[labournet:] Proteste zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai 2021: Beschäftigte aus Kliniken und Pflegeeinrichtungen zeigen Spahns Politik die Rote Karte

Proteste zum Internationalen Tag der Pflegenden am 12. Mai 2021: Beschäftigte aus Kliniken und Pflegeeinrichtungen zeigen Spahns Politik die Rote KarteDie Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (ver.di) ruft am mor­gi­gen Mitt­woch, dem “Inter­na­tio­na­len Tag der Pfle­gen­den”, bun­des­weit Beschäf­tig­te aus Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen zu Pro­test­ak­tio­nen auf. Es herr­sche gro­ße Erbit­te­rung dar­über, dass die ver­spro­che­nen Ver­bes­se­run­gen noch immer nicht auf den Weg gebracht wur­den. “Die Beschäf­tig­ten in der Pfle­ge haben es satt, mit lee­ren Ver­spre­chun­gen hin­ge­hal­ten und mit Schein­lö­sun­gen abge­speist zu wer­den. Sie zei­gen der Poli­tik des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ters die Rote Kar­te”, sag­te Syl­via Büh­ler, die im ver.di-Bundesvorstand für das Gesund­heits­we­sen zustän­dig ist. Minis­ter Spahn brin­ge zwar vie­le Geset­zes­vor­ha­ben auf den Weg, doch kei­nes davon löse die drän­gen­den Pro­ble­me der Beschäf­tig­ten. (…) “Seit Jah­ren for­dern Pfle­ge­kräf­te Ent­las­tung. Doch auch zum Ende sei­ner Amts­zeit wei­gert sich der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter, längst über­fäl­li­ge ver­bind­li­che und bedarfs­ge­rech­te Per­so­nal­vor­ga­ben auf den Weg zu brin­gen.” (…) Dass hun­dert­tau­sen­de Pfle­ge­per­so­nen in der Alten­pfle­ge ab August kei­ne höhe­ren Löh­ne bekom­men, dafür sei der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter in ganz erheb­li­chem Maße mit­ver­ant­wort­lich…” Pres­se­mit­tei­lung vom 11.05.2021 bei ver.di Gesund­heit & Sozia­les externer Link und die Pro­test­ak­ti­on externer Link – sie­he wei­te­re Infos:

