jeden von uns“ zu spre­chen, gleich­gül­tig dem­ge­gen­über, ob „jeder von uns“ sei­ne Ein­wil­li­gung dazu gege­ben hat, der spä­te­re Bun­des­prä­si­dent möge für „jeden von uns“ am 8. Mai 1949 spre­chen. In die­ser anspruchs­vol­len Selbst­er­mäch­ti­gung ist jeder Ein­zel­ne als Mit­glied eines Kol­lek­tivs gedacht, eines „Wir“-Kollektivs, wo immer der Ein­zel­ne sich inner­halb der gesell­schaft­li­chen Hier­ar­chie befin­det. Es soll jeder Ein­zel­ne und das Kol­lek­tiv als Gan­zes sich an das Datum des 8. Mai 1945 erin­nern. Sich erin­nern in einer bestimm­ten Wei­se des Sich-Erin­nerns – in

der von Theo­dor Heuss kon­stru­ier­ten Wei­se des Sich-Erin­nerns: Para­do­xie-Tra­gik-Erlö­sung-Ver­nich­tung, und das alles „in einem“. So sol­len der Ein­zel­ne und das Kol­lek­tiv den 8. Mai 1945, sowie die Geschich­te, die “ Ver­gan­gen­heit“ die ihm vor­her­ging, erin­nern und im indi­vi­du­el­len wie im kol­lek­ti­ven Gedächt­nis gegen das Ver­ges­sen die­ser Sicht­wei­se auf­be­wah­ren und wei­ter­ge­ben.

Die­se mit der Anti­ke, mit ent­spre­chen­der Lite­ra­tur, mit jüdisch-christ­li­cher Erlö­sungs­re­li­gi­on und mit dem Vater­un­ser kon­stru­ier­te Sicht­wei­se des 8. Mai 1945 will mit der schlich­ten Rekon­struk­ti­on und Dar­le­gung der his­to­ri­schen Wirk­lich­keit und Ver­gan­gen­heit, wie sie war, nichts zu tun haben. Gel­tend macht sie viel­mehr, sie sei die wah­re Erin­ne­rung und Betrach­tungs­wei­se. Eine Kon­struk­ti­on und Rekon­struk­ti­on die bean­sprucht, die ein­zig authen­ti­sche, legi­ti­me und für alle ver­bind­li­che his­to­ri­sche Erin­ne­rung eines ver­gan­ge­nen Zeit­ab­schnit­tes in der jün­ge­ren Geschich­te zu sein.

Das Pathos und die ver­klä­ren­de Unbe­stimmt­heit, mit denen sich die­se Erin­ne­rung umgibt, erweist, dass sie denn auch nicht den Ein­zel­nen am 8.Mai 1945 im Auge hat, genau­so wenig irgend­ei­nen der 50 Mil­lio­nen Toten, die die soge­nann­te „Ver­gan­gen­heit“ zwi­schen 1933–1945 auf den Schlacht­fel­dern, in den Trüm­mer­wüs­ten und in den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern auf­ge­häuft hat. Dem gros­sen Gan­zen gilt das Pathos, das den Ein­zel­nen und die Toten in den Dienst nimmt, sich auf sie beruft, um das gros­se Gan­ze und sei­ne „tra­gi­sche“ Geschich­te zu wür­di­gen und über die Schlacht­fel­der, Trüm­mer und Grä­ber hin­aus zu erhe­ben. So muss­te Theo­dor Heuss das gros­se Gan­ze, dem in offen­bar schick­sal­haf­ter, unschul­di­ger oder schul­di­ger Wei­se Para­do­xie, Tra­gik, Ver­nich­tung und Erlö­sung wider­fuhr, gar nicht expli­zit erwäh­nen. „Für jeden von uns“ soll von nun an gel­ten, dass am 8. Mai 1945 das gros­se Gan­ze auf para­do­xe und tra­gi­sche Wei­se das bedeut­sams­te Opfer der Ver­gan­gen­heit zwi­schen 1933–1945 ist und sich im sel­ben Atem­zug die offen­bar eben­so bedeut­sa­me Fra­ge auf­drängt, was mit dem gros­sen Gan­zen in Zukunft denn gesche­hen soll.

Über alle poli­ti­sche Stim­mungs­la­gen, Par­tei­gren­zen und Regie­rungs­wech­sel hin­weg hat sich die­ser eine, die­ser mit sich ganz iden­ti­sche, pathe­ti­sche Erin­ne­rungs­weck­ruf erhal­ten. So scheint die­ser Erin­ne­rungs­weck­ruf bis auf den heu­ti­gen Tag wider und wider in allen Erin­ne­rungs­re­den: in der Erin­ne­rungs­re­de etwa eines Richard von Weiz­sä­cker 1985 glei­cher­mas­sen, wie in der Rede des gegen­wär­ti­gen Bun­des­prä­si­den­ten vom 8. Mai 2020.

Das im Erin­ne­rungs­weck­ruf durch Theo­dor Heuss dem Vater­un­ser ent­lehn­te, auf die Ver­gan­gen­heit zwi­schen 1933–1945 und auf den 8. Mai 1945 über­tra­ge­ne Wort von der Erlö­sung des gros­sen Gan­zen, ist rich­tungs­wei­send für das Selbst­ver­ständ­nis, für das Selbst­bild und für die Selbst­dar­stel­lung des gros­sen Gan­zen: Zunächst im Nach­kriegs­deutsch­land (West) gel­tend, schliess­lich im Gesamt­deutsch­land bis auf heu­te. Die bean­spruch­te Erlö­sungs­idee ist dabei sprich­wört­li­chen gemeint: „erlö­se uns von dem Bösen“.3

Die­se von Theo­dor Heuss ins Leben geru­fe­ne Erlö­sungs­idee kenn­zeich­net die „Erinnerungskultur„4, die das gros­se Gan­ze von der Ver­gan­gen­heit zwi­schen 1933–1945 frei machen will. Denn offen­bar hat die­se Ver­gan­gen­heit im 8. Mai 1945, in der angeb­li­chen „Ver­nich­tung“ des gros­sen Gan­zen gemün­det. Doch glück­li­cher­wei­se wohnt der Erlö­sungs­idee die Vor­stel­lung inne, dass die Erlö­sung des gros­sen Gan­zen vom „Bösen“, dem das gros­se Gan­ze schick­sal­haft unschul­dig oder schul­dig ver­fiel, in die Zukunft bli­ckend einen Abschluss, ein Ende des Bösen fin­det, fin­den muss: Ein Akt der Befrei­ung, den die Erlö­sung des gros­sen Gan­zen und „für jeden von uns“ ver­langt. So ist die pathe­ti­sche Erin­ne­rung Sor­ge um das zukünf­ti­ge Wohl und Wehe des gros­sen Gan­zen; und, kaum geäus­sert, ist sie schon über den 8. Mai 1945 und über die Zeit zwi­schen 1933–1945 längst hin­aus. Ande­rer­seits: Eine offen­bar ges­tern, wie heu­te und mor­gen kaum enden­de Auf­ga­be, For­de­rung und Her­aus­for­de­rung – nach Innen wie nach Aus­sen.

Dass sich auch die AfD die­sem gleich­sam zeit­lo­sen Erin­ne­rungs­weck­ruf an den 8.Mai 1945 anschlies­sen kann, ohne sei­nen höhe­ren Sinn, ohne sei­ne höhe­re Wei­he zu ver­letz­ten, das ist dem Erin­ne­rungs­weck­ruf in sei­ner Sor­ge um das zukünf­ti­ge Wohl und Wehe des gros­sen Gan­zen von Anbe­ginn ein­ge­gra­ben. Selbst dann, da die AfD die­sem Erin­ne­rungs­weck­ruf eine ande­re Nuan­ce ver­leiht: In kon­ge­nia­ler Ein­mü­tig­keit mit dem Erin­ne­rungs­weck­ruf und sei­ner Erzäh­lung von der „Tra­gik“ des gros­sen Gan­zen und sei­ner „Erlö­sung“ vom Bösen, recht­fer­tigt die Erlö­sung es aber für die AfD, wie für ihre geis­tes­ver­wand­ten Vor­gän­ger nach 1945 nicht, den 8.Mai 1945 als einen Tag der „Befrei­ung“ zu feiern.5

Der von Theo­dor Heuss ins Leben geru­fe­ne Erin­ne­rungs­weck­ruf blickt auf eine lan­ge, auf eine über nun­mehr 76-jäh­ri­ge Geschich­te zurück, die bis auf den heu­ti­gen Tag immer und immer wie­der in den 8.Mai-Reden fort­ge­schrie­ben wird. Dem Geist, der sinn­ge­ben­den Idee nach, hat die­ser Erin­ne­rungs­weck­ruf eine unge­mein kur­ze Geschich­te. Es ist ein ein­zi­ges Wort, ein ein­zi­ger Gedan­ke, eine ein­fa­che, pur natio­nal-mora­li­sche Erzäh­lung über „Para­do­xie und Tra­gö­die“ des unglück­li­chen gros­sen Gan­zen. Unter geschul­ter Anlei­tung und Ein­übung durch dazu Beru­fe­ne hat sich die­ser Erin­ne­rungs­weck­ruf mit sei­ner eigen­tüm­li­chen Betrach­tungs­wei­se der „unse­li­gen“ Ver­gan­gen­heit in das indi­vi­du­el­le und kol­lek­ti­ve Gedächt­nis des Stand­ort Deutsch­land ein­ge­gra­ben, wo nicht ein­ge­brannt.

