[perspektive:] Der Wirtschaftskrise zum Trotz: Rekordgewinne bei Rheinmetall

Bei der Online-Hauptversammlung des Rüstungskonzerns Rheinmetall konnten sich die Aktionär:innen über sprudelnde Gewinne freuen. Dabei profitieren sie vor allem von den vermehrten geopolitischen Reibereien der letzten Zeit sowie neuen Entwicklungen in der Kriegsführung. Doch auch Protest blieb nicht aus.

2020 erziel­te „Rhein­me­tall Defence“ die höchs­ten Gewin­ne seit Kriegs­en­de, wie die Tages­zei­tung neu­es deutsch­land berich­tet. Der Pro­fit der Rüs­tungs­spar­te sei um rund 21 Pro­zent auf 414 Mil­lio­nen Euro geklet­tert. Auch deren Umsatz erreich­te bei einer Stei­ge­rung von 5,7 Pro­zent auf 3,7 Mil­li­ar­den Euro ein neu­es Rekord­ni­veau. Der Auf­trags­ein­gang stieg auf 6,39 Mil­li­ar­den Euro und damit um 23 Pro­zent.

Geopolitische Konflikte kochen hoch

Unlängst hat­te das Stock­hol­mer Frie­dens­for­schungs­in­sti­tut SIPRI in sei­nem jähr­li­chen Bericht dar­ge­legt, dass die Mili­tär­aus­ga­ben welt­weit trotz der schwe­ren Wirt­schafts­kri­se um 64 Mil­li­ar­den Euro ange­stie­gen sei­en. Damit erreich­ten sie den Höchst­stand seit Beginn der Erhe­bun­gen im Jahr 1988. Rhein­me­tall liegt also voll im Trend.

Die Ursa­che dafür sind ver­stärk­te geo­po­li­ti­sche Span­nun­gen. So ruft unter ande­rem das erstark­te Auf­tre­ten Chi­nas Gegen­re­ak­tio­nen unter ande­rem bei sei­nen Nach­bar­län­dern her­vor. Auch Deutsch­land will sei­ne geo­po­li­ti­sche Rol­le ver­bes­sern und treibt die Moder­ni­sie­rung der Bun­des­wehr vor­an. So betreibt Rhein­me­tall ein hoch­tech­ni­sier­tes Aus­bil­dungs­zen­trum für die deut­sche Armee in Unter­lüß.

Eben­so fin­det in Groß­bri­tan­ni­en eine mas­si­ve Auf­rüs­tung statt. Umge­rech­net 20 Mil­li­ar­den Euro mehr soll es für die nächs­ten vier Jah­re zur Ver­fü­gung gestellt bekom­men. Erst am Mon­tag hat­te Rhein­me­tall in die­sem Zusam­men­hang für Schlag­zei­len gesorgt: Für 770 Mil­lio­nen Euro soll das Unter­neh­men 148 Kampf­pan­zer des Typs „Chal­len­ger 2“ bis zum Jahr 2027 moder­ni­sie­ren.

Umstrukturierungen in der Rüstungsbranche

Welt­weit und vor allem in Deutsch­land wird die Moder­ni­sie­rung des Mili­tärs vor­an­ge­trie­ben. Dabei geht es nicht nur um das Auf­ho­len bei her­un­ter­ge­kom­me­ner Tech­no­lo­gie, son­dern die Ein­be­zie­hung mög­li­cher neu­er Ebe­nen des Krie­ges. Dazu zäh­len auch Cyber­si­cher­heit und der Welt­raum.

Eben­so kann seit län­ge­rem beob­ach­tet wer­den, dass die Gren­zen zwi­schen „mili­tä­ri­schem“ und „zivi­len“ Bereich ver­schwim­men. So war bereits bei der deut­schen Besat­zung Nord­af­gha­ni­stans von einem „zivil­mil­tä­ri­schen“ Ein­satz die Rede.

Auch für Rhein­me­tall hat das Fol­gen: Die bis­he­ri­ge Kon­zern­struk­tur mit zwei mehr oder weni­ger auto­no­men und strikt getrenn­ten Spar­ten, „Auto­mo­ti­ve“ und „Defence“, soll auf­ge­bro­chen wer­den. Man spricht von einer Ent­wick­lung hin zu einem „inte­grier­ten Tech­no­lo­gie­kon­zern“. Fünf vom Vor­stand geführ­te „Divi­sio­nen“ sol­len nun den Ver­än­de­run­gen in der Kriegs­füh­rung Rech­nung tra­gen.

Proteste gegen Aufrüstung

Die Haupt­ver­samm­lung von Rhein­me­tall rief auch anti­mi­li­ta­ris­ti­schen Pro­test her­vor. So führ­te die Kam­pa­gne Rhein­me­tall ent­waff­nen eine Kund­ge­bung in Ber­lin durch. „An euren Hän­den klebt Blut“ war ihre kla­re Bot­schaft an den Kon­zern.

Eben­so wur­de in Rede­bei­trä­gen auf die Ein­satz­ge­bie­te der Waf­fen von Rhein­me­tall ein­ge­gan­gen. So kom­men die­se unter ande­rem bei der Auf­rüs­tung der lybi­schen Küs­ten­wa­che und dem Krieg des tür­ki­schen Staa­tes gegen die kur­di­sche Befrei­ungs­be­we­gung in Roja­va zum Ein­satz. Auch ande­re Kriegs­ge­bie­te und Dik­ta­tu­ren wie Paki­stan, Afgha­ni­stan, Iran, Sau­di-Ara­bi­en und Kame­run zäh­len zum Absatz­ge­biet von Rhein­me­tall.

In Esch­born, nord­west­lich von Frank­furt am Main, fand zudem ein Tri­bu­nal gegen das „Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le“ (BAFA) statt.

Die Aktivist:innen gaben ihm den Namen „Bun­des­amt für Waf­fen­ex­por­te“, da es unter ande­rem für die Geneh­mi­gung von Rüs­tungs­ex­por­ten ver­ant­wort­lich ist.

Der Bei­trag Der Wirt­schafts­kri­se zum Trotz: Rekord­ge­win­ne bei Rhein­me­tall erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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