  • Rote Kar­te für den Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter: Pfle­ge­kräf­te wol­len nicht mehr mit Schein­lö­sun­gen abge­speist wer­den
    Jedes Jahr am 12. Mai wird der Inter­na­tio­na­le Tag der Pfle­gen­den began­gen. Mit die­sem Tag wird an den Geburts­tag der bri­ti­schen Kran­ken­pfle­ge­rin und Pio­nie­rin der moder­nen Kran­ken­pfle­ge, Flo­rence Nightin­ga­le erin­nert. Nightin­ga­le rück­te Zeit ihres Lebens nicht von ihrer Mei­nung ab, dass es neben dem ärzt­li­chen, medi­zi­ni­schen Wis­sen eines eigen­stän­di­gen pfle­ge­ri­schen Wis­sens bedurf­te. Mit ihren Schrif­ten zur Kran­ken­pfle­ge begrün­de­te sie die heu­ti­gen Grund­zü­ge der Pfle­ge. Zu ihrer Zeit erfuh­ren Nightin­ga­le und ihre Kolleg*innen für ihre Arbeit gro­ße Aner­ken­nung, ihre Arbeit und ihr Ein­satz wur­den wert­ge­schätzt. 201 Jah­re spä­ter ist von die­ser Wert­schät­zung in Deutsch­land nicht viel übrig geblie­ben. Auch nicht nach über einem Jahr Coro­na. ver.di ruft des­halb am Inter­na­tio­na­len Tag der Pfle­gen­den Beschäf­tig­te aus Kran­ken­häu­sern und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen zu Pro­test­ak­tio­nen auf. Bei ihnen herrscht näm­lich Erbit­te­rung dar­über, dass die von Gesund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn, CDU, ver­spro­che­nen Ver­bes­se­run­gen noch immer nicht auf den Weg gebracht wur­den. „Die Beschäf­tig­ten in der Pfle­ge haben es satt, mit lee­ren Ver­spre­chun­gen hin­ge­hal­ten und mit Schein­lö­sun­gen abge­speist zu wer­den. Sie zei­gen der Poli­tik des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ters die rote Kar­te, sagt Syl­via Büh­ler, die im ver.di-Bundesvorstand für das Gesund­heits­we­sen zustän­dig ist. Minis­ter Spahn brin­ge zwar vie­le Geset­zes­vor­ha­ben auf den Weg, doch kei­nes davon löse die drän­gen­den Pro­ble­me der Beschäf­tig­ten. „Spahn muss sich dar­an mes­sen las­sen, ob sich der beruf­li­che All­tag von Pfle­ge­kräf­ten in den letz­ten Jah­ren ver­bes­sert hat – doch da ist Fehl­an­zei­ge“, so Büh­ler. Seit Jah­ren for­der­ten Pfle­ge­kräf­te Ent­las­tung. Doch auch zum Ende sei­ner Amts­zeit wei­ge­re sich Spahn, längst über­fäl­li­ge ver­bind­li­che und bedarfs­ge­rech­te Per­so­nal­vor­ga­ben auf den Weg zu brin­gen. Dabei hat­te schon 2016 eine vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um in Auf­trag gege­be­ne reprä­sen­ta­ti­ve Umfra­ge von Infra­test dimap erge­ben, dass 95 Pro­zent der Bevöl­ke­rung den Pfle­ge­be­ruf für einen fach­lich anspruchs­vol­len Beruf mit Zukunft hiel­ten, und 98 Pro­zent waren sei­ner­zeit der Mei­nung, dass Pfle­gen­de mehr Aner­ken­nung für ihre Arbeit erhal­ten soll­ten. Eine Mei­nung, die der Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter offen­bar bis heu­te nicht teilt…” ver.di-Meldung vom 11.05.2021 externer Link
  • Pfle­ge­rin über Pfle­ge­not­stand und Coro­na: „Der Markt wird es nicht rich­ten“
    Sil­via Habe­kost arbei­tet als Pfle­ge­rin in der Anäs­the­sie. Sie kämpft für mehr Lohn und bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen. Ein Gespräch zum „Tag der Pfle­ge“. taz: Frau Habe­kost, Sie haben vor einem Jahr einen Bei­trag in der Ana­ly­se & Kri­tik, einer Zeit­schrift für Sozi­al­theo­rie, geschrie­ben „Uns wird und wur­de nicht zuge­hört“. Hat sich das geän­dert? Sil­via Habe­kost: Eigent­lich nicht. Ich mer­ke das auch bei Pres­se­an­fra­gen: Da erwar­tet man, dass wir schil­dern, wie schreck­lich unse­re Situa­ti­on ist, dass