Etwas ande­res ist es, die zuta­ge lie­gen­de Ver­gan­gen­heit zwi­schen 1933–1945, die nichts als „das Böse“ sein soll, schlicht his­to­risch zu betrach­ten und in Erin­ne­rung zu rufen. Eine his­to­risch-rekon­struk­ti­ve Gegen-Erin­ne­rung, Gegen-Erzäh­lung oder Gegen-Geschich­te, die mög­li­cher­wei­se auch die Fra­ge klä­ren kann, war­um der von Theo­dor Heuss ins Leben geru­fe­ne Erin­ne­rungs­weck­ruf mit der Idee der erlö­sen­den Befrei­ung des gros­sen Gan­zen, erfolg­reich die ver­bind­li­chen Leit­li­nie der Selbst­be­trach­tung und Selbst­dar­stel­lung des offen­bar abso­lut „neu­en“ Deutsch­land ab 8. Mai 1945 bis auf heu­te bil­det. Wie also kam es zum 8. Mai 1945 und zum Bösen, von dem die Nati­on sich zu erlö­sen hat?

3. Kein deutscher Platz an der Sonne – eine andere Erinnerung

Aber aller­dings sind wir der Ansicht, dass es sich nicht emp­fiehlt, Deutsch­land in zukunfts­rei­chen Län­dern von vorn­her­ein aus­zu­schlies­sen vom Mit­be­werb ande­rer Völ­ker. (Bra­vo!)… Die Zei­ten, wo der Deut­sche dem einen sei­ner Nach­barn die Erde über­liess, dem ande­ren das Meer und sich selbst den Him­mel reser­vier­te, wo die rei­ne Dok­trin thront (Hei­ter­keit – Bra­vo!) – die­se Zei­ten sind vorüber…(Bravo!)

Mit einem Wor­te: wir wol­len nie­mand in den Schat­ten stel­len, aber wir ver­lan­gen auch unse­ren Platz an der Sonne…(Bravo!) …wer­den wir bestrebt sein, getreu den Über­lie­fe­run­gen der deut­schen Poli­tik, ohne unnö­ti­ge Schär­fe, aber auch ohne Schwä­che unse­re Rech­te und unse­re Inter­es­sen zu wah­ren. (Leb­haf­ter Bei­fall.) (Bern­hard Frei­herr von Bülow, 6.Dezember 1897)6

Die­se Über­zeu­gung war bei den Regie­rungs­ver­ant­wort­li­chen des wil­hel­mi­nisch-kai­ser­lich geführ­ten und ver­wal­te­ten Deutsch­land längst her­an­ge­reift: Mit allen zu Gebo­te ste­hen­den Mit­teln haben die kai­ser­li­chen Reichs- und Staats­füh­rer das deut­sche gros­se Gan­ze zu einem welt­markt­kon­kur­renz­fä­hi­gen Kapi­tal­stand­ort her­ge­rich­tet, des­sen Reich­tums­ak­ku­mu­la­ti­on gebie­tet, dass sei­nem Zugriff auf die Reich­tums­quel­len und Bevöl­ke­run­gen frem­der, „zukunfts­rei­cher Län­der“ (von Bülow) freie Bahn geschaf­fen wird. Aus die­ser Über­zeu­gung her­aus haben die beru­fe­nen poli­ti­schen Sach­wal­ter des wil­hel­mi­nisch-kai­ser­li­chen Kapi­tal­stand­or­tes die dar­aus erwach­se­nen Ansprü­che an die eige­ne Nati­on zugleich an die Ver­wal­ter und Sou­ve­rä­ne ande­rer Natio­nen adres­siert als „unse­re Rech­te und Inter­es­sen“.

Die­se unse­re Rech­te und Inter­es­sen sind „ohne unnö­ti­ge (sic!) Schär­fe“, das heisst: „ohne Schwä­che“ gel­tend zu machen. Dass die­sem Gel­tend­ma­chen „unse­rer Rech­te und Inter­es­sen“ ande­re Natio­nen im Wege ste­hen, die längst den Glo­bus erobert haben und welt­um­span­nend ihre Inter­es­sen als Haus­her­ren-Rech­te auf alles und über jeden Erden­be­woh­ner prak­ti­zie­ren, nähr­te und beför­der­te die Unzu­frie­den­heit und Kri­tik der Regie­rungs­ver­ant­wort­li­chen des wil­hel­mi­nisch-kai­ser­li­chen Stand­ort Deutsch­land.

Denn nach öko­no­mi­schem Reich­tum und mili­tä­ri­schen Gewalt­mit­teln bemes­sen, war das deut­sche gros­se Gan­ze ja längst zu einer poli­ti­schen Macht her­an­ge­wach­sen, die es sich leis­ten konn­te und leis­ten woll­te, ihre in Rech­te und Rechts­an­sprü­che über­setz­ten öko­no­mi­schen und poli­ti­schen Inter­es­sen gegen­über den dama­li­gen Haus­her­ren der Welt in Anschlag zu brin­gen. Ihnen gegen­über war in aller Deut­lich­keit klar zu machen, dass sie der For­de­rung, dem „Ver­lan­gen“ (von Bülow) nach einem deut­schen „Platz an der Son­ne“ in der Aus­übung des Haus­her­ren-Rech­tes über die Kon­ti­nen­te samt Völ­ker­schaf­ten nach­zu­ge­ben hat­ten.

Ihre selbst­be­wuss­te Ent­schlos­sen­heit, ein von den dama­li­gen Haus­her­ren der Welt aner­kann­tes und respek­tier­tes Mit­spra­che­recht in der Aus­übung der Haus­her­ren­ge­walt über den Glo­bus nicht nur zu for­dern, son­dern auch durch­zu­set­zen, klei­de­ten die wil­hel­mi­nisch-kai­ser­li­chen Regie­rungs­ver­ant­wort­li­chen in die unmiss­ver­ständ­li­che Rede:

„Die Zei­ten“, da dem deut­schen gros­sen Gan­zen kein nach eige­nem Urteil geo- und welt­po­li­tisch mass­geb­li­ches Mit­spra­che­recht in der Aus­übung glo­ba­ler, öko­no­mi­scher, mili­tä­ri­scher und poli­ti­scher Haus­her­ren­ge­walt von den herr­schen­den Welt­mäch­te zuer­kannt wird, „die­se Zei­ten sind vor­über“ (von Bülow).

Die poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger des deut­schen Stand­or­tes der dama­li­gen Zeit tru­gen den Anspruch auf ein geo- und welt­po­li­ti­sches Mit­spra­che­recht auf der höchs­ten Ebe­ne des „Mit­be­werbs ande­rer Völ­ker“ (von Bülow) vor: auf der Ebe­ne der Staa­ten­kon­kur­renz von Welt-Mäch­ten, die kei­ne Grossmacht‑, son­dern Welt-Poli­tik, Welt­po­li­tik als glo­ba­les Haus­her­ren­recht betrie­ben, weil ihre Reich­tums­ak­ku­mu­la­ti­on und ihre dar­auf gegrün­de­ten Gewalt­mit­tel ihnen das erlaub­ten. Ein­ge­denk des­sen und im Anspruch, „unse­re Inter­es­sen und Rech­te“ (von Bülow) auf der Ebe­ne kon­kur­rie­ren­der Welt­mäch­te gel­tend zu machen, ist ein deut­scher „Griff nach der Weltmacht„7 kei­ne Fra­ge. Nur dann ist dem wil­hel­mi­nisch-kai­ser­li­chen Kapi­tal­stand­ort Deutsch­land eine gewinn­brin­gen­de Zukunft gesi­chert, wenn ihm eine deutsch­far­be­ne Welt­macht, die über ein geo- und welt­po­li­ti­sches Mit­spra­che­recht in der Aus­übung welt­wei­ter Haus­her­ren­ge­walt ver­fügt, den Weg gegen alle Kon­kur­ren­ten bahnt.

4. Krieg – was denn sonst?

Dass die Kon­kur­ren­ten, denen die deut­sche Her­aus­for­de­rung galt, von sich aus kei­nen Anlass sehen, einem ihnen womög­lich eben­bür­ti­gen oder in naher Zukunft gar über­le­ge­nen Kon­kur­ren­ten Raum zu geben, davon gin­gen die poli­ti­schen Sach­wal­ter des seit Bis­marck zu einem gros­sen Gan­zen ver­ei­nig­ten Deutsch­land aus. Im Bewusst­sein des­sen, was Kon­kur­renz ist und was es heisst, kon­kur­rie­ren­de Welt­mäch­te her­aus­zu­for­dern, sowie in der Klar­heit dar­über, dass die Gewalt Wesens­mo­ment der Poli­tik ist, zumal einer Poli­tik als Welt­po­li­tik, haben die poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger des dama­li­gen Deutsch­land ihre natio­na­len Gewalt­mit­tel dem hohen Zweck ent­spre­chend vor­be­rei­tet und geschärft.

In aller­lei gene­ral­stabs­mäs­si­gen und stra­te­gi­schen Vor­über­le­gun­gen, Tex­ten und Reden zum in jedem Fall anvi­sier­ten „kom­men­den Krieg„8, doku­men­tier­ten die poli­ti­schen Sach­wal­ter des deut­schen gros­sen Gan­zen dies: „ohne Schwä­che“ (von Bülow) auf den als Rech­te und Rechts­an­sprü­che for­mu­lier­ten deut­schen Inter­es­sen, die auch die Idee eines unter deut­scher Füh­rung ste­hen­des (Mit­tel-) Euro­pa nach dem Sieg ein­schloss, gegen die dama­li­gen Welt­macht­kon­kur­ren­ten so lan­ge zu bestehen, bis die­se in zufrie­den­stel­len­der Wei­se dem deut­schen Welt­macht­kon­kur­ren­ten einen Platz an der Son­ne in der Aus­übung des Haus­her­ren­rechts über den Rest der Welt samt Völ­ker­schaf­ten zuer­ken­nen und fak­tisch auch ein­räu­men. Die Welt­macht­kon­kur­ren­ten ihrer­seits kann­ten kei­nen ver­nünf­ti­gen Grund, ein deut­sches Recht auf Erfolg in der Standort‑, Welt­markt- und Welt­macht­kon­kur­renz wider­spruchs­los hin­zu­neh­men und schärf­ten eben­falls die ihnen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Zer­stö­rungs- und Ver­nich­tungs­mit­tel, die sie zum Zweck ihres Haus­her­ren­rechts über die Welt samt Völ­ker­schaf­ten schon hat­ten. Und alle poli­ti­schen Sou­ve­rä­ne taten das ihre, um in der Zeit des Frie­dens die Zustim­mung derer zu gewin­nen, die in den „kom­men­den Krieg“ (Fritz Fischer) geschickt, das heisst befoh­len wer­den, um den Sieg des eige­nen gros­sen Gan­zen zu errin­gen – kos­te es was es wol­le.

