[GWR:] Aus dem Alltag einer Hausfrau

Wer dach­te, sie wüss­te schon alles über Haus­frau­en – nach gefühlt 100 Jah­ren femi­nis­ti­scher Debat­te über Care-Arbeit und Care-Revo­lu­ti­on – wird hier eines Bes­se­ren belehrt. Bei der Lek­tü­re der Kolum­nen von Jacin­ta Nan­di kann man sich köst­lich amü­sie­ren, denn die geschil­der­ten Beob­ach­tun­gen aus dem All­tag einer Haus­frau und Mut­ter sind nicht nur ein­fach sehr lus­tig, son­dern auch sehr gut beob­ach­tet, und zwar gera­de dort, wo sie den Fin­ger in die Wun­de legen. Auch in so man­che femi­nis­ti­sche Wun­de.

Jacin­ta Nan­di schil­dert ihr Leben als Mut­ter eines Teen­agers und eines Babys, im Zusam­men­le­ben mit dem Vater des Babys, der aber über­haupt nichts im Haus­halt tut. Ihr „Schlecht­sein“ als Haus­frau macht sich aller­dings nicht dar­an fest, dass sie unge­schickt wäre oder die­ses oder jenes nicht könn­te, son­dern dar­an, dass die Prot­ago­nis­tin über­haupt kein Ver­ständ­nis dafür hat, was man „nor­ma­ler­wei­se“ tut. Sie ist eine schlech­te Haus­frau, weil sie ein­fach nicht ver­steht, war­um alle Welt von ihr erwar­tet, dass sie die­se Sachen machen muss – und nicht irgend­je­mand anders!

Zusätz­lich span­nend wird die Lek­tü­re, weil Nan­di, die die ers­ten 20 Jah­re ihres Lebens in Lon­don auf­ge­wach­sen ist und dann nach Ber­lin kam (inzwi­schen ist sie 40), die „deut­sche Haus­frau­en­sa­che“ noch mal mit einem inter­na­tio­na­len Blick betrach­tet. Köst­lich etwa, wenn sie über das deut­sche Abend­brot schreibt. Dabei ent­hal­ten ihre Tex­te auch aller­lei Infor­ma­ti­ves, etwa wenn man Ein­blick in die aktu­el­le „Haus­frau­en­bub­ble“ im Inter­net bekommt oder in die Pro­ble­me und Debat­ten der aktu­el­len hip­pen oder lin­ken oder queer­fe­mi­nis­ti­schen Haus­frau­en- und/​oder Eltern-Sze­ne. Eine per­fek­te Bett­lek­tü­re wird das Gan­ze schließ­lich noch dadurch, dass das Buch in ein­zel­ne Kolum­nem unter­teilt ist, so dass man es wun­der­bar häpp­chen­wei­se genie­ßen kann.

Read More