[perspektive:] Sklavenähnliche Landarbeit in Italien – Streik am 18. Mai!

Die Lage von migrantischen Arbeiter:innen ist weltweit katastrophal. In Deutschland müssen während der Spargelsaison die Arbeiter:innen auf engstem Raum leben. In Katar sterben die migrantischen Arbeiter:innen aufgrund des fehlenden Arbeitsschutzes. In Italien müssen sie in Baracken wohnen. Vor kurzem wurde sogar auf sie geschossen.

Süd­lich der Alpen arbei­ten häu­fig Men­schen aus Bul­ga­ri­en, Rüma­ni­en, Indi­en und ver­schie­de­nen afri­ka­ni­schen Län­dern in der Land­ar­beit. Sie nen­nen sich selbst „Invi­si­b­li“ (dt. „Die Unsicht­ba­ren“). Die Lebens­be­din­gun­gen sind men­schen­un­wür­dig. In ver­müll­ten Lagern müs­sen die Men­schen ihren All­tag bewäl­ti­gen. Bara­cken oder Zel­te müs­sen sie ihr zu Hau­se nen­nen. Häu­fig gibt es kein gere­gel­te Strom­ver­sor­gung. Der Strom wird dann durch Strom­ag­gre­ga­te gene­riert. Das wie­der­um bedeu­tet, dass Ben­zin orga­ni­siert wer­den muss – ein teu­res Gut. Die­se men­schen­un­wür­di­gen Bedin­gun­gen wer­den häu­fig als „Moder­ne Skla­ve­rei“ bezeich­net und sind nicht nur im Süden von Ita­li­en zu fin­den. Vor ein paar Mona­ten flog ein ita­lie­ni­scher Groß­grund­be­sit­zer auf, als er zehn Men­schen unter skla­ven­ähn­li­chen Bedin­gun­gen beschäf­tig­te.

Ähn­lich wie zur deut­schen Spar­gel­ern­te wer­den „die Unsicht­ba­ren“ nicht das gan­ze Jahr über beschäf­tigt. Um die 50 Tage im Jahr wer­den cir­ka 300.000 Men­schen zur Ern­te­zeit ange­stellt. Sie erhal­ten nach einer zwölf bis fünf­zehn­stün­di­gen Arbeit zwi­schen 20 bis 30 Euro Tages­lohn. Frau­en erhal­ten 20% weni­ger. Mit ihrer Arbeits­kraft wer­den bis zu 37,4 Mil­li­ar­den Euro in den Super­märk­ten und offe­nen Märk­ten in den Jah­ren 2014–2020 erwirt­schaf­tet.

Die Anwer­bung und Aus­beu­tung wird in Ita­li­en „capo­ralato“ genannt. Lin­ke Par­tei­en und Gewerk­schaf­ten ver­su­chen dage­gen vor­zu­ge­hen. Aller­dings hel­fen vie­le Geset­ze den ille­gal und damit erpress­ba­ren Arbei­ten­den nicht. Das gan­ze Sys­tem von der Anwer­bung bis zum Ver­kauf wird „Agro­ma­fia“ genannt.

Auf den Fel­dern und Plan­ta­gen müs­sen die Arbeiter:innen bis zu 50 Kilo schwe­re Kis­ten tra­gen. Rücken­pro­ble­me sind bei die­sen Arbeits­be­din­gun­gen die häu­figs­te Erschei­nung. In beson­ders schwe­ren Fäl­len müs­sen die Arbei­ten­den direkt ins Kran­ken­haus trans­por­tiert wer­den. Auch das Coro­na­vi­rus macht natür­lich nicht vor den pre­kä­ren Arbeiter:innen halt. Vie­le von ihnen haben Angst vor dem Virus. Hin­zu kommt, dass sie bei einem posi­ti­ven Test nicht arbei­ten dür­fen. Das wie­der­um streicht ihnen das Ein­kom­men.

Streik der Unsichtbaren

Das hoch­wer­ti­ge Ben­zin aus den Strom­ge­ne­ra­to­ren ist für Klein­kri­mi­nel­le ein guter Neben­ver­dienst. Teil­wei­se müs­sen die Arbeiter:innen die Klein­kri­mi­nel­len in die Flucht schla­gen, um wei­ter­hin Strom zu erhal­ten. Eben­so wer­den die schnell brenn­ba­ren Bara­cken ange­zün­det. Vor kur­zen sind auch Schüs­se gefal­len. Die Hin­ter­grün­de sind wei­ter­hin unklar. Die mafiö­sen Struk­tu­ren der ‚Ndran­ghe­ta ver­die­nen eine Men­ge mit der moder­nen Skla­ven­hal­tung und haben dem­entspre­chend ein Inter­es­se an aus ihrer Sicht mög­lichst „bil­li­gen“ Arbeits- und Lebends­be­din­gun­gen der „Unsicht­ba­ren“.

Doch es gibt auch Wider­stand gegen die­se Zustän­de. Am 18. Mai soll es einen zen­tra­len Streik geben. So berich­tet Abou­bakar Sou­m­aho­ro von der Arbei­ter­li­ga (Lega Braccan­ti): „Kommt ihr doch her und ern­tet den Spar­gel, die Toma­ten und die Was­ser­me­lo­nen. Jetzt reicht es! Schluss mit die­sen Über­fäl­len, Schluss mit der Skla­ven­hal­tung“.

In einem Video beschreibt er die Situa­ti­on wie folgt: „Es wird ein Tag des Kamp­fes für die­je­ni­gen sein, die durch das Gewicht der Aus­beu­tung von Arbeits­kräf­ten und dem Joch der exis­ten­zi­el­len Pre­ka­ri­tät, was durch ein ent­mensch­li­chen­des Sys­tem her­vor­ge­ru­fen wird, das auf dem Geist der Gier basiert, nie­der­ge­schla­gen wird. Es ist an der Zeit zu ent­schei­den, mit wem man sich auf die Sei­te stellt: ent­we­der für Arbei­ter und pre­kä­re Arbei­ter oder für Unter­of­fi­zie­re und Aus­beu­ter.“

Der Bei­trag Skla­ven­ähn­li­che Land­ar­beit in Ita­li­en – Streik am 18. Mai! erschien zuerst auf Per­spek­ti­ve.

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