Die­se im Frie­den bewerk­stel­lig­te Mobi­li­sie­rung ihrer staats­bür­ger­li­chen Mas­sen ist allen poli­ti­schen Sou­ve­rä­nen so glän­zend gelun­gen, dass die Staats­bür­ger­mas­sen in ihrem fal­schen, das heisst staats­bür­ger­li­chen, also staats­treu­en Bewusst­sein, das kom­men­de Gemet­zel, das ihre Regie­rungs­ver­ant­wort­li­chen für sie vor­sa­hen, als not­wen­dig und rich­tig betrach­te­ten.

So bedurf­te es für das wil­hel­mi­nisch-kai­ser­li­che gros­se Gan­ze, wie immer, wenn Staa­ten zum poli­ti­schen Mit­tel der maxi­ma­len Gewalt­aus­tra­gung grei­fen, nur eines zufäl­li­gen, her­bei­ge­führ­ten oder erdich­te­ten Anlas­ses, um den prä­emp­tiv-anti­zi­pa­to­ri­schen Ver­tei­di­gungs­krieg der eige­nen Inter­es­sen und des durch die Kon­kur­ren­ten nicht zuer­kann­ten, damit ver­letz­ten Rechts auf Mit­spra­che und Erfolg des deut­schen gros­sen Gan­zen zu begin­nen.

Die um ein zufrie­den­stel­len­des deut­sches Mit­spra­che­recht bei der Aus­übung des Haus­her­ren­rechts über den Glo­bus und sei­nen Völ­ker­schaf­ten geführ­te, 4 Jah­re andau­ern­de, staat­lich insze­nier­te und gefor­der­te Schläch­te­rei, Welt­krieg genannt, kos­te­te neben 21 Mil­lio­nen Ver­letz­ten 20 Mil­lio­nen in die Schlacht Geschick­ten und Daheim­ge­blie­be­nen das Leben.9

Aller­dings zei­tig­te das von den staats­bür­ger­li­chen Mas­sen voll­brach­te und erlit­te­ne Gemet­zel für das deut­sche gros­se Gan­ze die­ses Ergeb­nis: Die Zer­stö­rungs- und Ver­nich­tungs­ge­walt der Kon­kur­ren­ten hat sich als über­le­gen erwie­sen, der „Griff nach der Welt­macht“ (Fritz Fischer) war miss­lun­gen. Statt eines deut­schen Plat­zes an der Son­ne in Sachen Mit­spra­che­recht bei der Beherr­schung der Welt, auf­er­leg­ten die sieg­rei­chen Kon­kur­ren­ten dem deut­schen gros­sen Gan­zen eini­ge har­te Bedin­gun­gen, die die­sen Kon­kur­ren­ten für die min­des­tens abseh­bar nächs­te Zeit aus­ser Gefecht und aus­ser­halb jeder geo- und welt­po­li­ti­scher Wir­kung set­zen soll­ten.

Über die­se Schmach hin­aus lös­ten die sieg­rei­chen Kon­kur­ren­ten beim unter­le­ge­nen Geg­ner eine nicht gerin­ge Empö­rung zudem mit dem ver­trag­lich in Brief und Sie­gel gegos­se­nen Argu­ment aus, der deut­sche Griff nach der Welt­macht tra­ge die „Schuld“ an der 4 Jah­re anhal­ten­den Schläch­te­rei. Dass eine sol­che, das hohe, natio­na­le Ehr­ge­fühl ver­let­zen­de Her­ab­wür­di­gung des deut­schen gros­sen Gan­zen ein­her­ge­hend mit dem ver­letz­ten Rechts­an­spruch eines deut­schen Plat­zes an der Son­ne frü­her oder spä­ter sei­ner prak­ti­schen Kor­rek­tur und Rich­tig­stel­lung bedarf, stand bei einer Nati­on, die von den eta­blier­ten Welt­mäch­ten Aner­ken­nung und Respekt auf glei­cher Augen­hö­he ver­lang­te, ohne­hin aus­ser Fra­ge.

5. Das Heraufkommen des Bösen

So fand Hit­ler, fan­den sei­ne Anhän­ger, fand die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Bewe­gung, fand die Wei­ma­rer Bevöl­ke­rung das Ergeb­nis des ers­ten deut­schen Griffs nach der Welt­macht vor. Weit davon ent­fernt, die durch den deut­schen Griff nach der Welt­macht aus­ge­lös­te zwi­schen­staat­li­che Schläch­te­rei als die „Urka­ta­stro­phe des 20. Jahr­hun­derts“ (G.F.Kennan) zu betrach­ten, die offen­sicht­lich nie­mand woll­te und die des­halb wie ein schick­sal­haf­tes Natur­er­eig­nis „aus­brach“, zogen Hit­ler und die Sei­nen eine recht nüch­ter­ne, geo- und welt­po­li­ti­sche Bilanz.

Für sie bedeu­te­te der miss­lun­ge­ne deut­sche Griff nach der Welt­macht eine „Urka­ta­stro­phe“ nicht wegen der für die Schläch­te­rei Dahin­ge­raff­ten, Ver­letz­ten, Ver­stüm­mel­ten und (Kriegs-) Trau­ma­ti­sier­ten. Nach­fol­gen­de Genera­tio­nen wer­den an ihre Stel­le tre­ten und die in der leben­di­gen, mensch­li­chen Säu­le des Staats geris­se­nen Lücken wie­der auf­fül­len. Das Volk soll und wird Bestand haben, so oder so. Dar­auf zu ach­ten, im Krieg wie im Frie­den, auch und gera­de in pan­de­mi­schen Zei­ten, weiss jedes staat­li­che Gebil­de als eine sei­ner obers­ten Pflich­ten, das dem Vol­ke dient, um sich sei­ner zu bedie­nen. Zumal wenn die neue Rie­ge der Regie­rungs­ver­ant­wort­li­chen mit ent­spre­chend geeig­ne­ten bevöl­ke­rungs­po­li­ti­schen Mass­nah­men die Gebur­ten­ra­te des ihr unter­ste­hen­den Volk zu beför­dern weiss. Auch Trüm­mer­wüs­ten müs­sen kei­ne blei­ben, sogar Auto­bah­nen sind mach­bar, Nie­der­la­ge hin oder her.

Mögen die sieg­rei­chen Kon­kur­ren­ten des soeben began­ge­nen, zwi­schen­staat­li­chen Waf­fen­gangs der unter­le­ge­nen deut­schen Nati­on eini­ge har­te Bedin­gun­gen hin­sicht­lich ihres staat­li­chen Ter­ri­to­ri­ums, ihrer kapi­ta­lis­ti­schen Reich­tums­pro­duk­ti­on und ihres mili­tä­ri­schen Gewealt­ap­pa­ra­tes dik­tiert haben: Nichts hin­dert die neu­en poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger dar­an, die ihnen belas­se­ne Sou­ve­rä­ni­tät über das ver­blei­ben­de Ter­ri­to­ri­um mit­samt kapi­tal­kräf­ti­gem Wirt­schafts­wachs­tum und einer gewiss wie­der anwach­sen­den Bevöl­ke­rung für einen neu­en Auf­bruch zu Höhe­rem, auch unter bewuss­ter Umge­hung dik­tier­ter Auf­la­gen und Beschrän­kun­gen, in Dienst und in die Pflicht zu neh­men. So lau­tet die ganz gewöhn­li­che staats­män­ni­sche Fol­ge­rung aus einer erlit­te­nen Nie­der­la­ge des eige­nen gros­sen Gan­zen.

Die wirk­li­che „Urka­ta­stro­phe“ für Hit­ler und die Sei­nen ist denn auch, dass das gros­se deut­sche Gan­ze nicht als Sie­ger, son­dern als Ver­lie­rer das Schlacht­feld, das der Griff nach der Welt­macht erfolg­reich ver­wirk­li­chen soll­te, ver­las­sen muss­te. Mit der unschö­nen Kon­se­quenz: Deutsch­lands Anspruch, sei­ne Inter­es­sen und Rech­te „ohne Schwä­che“ (von Bülow) auf der höchs­ten Ebe­ne geo- und welt­po­li­ti­scher Staa­ten­kon­kur­renz gel­tend zu machen, ein gewich­ti­ges Mit­spra­che­recht in der Aus­übung des glo­ba­len Haus­her­ren- und Benut­zungs­recht über frem­de Sou­ve­rä­ne, staat­li­che Gebil­de, Kon­ti­nen­te samt Völ­ker­schaf­ten, ist vor­erst dahin. Statt eines wohl­ver­dien­ten deut­schen „Platz an der Son­ne“ im erlauch­ten Kreis der herr­schen­den Welt­mäch­te, hat „das gigan­ti­sche Völ­ker­rin­gen 1914–1918„10 im Ergeb­nis Deutsch­land zurück­ge­stuft in ein Gebil­de min­de­rer Macht und Mög­lich­kei­ten.

