[KgK:] Auch Kapitalist:innen lassen sich nicht mit Klatschen bezahlen

Die Stim­mung ist mehr als im Kel­ler, die Pfle­ge­kräf­te sind erschöpft und der ewi­ge halb­ga­re Lock­down zu Guns­ten der Wirt­schaft spült regel­mä­ßig eine neue Flut an Covid-19 Erkrank­ten in die Inten­siv­sta­tio­nen.

Es ist klar, dass jede hel­fen­de Hand drin­gend gebraucht wird, vor allem, da immer mehr Pfle­ge­kräf­te sich für einen Pfle­g­xit ent­schei­den. Allein im letz­ten Jahr kehr­ten 9000 Pfle­ge­kräf­te ihrem Beruf den Rücken. Fatal, wenn man bedenkt, dass es ohne­hin seit Jah­ren an Fach­kräf­ten in der Pfle­ge fehlt. Man könn­te mei­nen, dass end­lich jeder ver­stan­den hät­te, wie wich­tig die­ser Sek­tor ist und das Spa­ren hier abso­lut fehl am Platz ist. Jeder weiß nun auch, dass es mit ein­ma­li­gen und zum Teil nicht aus­be­zahl­ten Coro­na-Boni sowie all­abend­li­chem Klat­schen den Pfle­ge­kräf­ten nicht gehol­fen ist. War die Soli­da­ri­tät in der ers­ten Wel­le noch sehr hoch, so ist jetzt nicht mehr viel davon übrig. Mit Applaus kann man Pfle­ge­kräf­te nicht bezah­len und Kapitalist:innen erst recht nicht.

Die Sana Kli­nik AG plant bun­des­wei­te Mas­sen­ent­las­sun­gen im Bereich der Ser­vice­kräf­te. Um die 1000 Stel­len sol­len weg­fal­len. Das bedeu­tet für die Pfle­ge­kräf­te, dass sie Rah­men­ar­bei­ten auf Sta­tio­nen wie­der selbst erle­di­gen müs­sen, wie z. B. Rei­ni­gungs­tä­tig­kei­ten, Mahl­zei­ten ver­tei­len etc. Die­se Tätig­kei­ten kos­ten Zeit, die wie­der am Pati­en­ten fehlt, also wer­den die­se wie­der ober­fläch­li­cher ver­sorgt oder es wer­den Mehr­stun­den geleis­tet. Ger­ne wer­den die­se Tätig­kei­ten auf Sta­ti­on auch Buf­dis (Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst) oder Praktikant:innen auf­er­legt, weil die­se für einen Taschen­geld­lohn Voll­zeit arbei­ten und damit noch güns­ti­ger sind.

Die Askle­pi­os-Kli­nik in Bad Tölz hat auch sei­ne Sta­ti­ons­kräf­te ent­las­sen. Auch hier wird die Pfle­ge für den Gewinn geop­fert. Das Sys­tem wird über kurz oder lang kol­la­bie­ren, aber das scheint eini­gen nichts aus­zu­ma­chen, solan­ge sie noch Geld raus­ho­len kön­nen. Das von der Uni­on ver­ab­schie­de­te Pfle­ge­per­so­nal­stär­kungs­ge­setz sorgt näm­lich auch dafür, dass auch an Pri­vat­kli­ni­ken mehr Per­so­nal vor­han­den sein soll­te. Und das kom­plett auf Kos­ten der Bei­trags- und Steu­er­zah­ler und nicht des Kapi­tals. Die Mana­ger der Askle­pi­os-Kli­nik nut­zen die Chan­ce, die unge­lern­ten Arbeiter:innen los­zu­wer­den, obwohl die zusätz­li­chen Pfle­ge­stel­len gleich­zei­tig unbe­setzt blei­ben, weil es kei­ne Pfle­ge­kräf­te gibt. Dadurch lässt sich mehr Geld aus dem Gesund­heits­sys­tem zie­hen.

Die SPD als mit­re­gie­ren­de Par­tei in der Gro­ßen Koali­ti­on sieht die­sem Trei­ben schon viel zu lan­ge zu. Laut dem Wahl­pro­gramm der Grü­nen soll zwar das DRG-Sys­tem geän­dert und refor­miert wer­den, aber blei­ben wird genau das, was die Mise­re im Gesund­heits­sys­tem ver­ur­sacht hat. Die Gewerk­schaf­ten rie­fen zwar am 1. Mai zu einer Kund­ge­bung vor der Askle­pi­os-Kli­nik auf, aber dabei wird es wohl blei­ben. Ein­zel­ne Mit­glie­der der LINKE for­dern höhe­re Löh­ne, aber mehr auch nicht.

Dabei muss die gesam­te Pri­va­ti­sie­rung des Gesund­heits­sys­tems sofort gestoppt und rück­gän­gig gemacht wer­den. Die Kli­ni­ken gehö­ren nicht in die Hän­de von kapi­ta­lis­ti­schen Mana­gern, son­dern in die der Arbeiter:innen.

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