Pati­en­ten gefähr­det wer­den, dass Pati­en­ten ster­ben. Aber der Bericht dar­über, wie wir uns orga­ni­sie­ren und dass wir in dem Fall schon auch han­deln­de Per­so­nen sind und aktiv gegen die­se gan­zen Zustän­de ankämp­fen … Kann zwar sein, dass wir das erzäh­len, aber das sen­den sie dann nicht. [Sie mei­nen, dass das zu sehr Opfer­in­sze­nie­rung ist?] Ja, genau. Es gab und gibt vie­le Aktio­nen wie „Pfle­ge am Boden“. Wenn wir gewerk­schaft­lich kämp­fen und sagen: Hey, Leu­te, tre­tet in die Gewerk­schaft ein, orga­ni­siert euch, kommt das in eini­gen Berei­chen nicht so gut an. [In wel­chen?] Vor allem bei so man­chen Arbeit­ge­bern. (…) vie­le haben Angst. Aber wir wer­den gebraucht! Eigent­lich müss­ten wir doch die Bedin­gun­gen dik­tie­ren kön­nen. Aber da wird nicht drauf gehört. Da habe ich so ein Gefühl, Leu­te, ihr habt den Schuss nicht gehört. Da redet sich die Poli­tik raus. [Inwie­fern?] Lea­sing im Pfle­ge­be­reich ist anders als in ande­ren Berei­chen, es ist rich­tig teu­er. Aber die Kolleg:innen, die das machen, die schaf­fen sich ihre Bedin­gun­gen, die sie haben wol­len. (…) Sie schaf­fen es nicht, in den Betrie­ben die Arbeits­be­din­gun­gen zu schaf­fen, wo man Lea­sing nicht mehr braucht. Die sagen zwar, die wol­len sie in den Betrieb zurück­ho­len. Aber schaf­fen kei­ne Anrei­ze dafür, dass die auch wie­der zurück­kom­men. Son­dern ver­teu­feln uns dafür, dass wir das wirk­lich ändern wol­len. Und das ver­ste­hen sie nicht. Die Arbeits­be­din­gun­gen müs­sen sich ändern. (…) [War­um ist Ihnen die gewerk­schaft­li­che Arbeit so wich­tig?] Vie­le Din­ge – wie Arbeits­zeit, Urlaub, Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fall erschei­nen uns heu­te so selbst­ver­ständ­lich. Die sind aber alle erkämpft wor­den. Und gera­de in den letz­ten Jah­ren gibt es Angrif­fe auf unse­re Rech­te. Ich will aber auch kei­ne Pri­vi­le­gi­en, son­dern ich will, dass wir soli­da­risch mit­ein­an­der umge­hen. Dafür steht Gewerk­schaft und dafür steht unse­re Bewe­gung – in der Pfle­ge und ande­ren Berei­chen kämp­fen wir für Beset­zungs­re­geln und in den Toch­ter­fir­men für fai­re Löh­ne – im End­ef­fekt soll es kei­ne Toch­ter­fir­men mehr geben – Arbeit im Kran­ken­haus funk­tio­niert nur im Team. (…) Betriebs­wirt­schaft statt Medi­zin. Der Markt wird es nicht rich­ten. Und Pro­fit kann nicht das Ziel von Gesund­heits­un­ter­neh­men sein. Aber die Poli­tik hat das halt so vor­ge­ge­ben. Das ist der Punkt, der mich kämp­fen lässt. Es geht hier nicht um den Men­schen und die Gesund­heit. Wie kann man jedes Han­deln in die­sen Kran­ken­häu­sern, nicht nur in den Kran­ken­häu­sern, aus dem finan­zi­el­len Aspekt betrach­ten? Das macht einen auf Dau­er mür­be…” Inter­view von Nico­le Opitz vom 9.5.2021 in der taz online externer Link
  • Sie­he auch den Twit­ter-Thread von Walk of Care vom 6. Mai 2021 externer Link: “Am 12. Mai gehen wir auf die Stra­ße! Zusam­men kämp­fen wir mit unse­ren Partner:innen für ein Soli­da­ri­sches und Gerech­tes Gesund­heits­we­sen! #gibuns5 #pfle­ge #12Mai #B1205…” und deren Home­page externer Link
  • Bun­des­weit: #inter­na­tio­nal­er­tagd­er­pfle­ge #Tagd­er­Pfle­ge

Siehe dazu auch im LabourNet Germany:

Der Bei­trag Pro­tes­te zum Inter­na­tio­na­len Tag der Pfle­gen­den am 12. Mai 2021: Beschäf­tig­te aus Kli­ni­ken und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen zei­gen Spahns Poli­tik die Rote Kar­te erschien zuerst auf Labour­Net Ger­ma­ny.

Read More