Die­se, staats­män­nisch gese­hen, abso­lut unbe­frie­di­gen­de welt­po­li­ti­sche Lage ver­dient und recht­fer­tigt unbe­ding­te poli­ti­sche Kri­tik: Kri­tik von Stand­punkt eines gros­sen Gan­zen aus, das sich zu Höhe­rem als nur zu einer nach- oder zweit­ran­gi­gen Macht beru­fen fühlt. Gemes­sen am Anspruch einer gewich­ti­gen Teil­ha­be am glo­ba­len Haus­her­ren- und Benut­zungs­recht über den Rest der Welt erscheint der gegen­wär­ti­ge Sta­tus der Nati­on als Abhän­gig­keit und Unfrei­heit, weil ande­re Sou­ve­rä­ne, nicht die eige­ne poli­ti­sche Sou­ve­rä­ni­tät, das Gesetz des geo- und welt­po­li­ti­schen Han­delns in der Hand haben. Mehr noch: Höchst- und End­ziel des zwei­ten, des kom­men­den Griffs nach der Welt­macht soll­te sein, dass das gros­se deut­sche Gan­ze die füh­ren­de Welt­macht über­haupt wer­de: Eine Welt­macht, die nicht mehr inner­halb der Kon­kur­renz von Welt­mäch­ten steht, son­dern über die­se gebie­tet, soll der zukünf­ti­ge Platz an der Son­ne über­haupt Bestand haben. So gese­hen gilt das ernüch­tern­de Urteil, das zugleich ein Auf­ruf ist: „Deutsch­land ist kei­ne Welt­macht mehr, gleich­gül­tig, ob es mili­tä­risch stark oder schwach dasteht.„11

Die­ser min­der­wer­ti­ge Sta­tus einer nach­ge­ord­ne­ten Macht gebie­tet Befrei­ung, nicht einen Tag der Befrei­ung, son­dern die Tat der Befrei­ung, die Erlö­sung (Theo­dor Heuss) des gros­sen Gan­zen von einem Zustand, der nicht hin­nehm­bar ist.12 Als die­se poli­ti­sche Alter­na­ti­ve, die die Erlö­sung vom Zustand der Nie­der­la­ge, die Erlö­sung vom Zustand einer geo- und welt­po­li­tisch nach­ge­ord­ne­ten Macht, wie die Erlö­sung vom Zustand einer jede natio­na­le Ehre ver­let­zen­den Anschul­di­gung ver­spricht, hat sich der damals eine Zeit lang auch inter­na­tio­nal aner­kann­te und legi­ti­me (Reichs-) Kanz­ler Hit­ler auf den Weg gemacht: und mit sei­ner poli­ti­schen Kri­tik am Zustand der Nati­on und Anhän­ger um Anhän­ger für sich und sei­ne Bewe­gung gewon­nen. Das aller Welt ver­kün­de­te und erklär­te welt­po­li­ti­sche Ziel war, „… die Vor­aus­set­zung zum äus­se­ren Frei­heits­kampf zu schaffen.„13

Ganz Staats­mann, betrach­tet er die Nie­der­la­ge im „Völ­ker­rin­gen 1914–1918“ als eine Urka­ta­stro­phe, als das abso­lut Böse, das über das eige­ne gros­se Gan­ze her­ein­ge­bro­chen ist. Ande­rer­seits als ein Geschenk, als eine Auf­ga­be und Her­aus­for­de­rung, als eine Leh­re der Ver­gan­gen­heit, als einen Erwe­ckungs­ruf, einen Schluss­strich zu zie­hen und das gros­se Gan­ze durch die Tat der Befrei­ung zu erlö­sen. Die­ses Pro­gramm ent­lang der alten staats­män­ni­schen Weis­heit: „Jede Nie­der­la­ge kann zum Vater eines spä­te­ren Sie­ges werden“.14

Die Tat der Befrei­ung ver­langt zum einen Klar­heit dar­über zu gewin­nen, wer die Urhe­ber des abso­lut Bösen sind, die den deut­schen Griff zur Welt­macht so schuld­haft wie kläg­lich haben schei­tern las­sen. Zum einen, so die staats­män­ni­sche und staats­mo­ra­li­sche Kri­tik, war der wil­hel­mi­nisch-kai­ser­li­che Griff nach der Welt­macht wegen sei­ner kolo­ni­al­po­li­ti­schen Ziel­set­zung ohne­hin ein geo- und welt­po­li­ti­scher Feh­ler. Statt­des­sen ist mit­tels einer „Boden­po­li­tik der Zukunft„15 das gros­se deut­sche Gan­ze zur auch aut­ar­kiefä­hi­gen, ton­an­ge­ben­den Macht in Euro­pa zu machen. Mit die­ser neu­en geo­po­li­ti­schen Grund­la­ge kann die Welt­markt- und Welt­macht­kon­kur­renz auf höchs­ter Ebe­ne der Staa­ten­hier­ar­chie noch­mals in Angriff genom­men wer­den, so die neue, aus­sen-und welt­po­li­ti­sche Devi­se.

Wesent­lich aber fan­den Hit­ler und die Sei­nen ihrem Urteil nach Innen, neben den Men­schen jüdi­scher Her­kunft und jüdi­schen Glau­bens, noch aller­lei ande­re frag­wür­digs­te „Ele­men­te“, die der Ver­nich­tung zuzu­füh­ren waren, weil sie in ihrem undeut­schen, patrio­tis­mus­feind­li­chen, also bös­ar­ti­gen Wil­len und von ihrer cha­rak­ter­li­chen „Natur“ her alles zur Nie­der­la­ge beim deut­schen Griff nach der Welt­macht bei­tru­gen; und über­haupt nur dar­auf sin­nen, dem gros­sen deut­schen Gan­zen jeden erdenk­li­chen Scha­den zuzu­fü­gen. Kör­per­lich und geis­tig als hin­der­lich und untaug­lich für den deut­schen Griff zur Welt­macht Erach­te­te, waren als „Ballastexistenzen„16, als „hal­be, Vier­tels- und Achtelskräfte„17 gleich­falls zu eli­mi­nie­ren.

Und dar­über hin­aus rag­te im Osten, ein mäch­ti­ges, ein gewal­ti­ges, ein bis in den unend­li­chen Wei­ten der Tai­ga hau­sen­des Reich des Bösen empor, das auch sei­ne Fäden zieht und, solan­ge es exis­tiert, auf ewig eine Bedro­hung dar­stel­len und jeg­li­chem deut­schen Griff nach der Welt­macht im Wege ste­hen wird. Hand in Hand mit die­ser staats­män­nisch-mora­li­schen Dia­gno­se des Bösen gebot die Tat der Befrei­ung, die Bevöl­ke­rung für die Tat der Befrei­ung zu gewin­nen; was den ab 1933 regie­ren­den poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­gern wie ihren Vor­gän­gern vor 1914 denn auch recht zufrie­den­stel­lend gelang.

Eine Bevöl­ke­rung, die auch nach der Schläch­te­rei von 194‑1918, mehr­heit­lich davon über­zeugt war, dass Krieg sein soll, wenn die Regie­rungs­ver­ant­wort­li­chen mei­nen, Krieg müs­se eben sein, erteil­te den Regie­ren­den wie­der­um alle erdenk­li­che Frei­heit, ihrer staats­män­ni­schen Pflicht nach zu han­deln und dem Anspruch, „ohne Schwä­che unse­re Rech­te und unse­re Inter­es­sen zu wah­ren“ (von Bülow), aller­höchs­te Gel­tung zu ver­schaf­fen. So konn­te zum zwei­ten Mal der Griff nach der Welt­macht, der dem deut­schen gros­sen Gan­zen den ihm gebüh­ren­den Platz an der Son­ne zubil­li­gen soll­te, in Angriff genom­men wer­den – und zwar auf die­se Wei­se:

Deutsch­land wird ent­we­der Welt­macht oder über­haupt nicht sein. Zur Welt­macht aber braucht es jene Grös­se, die ihm in der heu­ti­gen Zeit die not­wen­di­ge Bedeu­tung und sei­nen Bür­gern das Leben gibt.18

Wenn­gleich Hit­ler und die Sei­nen in Erin­ne­rung an die Geschich­te, als Leh­re aus der Ver­gan­gen­heit und ange­sichts „der heu­ti­gen Zeit“ ganz staats­män­nisch alles für den erfolg­rei­chen deut­schen Griff zur Welt­macht Not­wen­di­ge beher­zigt und das für den Erfolg der Nati­on Not­wen­di­ge und „Gute“ von ihren Vor­gän­gern über­nom­men haben: den unbe­ding­ten Wil­len, die in Rech­te und Rechts­an­sprü­che ver­wan­del­ten Inter­es­sen gegen­über den herr­schen­den Welt­mäch­ten „ohne Schwä­che“ gel­tend zu machen; den jeder­zeit gewalt­be­rei­ten, staats­män­ni­schen Wil­len zum Krieg; dies unter Ein­be­zie­hung eines Euro­pas, das Deutsch­lands Füh­rungs­rol­le aner­kennt, aner­ken­nen muss; För­de­rung und Indienst­nah­me der kapi­tal­kräf­ti­gen Wirt­schaft in Frie­dens- wie in Kriegs­zei­ten; schliess­lich, und das vor allem: die immer abruf­ba­re Lie­be zum eige­nen Land der zum Volk zusam­men­ge­wach­se­nen Bevöl­ke­rung; eine so schön benutz­ba­re Lie­be, ohne die weder im Frie­den, noch weni­ger im Krieg Gros­ses zu machen ist.

Trotz der Berück­sich­ti­gung und Indienst­nah­me all des­sen: Wie­der­um hat der bereits auf Sei­te Eins von „Mein Kampf“ der deut­schen und der gesam­ten Welt­öf­fent­lich­keit in Wor­ten des Alten Tes­ta­men­tes ange­kün­dig­te Krieg19, ein böses Ende für Deutsch­land gefun­den. Die Zer­stö­rungs- und Ver­nich­tungs­ge­walt der geg­ne­ri­schen Kon­kur­ren­ten war der eige­nen Zer­stö­rungs-und Ver­nich­tungs­ge­walt im zwei­ten, dies­mal 6 Jah­re andau­ern­den prä­emp­tiv-anti­zi­pa­to­ri­schen Ver­tei­di­gungs­krieg „unse­rer Rech­te und Inter­es­sen“ (von Bülow) mit Aber­mil­lio­nen von Toten, Ver­letz­ten, Ver­stüm­mel­ten und (Kriegs-) Trau­ma­ti­sier­ten über­le­gen: Mit 50 bis 60 Mil­lio­nen Getö­te­ten, zig Mil­lio­nen Ver­letz­ten, ein kaum bezif­fer­ba­res Mil­lio­nen­heer von (Kriegs‑, Flucht‑, und Ver­trei­bungs-) Traumatisierten20 bezahl­te das fal­sche, das staats­treue Bewusst­sein der staats­bür­ger­li­chen Mas­sen, dafür, dass es auf­trags­ge­mäss wie­der­um sei­ne ganz gewöhn­li­che staats­bür­ger­li­che (Kriegs-) Pflicht erfüll­te.

6. Die anspruchsvolle Erinnerung

Am 8. Mai 1945 war der zwei­te Griff nach der Welt­macht end­gül­tig miss­lun­gen. Der 8. Mai 1945 erbrach­te für das gros­se deut­sche Gan­ze wie­der kei­nen Platz an der Son­ne in der ehren­wer­ten Gesell­schaft von Welt­mäch­ten. Die damals weit­ge­hend aner­kann­ten Regie­rungs­ver­ant­wort­li­chen, Mili­tärs und der Reichs­kanz­ler haben in ihrer Bemü­hung, im zwei­ten staats­män­ni­sche Griff nach der Welt­macht um einen wür­di­gen deut­schen Platz an der Son­ne zu errei­chen, nach neu­er Sicht­wei­se Schuld auf sich gela­den. Nun­mehr hat, so die seit 76 Jah­re anhal­ten­de Erin­ne­rungs­kul­tur, das abso­lut Böse gesiegt und dem gros­sen Gan­zen eine wei­te­re Nie­der­la­ge zuge­fügt. Dass es, staats­män­nisch gese­hen, aber dabei nicht blei­ben kann, hat schon der ers­te Bun­des­prä­si­dent am 8. Mai 1949 in sei­nem Erin­ne­rungs­weck­ruf dar­ge­legt.

Die­ser Weck­ruf ist von nun an wach zu hal­ten und fort zu schrei­ben, mögen auch auch Jah­re und Jahr­zehn­te ver­ge­hen nach der neu­en „Urka­ta­stro­phe“ einer deut­schen Nie­der­la­ge im Rin­gen um einen Platz an der Son­ne im ehren­wer­ten Kreis von Welt­mäch­ten. Für das deut­sche gros­se Gan­ze und an sei­ne zukünf­ti­ge Auf­ga­be ist all dem zum Trotz wei­ter­hin zu erin­nern und her­vor­zu­he­ben: „Der 8. Mai 1945 ist ein Datum von ent­schei­den­der his­to­ri­scher Bedeu­tung in Europa.„21 Zum Einen ist sich zu erin­nern in der von Theo­dor Heuss kon­stru­ier­ten Wei­se des Sich-Erin­nerns der Ver­gan­gen­heit: Im gut bewähr­ten Pathos von Para­do­xie-Tra­gik-Erlö­sung-Ver­nich­tung, und das alles „in einem“. Das „Pathos die­ser emo­tio­na­len Beeinflussung„22, ist von den Gestal­tern und Mah­nern des Erin­ne­rungs­weck­rufs „für jeden von uns“ (Theo­dor Heuss) erdacht und in sei­ner lan­gen kur­zen Geschich­te immer deut­li­cher und anspruchs­vol­ler aus­for­mu­liert:

„Der 8. Mai ist ein Tag der Erin­ne­rung. Erin­nern heisst, eines Gesche­hens so ehr­lich und rein zu geden­ken, dass es zu einem Teil des eige­nen Innern wird. Für uns kommt es auf ein Mahn­mal des Den­kens und Füh­lens in unse­rem eige­nen Inne­ren an.“ (Richard von Weiz­sä­cker)

Zum ande­ren ist das poli­ti­sche Ziel des Erin­ne­rungs­weck­ru­fes der jeweils ver­än­der­ten geo- und welt­po­li­ti­schen Lage anzu­pas­sen. Das macht den 8. Mai 1945 zu einem „Datum von ent­schei­den­der Bedeu­tung für Euro­pa“ (Richard von Weiz­sä­cker). Denn die Stel­lung des deut­schen gros­sen Gan­zen in Euro­pa und in der Welt bleibt, wei­ter­hin in staats­män­ni­scher Manier betrach­tet, nach wie vor alles ande­re als zufrie­den­stel­lend. Als die­ses „Mahn­mals des Den­kens und Füh­lens“ darf es indes nicht im „eige­nen Inne­ren“ der neu­en Regie­rungs­ver­ant­wort­li­chen und poli­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger ab dem 8. Mai 1945 ver­blei­ben.

Der Erin­ne­rungs­weck­ruf soll das glei­cher­mas­sen alle Zei­ten über­dau­ern­de poli­ti­sche Ziel des deut­schen gros­sen Gan­zen in das Den­ken und Füh­len eines „jeden von uns“ unaus­lösch­lich ein­gra­ben; und zwar so ein­ge­gra­ben im indi­vi­du­el­len und kol­lek­ti­ven Gedächt­nis, dass der nun­mehr drit­te Griff zur Welt­macht poli­tisch all­ge­mei­ne Aner­ken­nung und Gel­tung geniesst, ohne in die unge­schmink­ten und offen­her­zi­gen Töne zu ver­fal­len, derer sich Hit­ler und die Sei­nen bedien­ten. Ansons­ten geniesst die­ser nüch­ter­ne, staats­män­nisch-welt­po­li­ti­sche Anspruch für jeden poli­ti­schen Sou­ve­rän, der auf sich hält in der Welt der Staa­ten-Kon­kur­renz, ohne­hin all­ge­mei­ne Gel­tung: “ Deutsch­land wird ent­we­der Welt­macht oder über­haupt nicht sein.“ (Mein Kampf, 1936: 742)

7. Die Erinnerung als Werkzeug und Pflicht

Die Erin­ne­rung ist die Erfah­rung vom Wir­ken Got­tes in der Geschich­te. Sie ist die Quel­le des Glau­bens an die Erlö­sung. Die­se Erfah­rung schafft Hoff­nung, sie schafft Glau­ben an Erlö­sung, an Wie­der­ver­ei­ni­gung des Getrenn­ten, an Ver­söh­nung. Wer sie ver­gisst, ver­liert den Glauben…Es las­tet, es blu­tet, dass zwei deut­sche Staa­ten ent­stan­den sind mit ihrer schwe­ren Gren­ze. Es las­tet und blu­tet die Fül­le der Gren­zen über­haupt […] Das trost­lo­se Ergeb­nis der Sün­de ist immer die Trennung.23 (von Weiz­sä­cker, 8.Mai 1985)

In die Wor­te des Alten Tes­ta­ments geklei­det, mit allem jüdi­schen, christ­li­chen und moder­nen, auf­ge­klär­ten mora­li­schen Gewicht und Anspruch ver­se­hen, teilt die Erin­ne­rung der deut­schen, der euro­päi­schen und der Welt­öf­fent­lich­keit unmiss­ver­ständ­lich mit, dass sie nicht nur an die Hoff­nung und Erlö­sung von der Sün­de der Tren­nung, derer sich Hit­ler und die Sei­nen schul­dig gemacht haben, glaubt. Viel­mehr ist die alt­tes­ta­men­ta­risch beglau­big­te Wie­der­ver­ei­ni­gung des Getrenn­ten, kaum dass der Kapi­tu­la­ti­ons­ver­trag am 8. Mai 1945 unter­schrie­ben war, obers­tes Gebot der alten Staats­rä­son unter neu­er, gege­be­ner, welt­po­li­ti­scher Lage: nur ein ver­grös­ser­tes, wie­der­ver­ei­nig­tes Deutsch­land hat je Aus­sicht, in einem neu zu schaf­fen­den Euro­pa eine Füh­rungs­rol­le zu über­neh­men und dar­über „unse­ren Rech­ten und Inter­es­sen“ geo- und welt­po­li­ti­sches Gewicht und Gel­tung zu ver­schaf­fen.

Ein Schritt auf dem lan­gen Weg zu neu­er Grös­se, den sich die deut­sche Staats­rä­son ab 8. Mai 1945 in Auf­trag gege­ben hat, soll­te bald getan sein: Das am 8.Mai 1949 in die Prä­am­bel des Grund­ge­set­zes ein­ge­schrie­be­ne gleich­sam „alt­tes­ta­men­ta­ri­sche“ Gebot der Wie­der­her­stel­lung eines neu­en gros­sen Gan­zen hat sich am 3. Okto­ber 1990 erfüllt. Die­se offen­sicht­lich his­to­risch wirk­lich bedeut­sa­me, „belas­ten­de und blu­ten­de Wun­de“, die der zwei­te Ver­such eines deut­schen Griffs nach der Welt­macht durch sei­ne Nie­der­la­ge schuld­haft geris­sen hat, war geheilt. Geheilt gemäss der „[…] Zuver­sicht, dass der 8. Mai nicht das letz­te Datum unse­rer Geschich­te bleibt, das für alle Deut­schen ver­bind­lich ist“ (von Weiz­sä­cker) und gemäss den „Leh­ren aus der Ver­gan­gen­heit“ (W. Stein­mei­er), die besa­gen:

Für uns gilt es, die Chan­ce des Schluss­strichs unter eine lan­ge Peri­ode euro­päi­scher Geschich­te zu nut­zen, in der jedem Staat Frie­den nur denk­bar und sicher schien als Ergeb­nis eige­ner Über­le­gen­heit und in der Frie­den eine Zeit der Vor­be­rei­tung des nächs­ten Krie­ges bedeu­te­te. (von Weiz­sä­cker, 8.Mai 1985)

Ein­ge­denk des­sen und ange­sichts einer Ver­gan­gen­heit, von der „das eige­ne his­to­ri­sche Gedächt­nis“ (von Weiz­sä­cker) zu berich­ten weiss: „Neben dem unüber­seh­bar gros­sen Heer der Toten erhebt sich ein Gebir­ge mensch­li­chen Leids“ (von Weiz­sä­cker), ver­langt der Schluss­strich, dass kein Staat mehr auf Erden nach „eige­ner Über­le­gen­heit“ strebt und „im Frie­den“ den „nächs­ten Krieg“ vor­be­rei­tet (von Weiz­sä­cker). Damit die­ser Schluss­strich mög­lich wird und sich nie mehr „neben dem unüber­seh­bar gros­sem Heer von Toten ein Gebir­ge mensch­li­chen Leids“ (von Weiz­sä­cker) erhe­ben kann, bedarf es aller­dings eines Deutsch­lands, das auch in der Lage ist, die­ser sei­ner immensen Ver­ant­wor­tung, die es als Leh­re aus der Ver­gan­gen­heit für sich gefol­gert hat, gerecht zu wer­den. Wie aber soll ein ohne alle Macht dar­nie­der lie­gen­des Deutsch­land die­ser immensen his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung gerecht wer­den und ande­re Staa­ten, gar exis­tie­ren­de oder zukünf­ti­ge Welt­mäch­te dar­an hin­dern, eige­ne Über­le­gen­heit anzu­steu­ern und womög­lich mit­ten im blü­hen­den Welt­frie­den Krieg vor­zu­be­rei­ten und durch­zu­füh­ren?

Es gibt es eine Lösung oder Erlö­sung aus die­sem unbe­frie­di­gen­den Dilem­ma und zwar: „… wenn wir das eige­ne his­to­ri­sche Gedächt­nis als Leit­li­nie für unser Ver­hal­ten in der Gegen­wart und für die unge­lös­ten Auf­ga­ben, die auf uns war­ten, nut­zen.“ (von Weiz­sä­cker). Die ein­gangs gestell­te Fra­ge, war­um der von Theo­dor Heuss ins Leben geru­fe­ne Erin­ne­rungs­weck­ruf mit der Idee der erlö­sen­den Befrei­ung des gros­sen Gan­zen erfolg­reich die ver­bind­li­chen Leit­li­nie der Selbst­be­trach­tung und Selbst­dar­stel­lung des offen­bar abso­lut „neu­en“ Deutsch­land ab 8. Mai 1945 bis auf heu­te bil­det ist damit geklärt: Es sind die aner­kan­ter­mas­sen „unge­lös­ten Auf­ga­ben, die auf uns war­ten“: Die immense aussen‑, geo- und welt­po­li­ti­sche Auf­ga­ben, zukünf­tig ein „unüber­seh­ba­res Heer von Toten“ und ein wei­te­res „Gebir­ge mensch­li­chen Leids“ zu ver­hin­dern; und das weit­ab von die­ser geheu­chel­ten Sicht­wei­se: „Das Grau­en über­for­dert uns bis heu­te […]“.24

Nur dann kann das neue Deutsch­land den Schluss­strich zie­hen, um sich erlöst von der Last der Ver­gan­gen­heit, den unge­lös­ten Auf­ga­ben, die Gegen­wart und Zukunft so bereit hal­ten, zuwen­den: Wenn es als mit­be­stim­men­de Welt­frie­dens-Macht dem Welt­frie­den und der Welt­frie­dens­ord­nung macht­voll zu die­nen in der Lage ist. Sei es mit, sei es gegen alle gegen­wär­ti­gen oder zukünf­ti­gen Welt­macht-Kon­kur­ren­ten. Die­se Tat der Befrei­ung von der Ver­gan­gen­heit hat der 8. Mai 1945 ein­ge­lei­tet.

Aller­dings ist zu beden­ken: „Die Befrei­ung war 1945 von aus­sen gekom­men. Sie muss­te von aus­sen kom­men – so tief war die­ses Land ver­strickt in sein eige­nes Unheil, in sei­ne Schuld.“ (W. Stein­mei­er, 8.Mai 2020)25 Doch die Erlö­sung von der offen­sicht­li­chen Ver­stricktheit des deut­schen gros­sen Gan­zen in sein eige­nes Unheil und in sei­ne eige­ne Schuld, in das abso­lut Böse, wie es auch die­se alt­tes­ta­men­ta­risch-theo­lo­gi­sche Betrach­tung der Ver­gan­gen­heit dem Publi­kum nahe­brin­gen und ans Herz legen will, ist auch durch eine eige­ne Tat der Befrei­ung zum benann­ten Höhe­rem mög­lich: „Befrei­ung ist näm­lich nie­mals abge­schlos­sen, und sie ist nichts, was wir nur pas­siv erfah­ren, son­dern sie for­dert uns aktiv, jeden Tag aufs Neue.“ (W. Stein­mei­er)

Das ist so, weil der Weg zu einer glo­ba­len, mit­be­stim­men­den Welt­frie­dens­macht ein lan­ger ist; zudem eine Auf­ga­be, die in der gel­ten­den Welt­frie­dens­ord­nung „jeden Tag aufs Neue“ unvor­her­ge­se­he­ne Her­aus­for­de­run­gen zu bewäl­ti­gen hat, die „auf uns war­ten“ (von Weiz­sä­cker). Dazu ermahnt die Erin­ne­rungs­kul­tur, das heisst: Erin­ne­rung als eines Werk­zeugs mit dem geo- und welt­po­li­ti­schen Inhalt, das wie­der­auf­er­stan­de­ne Deutsch­land als zukünf­tig mit­be­stim­men­de Welt­frie­dens-Macht sich vor­zu­stel­len und zu wün­schen. Denn: “ Es gibt kein Ende des Erin­nerns. Es gibt kei­ne Erlö­sung von unse­rer Geschich­te. Denn ohne Erin­ne­rung ver­lie­ren wir unse­re Zukunft. Die Erin­ne­rung for­dert und ver­pflich­tet uns!“ (W. Stein­mei­er)

8. Der dritte Griff nach der Weltmacht

So sagt, so will, so bean­sprucht es der poli­ti­sche Regis­seur, der Sub­jekt und Dra­ma­turg des indi­vi­du­el­len und des kol­lek­ti­ven Gedächt­nis­ses sein will, um mit­tels der Erin­ne­rung die alte neue Staats­rä­son als ein „Mahn­mal des Den­kens und Füh­lens“ (von Weiz­sä­cker) zu impor­tie­ren: „Implan­tier­te Erin­ne­run­gen“, ein „implan­tier­te Gedächtnis„26 – „für jeden von uns“ (Theo­dor Heuss). Dies ist dem von Theo­dor Heuss ins Leben geru­fe­nen Erin­ne­rungs­weck­ruf im Lau­fe sei­ner 76-jäh­ri­gen Geschich­te ersicht­lich ganz gut gelun­gen mit dem Ergeb­nis: „Die Bäu­me der Natio­nal­ge­schich­te wach­sen dicht und ver­stel­len den Blick in die Wei­te, der für die kri­ti­sche Über­prü­fung der herr­schen­den Metaer­zäh­lung not­wen­dig wäre.„27

Auch wenn die Erin­ne­rung in Gestalt des staat­lich insze­nier­ten Erin­ne­rungs- und Erwe­ckungs­auf­rufs, auch wenn die poli­tisch „herr­schen­de Metaer­zäh­lung“ ihrer stän­di­gen Aktua­li­sie­rung gemäss der neu gestell­ten geo- und welt­po­li­ti­schen Auf­ga­be bedarf, die sich die alte neue Staats­rä­son als mit­be­stim­men­de Welt­frie­dens-Macht in der Gegen­wart und für die Zukunft gestellt hat: Das zukunfts­träch­ti­ge Pro­jekt eines drit­ten Griffs nach der Welt­macht ist seit dem 8. Mai 1945 nicht ohne Erfolg in Angriff genom­men. Unzwei­fel­haft hat das neue deut­sche gros­se Gan­zen oder „Wir“ inzwi­schen einen ihm gebüh­ren­den Platz an der Son­ne in der höchs­ten Sphä­re der Kon­kur­renz um Welt­markt und Welt­macht erobert. Dies­mal jedoch gilt, dass der drit­te Griff zur Welt­macht „nie wie­der allein“ gesche­hen soll, gesche­hen kann – nolens volens ange­sichts der gel­ten­den Pax Ame­ri­ca­na:

Nie wie­der!“ – das haben wir uns nach dem Krieg geschwo­ren. Doch die­ses „Nie wie­der!“, es bedeu­tet für uns Deut­sche vor allem: ’Nie wie­der allein!’ Und die­ser Satz gilt nir­gend­wo so sehr wie in Euro­pa. Wir müs­sen Euro­pa zusam­men­hal­ten. (W. Stein­mei­er)

So gilt als deutsch-euro­pä­isch welt­po­li­ti­sche Maxi­me: „Eige­ne poli­ti­sche und mili­tä­ri­sche Macht streb­te Deutsch­land auch nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung nicht an, allen­falls im Kon­text mul­ti­la­te­ra­ler Insti­tu­tio­nen wie EU, NATO und UNO.„28 Auf die­ser erreich­ten Stu­fe des gelun­ge­nen, wenn auch unab­ge­schlos­se­nen, drit­ten geo- und welt­po­li­tisch rele­van­ten Griffs nach der Welt­macht, hat die alte neue Staats­rä­son im Ver­bund mit USA, NATO, UN-Beschlüs­sen und als euro­päi­sche Füh­rungs­macht seit 1945 eini­ges erreicht im längst erwor­be­nen gewich­ti­gen Mit­spra­che­recht hin­sicht­lich des glo­ba­len Haus­her­ren­recht über den Glo­bus. So kann sich die alte neue Staats­rä­son wei­ter­hin der glo­ba­len Auf­ga­ben auf der höchs­ten Ebe­ne der Kon­kur­renz von Welt­mäch­ten wid­men: „Wir dür­fen nicht zulas­sen, dass die­se Frie­dens­ord­nung heu­te vor unse­ren Augen zer­rinnt.“ (W. Stein­mei­er)

Um dies zu ver­hin­dern, hat sich das west­li­chen Bünd­nis ein­schliess­lich sei­nes Mit­glieds Deutsch­land seit 1945 dahin­ge­hend ver­dient gemacht, in zahl­lo­sen Krie­gen und Stell­ver­tre­ter­krie­gen mit einem „unüber­seh­bar gros­sen Heer von Toten und einem Gebir­ge mensch­li­chen Leids“ (von Weiz­sä­cker) die Wie­der­ho­lung eines „unüber­seh­bar gros­sem Heer von Toten und einem Gebir­ge mensch­li­chen Leids“ aus der Ver­gan­gen­heit zu ver­hin­dern, gemäss der alten Weis­heit: si vis pacem, para bel­lum. Dies auch gemäss der gleich­falls älte­ren Leh­re, dass die Ver­hin­de­rung mensch­li­chen Leids nur mög­lich ist mit­tels der unbe­ding­ten Ver­tei­di­gung und Wah­rung unse­rer legi­ti­men „Inter­es­sen und Rech­te“ (von Bülow).

So gese­hen war also nicht alles schlecht, was der Natio­nal­so­zia­lis­mus in sei­nem Griff nach der Welt­macht sei­nen demo­kra­ti­schen Erben hin­ter­las­sen hat. Beher­zigt haben sei­ne Nach­fol­ger die­se Leh­re aus der Ver­gan­gen­heit und Geschich­te: ein jeder erfolgs­ver­spre­chen­der Griff nach der Welt­macht braucht den unbe­ding­ten Wil­len, die in Rech­te und Rechts­an­sprü­che ver­wan­del­ten Inter­es­sen gegen­über den herr­schen­den Welt­mäch­ten und sons­ti­gen staat­li­chen Gebil­den „ohne Schwä­che“ gel­tend zu machen; den jeder­zeit gewalt­be­rei­ten, staats­män­ni­schen Wil­len zum Krieg; dies mit einem Euro­pa unter deut­scher Füh­rung; För­de­rung und Indienst­nah­me der kapi­tal­kräf­ti­gen Wirt­schaft in Frie­dens- wie in Kriegs­zei­ten; und vor allem dies: die immer abruf­ba­re Lie­be zum eige­nen Land der zum „Wir“ Volk zusam­men­ge­wach­se­nen Bevöl­ke­rung; eine so schön benutz­ba­re Lie­be, ohne die weder im Frie­den, noch weni­ger im Krieg Gros­ses zu machen ist; auch wenn die­se Lie­be heu­te angeb­lich so ver­fasst sein soll: „Man kann die­ses Land nur mit gebro­che­nem Her­zen lie­ben. (W. Stein­mei­er) Was wei­ter nicht stört, solan­ge die „gebro­che­ne“ Lie­be als Lie­be wei­ter­hin benutz­bar bleibt.

Aller­dings: das bereits von Hit­ler und den Sei­nen iden­ti­fi­zier­te, bis in den unend­li­chen, fer­nen Wei­ten der Tai­ga hau­sen­de „Reich des Bösen“ exis­tiert nach wie vor. Sich von die­sem Bösen zu erlö­sen harrt noch sei­ner Voll­endung. Denn, laut Spie­gel, so weit ist es inzwi­schen gekom­men: „Es ist vor allem der rus­si­sche Prä­si­dent Wla­di­mir Putin, der für vie­le auch hier­zu­lan­de die Sehn­sucht nach Macht bedient […] Putin ist der Cham­pion der Rech­ten und ein Geg­ner der libe­ra­len Ord­nung Europas.„29

In die­se gewalt­be­rei­te Feind­bild-Kon­struk­ti­on, der­zu­fol­ge der rus­si­sche Prä­si­dent schul­di­ger Urhe­ber des deut­schem Rechts­po­pu­lis­mus, Rechts­ex­tre­mis­mus, Rechts­ter­ro­ris­mus und der AfD sein soll, ist die europa‑, geo- und welt­po­li­ti­sche Feind­schaft gegen­über Russ­land und Putin als Per­so­ni­fi­ka­ti­on des abso­lut Bösen ein­ge­gos­sen. So selbst­be­wusst prä­sen­tie­ren sich die „offi­zi­ell ermäch­tig­ten Pries­ter der Erinnerung„30 ein­schliess­lich die­ser selbst­be­weih­räu­chern­den, pur natio­na­lis­ti­schen Betrach­tungs­wei­se:

„Die­se Gewalt war nun für alle erkenn­bar end­gül­tig ein Selbst­zweck – obwohl, wie wir heu­te wis­sen, der gan­ze Natio­nal­so­zia­lis­mus, der gan­ze Krieg von Anfang an sinn­los, von Anfang an eine Ode an die Gewalt gewe­sen war.“ (Der Spie­gel, 8.Mai 2020)

Befreit und erlöst von die­sem abso­lut Bösen, dem offen­sicht­lich das Reich des Bösen im Osten nach­ei­fert, kann sich die alte neue Staats­rä­son dem wirk­lich Bedeut­sa­men zuwen­den:

„Euro­pa muss auch die ’Spra­che der Macht’ ler­nen. Das heisst zum einen, eige­ne Mus­keln auf­bau­en, wo wir uns lan­ge auf ande­re stüt­zen konn­ten – etwa in der Sicher­heits­po­li­tik. Zum ande­ren die vor­han­de­ne Kraft geziel­ter ein­set­zen, wo es um euro­päi­sche Inter­es­sen geht.“ (EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­den­tin, 8.11.2019)31

Man­fred Hen­le

Fuss­no­ten:

1 https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Downloads/DE/Reden/2020/05/200508–75-Jahre-Ende-WKII.pdf?__blob=publicationFile

2 https://www.dw.com/de/8‑mai-1945-totale-niederlage-oder-tag-der-befreiung/a‑53290295

3 In der öku­me­ni­schen Fas­sung, erstellt durch die Arbeits­ge­mein­schaft für lit­ur­gi­sche Tex­te (1970), vgl. unter: http://​www​.amen​-online​.de/​g​e​b​e​t​/​v​a​t​e​r​u​n​s​e​r​/​#​v​a​t​e​r​_​u​n​ser

4 Vgl. Zur deut­schen „Erin­ne­rungs­kul­tur“ bzw. deut­schen „Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung“ vgl. auch den Bei­trag von H. Schillo:„Kulturkampf von rechts?“: https://​www​.hei​se​.de/​t​p​/​f​e​a​t​u​r​e​s​/​K​u​l​t​u​r​k​a​m​p​f​-​v​o​n​-​r​e​c​h​t​s​-​4​6​5​7​8​0​4​.​h​t​m​l​?​s​e​i​t​e​=​all

5 Vgl.: https://​www​.afdbun​des​tag​.de/​j​o​n​g​e​n​-​e​r​l​o​e​s​t​-​u​n​d​-​v​e​r​n​i​c​h​t​e​t​-​i​n​-​e​i​n​e​m​-​d​e​r​-​8​-​m​a​i​-​e​i​g​n​e​t​-​s​i​c​h​-​n​i​c​h​t​-​a​l​s​-​f​e​i​e​r​t​ag/

6 Zitiert nach: http://​lip​ka​-online​.de/​h​i​s​t​/​q​u​e​l​l​e​n​/​1​8​9​7​_​b​u​e​l​o​w​_​_​p​l​a​t​z​_​a​n​_​d​e​r​_​s​o​n​n​e​.​pdf

7 Vgl. dazu: Fritz Fischer, Griff nach der Welt­macht – die Kriegs­ziel­po­li­tik des kai­ser­li­chen Deutsch­land 1914/​18: 13–46.

8 Vgl.: Ebd.

9 Vgl: http://www.centre-robert-schuman.org/userfiles/files/REPERES%20-%20Modul%201–1‑1%20-%20Notiz%20-%20Bilanz%20in%20Zi ffern%20des%20Ersten%20Weltkrieges%20-%20DE.pdf

10 Hit­ler, Mein Kampf, 1936: 729.

11 Hit­ler, Mein Kampf, 1936: 731.

12 Jen­seits der Alpen kam Mus­so­li­ni zu gleich­lau­ten­den Schluss­fol­ge­run­gen: Zwar zum Ende auf der Sie­ger­sei­te „im gigan­ti­schen Völ­ker­rin­gen 1914–1918“ (Hit­ler) ste­hend, schien ihm und den Sei­nen, gemes­sen am Anspruch, ein zum Min­des­ten gewich­ti­ges Mit­spra­che­recht in der höchs­ten Sphä­re der Welt­po­li­tik und der Kon­kur­renz von Welt­mäch­ten zu erhal­ten, das Ergeb­nis der 4 Jah­re andau­ern­den zwi­schen­staat­li­chen Schläch­te­rei als ein lächer­li­cher, als ein „ver­stüm­mel­ter Sieg“ („Vit­to­ria Muti­la­ta“, in den Wor­ten des ita­lie­ni­schen Schrift­stel­lers und Dich­ters Gabrie­le D’Annunzio). Ein Zustand, der für einen Staats­mann, der etwas auf sich hält, nicht annehm­bar ist.

13 Hit­ler, Mein Kampf, 1936: 686.

14 Hit­ler, Mein Kampf, 1936: 359.

15 Hit­ler, Mein Kampf 1936: 742 16 Alfred Bin­ding, Karl Hoche Die Frei­ga­be der Ver­nich­tung lebens unwer­ten Lebens, 1920:55

17 Ebd.

18 Hit­ler, Mein Kampf, 1936: 742.

19 Vgl. Hit­ler, Mein Kampf, 1936: 1:„Der Pflug ist dann das Schwert und aus den Trä­nen des Krie­ges erwächst für die Nach­welt das täg­li­che Brot.“ Ob aus einem kom­men­den Krieg für die Nach­welt das täg­li­che Brot erwächst, sei dahin­ge­stellt.

20 Vgl: http://www.centre-robert-schuman.org/userfiles/files/REPERES%20-%20Modul%201–2‑0%20-%20Notiz-%20Bilanz%20des%20Zwei ten%20Weltkrieges%20-%20DE.pdf

21 So der dama­li­ge Bun­des­prä­si­dent Richard von Weiz­sä­cker in sei­ner all­seits gelob­ten, berühm­ten Rede am 8.Mai 1985, vgl. unter: https://​www​.bun​des​prae​si​dent​.de/​S​h​a​r​e​d​D​o​c​s​/​D​o​w​n​l​o​a​d​s​/​D​E​/​R​e​d​e​n​/​2​0​1​5​/​0​2​/​1​5​0​2​0​2​-​R​v​W​-​R​e​d​e​-​8​-​M​a​i​-​1​9​8​5​.​p​d​f​?​_​_​b​l​o​b​=​p​u​b​l​i​c​a​t​ion File

22 Max Weber, Wirt­schaft und Gesell­schaft [1921] 1979: 527.

23 https://​www​.bun​des​prae​si​dent​.de/​S​h​a​r​e​d​D​o​c​s​/​D​o​w​n​l​o​a​d​s​/​D​E​/​R​e​d​e​n​/​2​0​1​5​/​0​2​/​1​5​0​2​0​2​-​R​v​W​-​R​e​d​e​-​8​-​M​a​i​-​1​9​8​5​.​p​d​f​?​_​_​b​l​o​b​=​p​u​b​l​i​c​a​t​ion File

24 So „Der Spie­gel“ am 8. Mai 2020; vgl.: https://​www​.spie​gel​.de/​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​/​k​r​i​e​g​s​e​n​d​e​-​a​m​-​8​-​m​a​i​-​1​9​4​5​-​d​e​r​-​s​c​h​a​e​r​f​s​t​e​-​b​r​u​c​h​-​i​n​-​d​e​r​-​d​e​u​t​s​c​h​e​n​-​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​-​a​-​6​4​b​9​a​5​4​a​-​b​e​1​3​-​4​8​9​a​-​a​4​b​7​-​1​a​7​9​a​4​c​9​1​8f0

25 https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2020/05/200508–75-Jahre-Ende-WKII.html

26 Vgl. dazu: Shmo­lo Sand, Die Erfin­dung des jüdi­schen Vol­kes, 2010: 40–52.

27 Shmo­lo Sand, Die Erfin­dung des jüdi­schen Vol­kes, 2010: 48.

28 „Der Spie­gel“ am 8. Mai 2020; vgl.: https://​www​.spie​gel​.de/​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​/​k​r​i​e​g​s​e​n​d​e​-​a​m​-​8​-​m​a​i​-​1​9​4​5​-​d​e​r​-​s​c​h​a​e​r​f​s​t​e​-​b​r​u​c​h​-​i​n​-​d​e​r​-​d​e​u​t​s​c​h​e​n​-​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​-​a​-​6​4​b​9​a​5​4​a​-​b​e​1​3​-​4​89a ‑a4b7-1a79a4c918­f0

29 Ebd.

30 Shmo­lo Sand, Die Erfin­dung des jüdi­schen Vol­kes, 2010: 48.

31 https://​ec​.euro​pa​.eu/​c​o​m​m​i​s​s​i​o​n​/​p​r​e​s​s​c​o​r​n​e​r​/​d​e​t​a​i​l​/​d​e​/​S​P​E​E​C​H​_​1​9​_​6​248

9. Quel­len:

9.1 Lite­ra­tur:

■ Alfred Bin­ding, Karl Hoche, Die Frei­ga­be der Ver­nich­tung lebens­un­wer­ten Lebens – Ihr Mass und Ihre Form, Ver­lag von Felix Mei­ner, Leip­zig, 1920

■ Fischer, Fritz, Griff nach der Welt­macht – Die Kriegs­ziel­po­li­tik des kai­ser­li­chen Deutsch­land 1914/​18, Düs­sel­dorf, 1985

■ Hit­ler, Adolf, Mein Kampf, Zen­tral­ver­lag der NDSAP, 213./217.Auflage, Mün­chen, 1936

■ Sand, Shlo­mo, Die Erfin­dung des jüdi­schen Vol­kes – Isra­els Grün­dungs­my­thos auf dem Prüf­stand, Ber­lin 2010

■ Weber, Max, Wirt­schaft und Gesell­schaft [1921], Tübin­gen, 1976

9.2. Inter­net­quel­len:

Der Spie­gel, 8.5.2020:
https://​www​.spie​gel​.de/​g​e​s​c​h​i​c​h​t​e​/​k​r​i​e​g​s​e​n​d​e​-​a​m​-​8​-​m​a​i​-​1​9​4​5​-​d​e​r​-​s​c​h​a​e​r​f​s​t​e​-​b​r​u​c​h​-​i​n​-​d​e​r​-​d​e​u​t​s​c​h​e​n​-​g​e​s​c​h​i​cht e‑a-64b9a54a-be13-489a-a4b7-1a79a4c918­f0

Bun­des­prä­si­dent W. Stein­mei­er, 8.5.2020:
https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2020/05/200508–75-Jahre-Ende-WKII.html

Bun­des­prä­si­dent Richard von Weiz­sä­cker, 8.5.1985:
https://​www​.bun​des​prae​si​dent​.de/​S​h​a​r​e​d​D​o​c​s​/​D​o​w​n​l​o​a​d​s​/​D​E​/​R​e​d​e​n​/​2​0​1​5​/​0​2​/​1​5​0​2​0​2​-​R​v​W​-​R​e​d​e​-​8​-​M​a​i​-​1​985. pdf?__blob=publicationFile

Theo­dor Heuss, 8.Mai 1949:
https://www.dw.com/de/8‑mai-1945-totale-niederlage-oder-tag-der-befreiung/a‑53290295

Das Vater­un­ser (öku­me­ni­sche Fas­sung 1970):
http://​www​.amen​-online​.de/​g​e​b​e​t​/​v​a​t​e​r​u​n​s​e​r​/​#​v​a​t​e​r​_​u​n​ser

Johan­nes Schil­lo, Kul­tur­kampf von rechts? (12.2.2020):
https://​www​.hei​se​.de/​t​p​/​f​e​a​t​u​r​e​s​/​K​u​l​t​u​r​k​a​m​p​f​-​v​o​n​-​r​e​c​h​t​s​-​4​6​5​7​8​0​4​.​h​t​m​l​?​s​e​i​t​e​=​all

AfD, 7.Mai 2020:
https://​www​.afdbun​des​tag​.de/​j​o​n​g​e​n​-​e​r​l​o​e​s​t​-​u​n​d​-​v​e​r​n​i​c​h​t​e​t​-​i​n​-​e​i​n​e​m​-​d​e​r​-​8​-​m​a​i​-​e​i​g​n​e​t​-​s​i​c​h​-​n​i​c​h​t​-​a​l​s​-​f​e​i​e​r​t​ag/

Bern­hard Frei­herr von Bülow (Ver­hand­lun­gen des Reichs­tags. IX. Legis­la­tur­pe­ri­ode. V. Ses­si­on 1897/​98. Ers­ter Band. 4. Sit­zung am 6. Dezem­ber 1897): http://​lip​ka​-online​.de/​h​i​s​t​/​q​u​e​l​l​e​n​/​1​8​9​7​_​b​u​e​l​o​w​_​_​p​l​a​t​z​_​a​n​_​d​e​r​_​s​o​n​n​e​.​pdf
Von der Ley­en-Rede 8.11.2019: https://​ec​.euro​pa​.eu/​c​o​m​m​i​s​s​i​o​n​/​p​r​e​s​s​c​o​r​n​e​r​/​d​e​t​a​i​l​/​d​e​/​S​P​E​E​C​H​_​1​9​_​6​248

REPERES (Bilanz in Zif­fern des Ers­ten Welt­krie­ges), abge­ru­fen am 19.4.2021:
http://www.centre-robert-schuman.org/userfiles/files/REPERES%20-%20Modul%201–1‑1%20-%20Notiz%20 -%20Bilanz%20in%20Ziffern%20des%20Ersten%20Weltkrieges%20-%20DE.pdf

REPERES (Bilanz in Zif­fern des Zwei­ten Welt­krie­ges), abge­ru­fen am 19.4.2021:
http://www.centre-robert-schuman.org/userfiles/files/REPERES%20-%20Modul%201–2‑0%20-%20Notiz-%2 0Bilanz%20des%20Zweiten%20Weltkrieges%20-%20DE.pdf

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