[KgK:] Haft-Tapeh Arbeiter:innen im Iran erkämpfen Verstaatlichung, was nun?

„Wir neh­men Haft Tapeh zurück“ las­sen die Arbeiter:innen von Haft-Tapeh die Welt wis­sen Sie haben nach jah­re­lan­gem har­tem Kampf um die Wie­der­ver­staat­li­chung der Zucker­fa­brik einen wich­ti­gen Sieg errun­gen. Die Feu­er­kör­per erstrah­len mit Knall und Glanz über der Fabrik, wäh­rend die Arbeiter:innen zuver­sicht­lich sind, dass sie die Besit­zer­fa­mi­lie Asal­bei­gi besiegt haben. Die­se hat die kämp­fe­ri­sche Arbeiter:innen ent­las­sen. Eini­ge von ihnen waren mona­te­lang im Gefäng­nis, weil sie die Pri­va­ti­sie­rung des Betrie­bes nicht akzep­tie­ren woll­ten. Nicht nur Gefäng­nis­stra­fen gin­gen über Mona­te, es wur­den auch mona­te­lan­ge kei­ne Löh­ne aus­ge­zahlt. Der Lebens­stan­dard der Arbeiter:innen ver­schlech­ter­te sich durch die Pri­va­ti­sie­rung mas­siv.

Die größ­te Zucker­fa­brik des Lan­des Haft-Tapeh, auf Deutsch Sie­ben Hügel, hat Streiks und Aktio­nen auf den Stra­ßen orga­ni­siert. „Der Pri­vat­sek­tor ist das größ­te Hin­der­nis für die Pro­duk­ti­on und Ver­bes­se­rung der Lebens­qua­li­tät der Arbeiter:innen“ ist aus der Erklä­rung der Arbeiter:innen zu ent­neh­men. Haft-Tapeh Arbeiter:innen haben in den letz­ten Jah­ren die Aktio­nen der Lehrer:innen, Stu­die­ren­den und Frau­en unter­stützt und war ein akti­ver Teil sol­cher Kämp­fe. Die Kämp­fe im Lan­de müs­sen sich ver­ei­ni­gen, war immer in ihren Erklä­run­gen zu lesen. Auch die Losung „Brot, Arbeit, Frei­heit“ der Mas­sen wur­de in der Zucker­fa­brik geschmie­det. Haft-Tapeh ist zur Avant­gar­de jeg­li­chen fort­schritt­li­chen Kämp­fe im Iran gewor­den.

Die hohe Arbeits­lo­sig­keit und Infla­ti­on ver­schlech­tern den Lebens­stan­dard der Mas­sen, Was­ser­knapp­heit macht Grund­ver­sor­gung des Lebens in bestimm­ten Tei­len des Lan­des sogar unmög­lich. Frau­en und die Jugend drü­cken öfter ihren Unmut in den Aktio­nen in den Stra­ßen aus. Intern strei­tet im poli­ti­schen Regime der Reform- und Hard­li­n­er­flü­gel. Das Regime kennt kei­nen ande­ren Weg, als von har­ten Stra­fen ‑ein­ge­schlos­sen der Todes­stra­fe- gegen die Pro­tes­tie­ren­de Gebrauch zu machen. Selbst der Reform­flü­gel steht hin­ter die­sen Straf­maß­nah­men oder zieht sich ängst­lich zurück. Die kämp­fe­ri­schen Arbeiter:innen sind seit Jah­ren eine kon­stan­te Kraft für demo­kra­ti­sche For­de­run­gen. Sie sehen die Ver­staat­li­chung des Betrie­bes nicht als End­ziel ihres eige­nen Streiks, son­dern als einen Schritt zur Selbst­ver­wal­tung und for­dern wei­ter­hin dass Haft-Tapeh unter Arbeiter:innenkontrolle zu füh­ren ist. Den­noch sind sowohl der Weg zur Arbeiter:innenkontrolle in Haft-Tapeh, als auch das Ent­ste­hen der wei­te­re Selbst­ver­wal­tun­gen, und letzt­lich Auf­bau der Räte eine poli­ti­sche Auf­ga­be. Daher sei­en die Her­aus­for­de­run­gen, die sol­che poli­ti­sche Auf­ga­be auf­wer­fen, hier erwähnt.

Das poli­ti­sche reak­tio­nä­re Regime Irans ist immer stär­ker in geo­po­li­ti­schen Kon­flik­te invol­viert. Die guten wirt­schaft­li­chen Bezie­hun­gen zwi­schen der Tür­kei und dem Iran gehö­ren inzwi­schen der­Ver­gan­gen­heit an, als der Iran mit der der Tür­kei das inter­na­tio­na­le Embar­go über die Hin­ter­tür zu bre­chen ver­such­te. So ist der Angriff Aser­bai­dschans auf Arzach mit tür­ki­schen und israe­li­ti­schen Waf­fen, mit von der Tür­kei orga­ni­sier­ten syri­schen Dschi­ha­dis­ti­sche Ban­den eine gewis­se Aus­wei­tung des israe­li­schen und tür­ki­schen Ein­fluss an der nörd­li­chen Gren­ze. Als Gegen­pol zu USA sucht Iran Chi­na als lang­fris­ti­gen Part­ner. Im letz­ten März haben Chi­na und Iran einen 25 jäh­ri­gen Koope­ra­ti­ons­ver­trag unter­schrie­ben. Chi­na ist der welt­weit größ­te Abneh­mer ira­ni­schen Öls. Der ira­ni­sche Markt ist mit den chi­ne­si­schen Waren über­füllt. Biden erklär­te sei­ne Absicht, der Atom­ver­ein­ba­rung mit Iran wie­der auf­zu­neh­men, woge­gen Isra­el aktiv Poli­tik betreibt. Die­se neue­ren Ent­wick­lun­gen brin­gen selbst die Sek­to­ren der herr­schen­den Klas­sen unter­ein­an­der in Kon­flikt und erhö­hen die Unzu­frie­den­heit in der Bevöl­ke­rung.

Natür­lich ist es für die ira­ni­sche Situa­ti­on sehr fort­schritt­lich, dass kämp­fe­ri­schen Sek­to­ren für die Arbeiter:innenkontrolle kämp­fen. Haft-Tapeh steht für eine Räte­struk­tur im Iran. Die­ser Anspruch bringt eini­ge Pro­ble­me mit sich: Die Ver­staat­li­chung unter Arbeiter:innenkontrolle tat­säch­lich durch­zu­set­zen, die Anzahl sol­cher Fabri­ken, Uni­ver­si­tä­ten und Betrie­be zu erhö­hen, die Tak­ti­ken der Kämp­fe zu bestim­men und eine poli­ti­sche Füh­rung auf­zu­bau­en und den Über­gang von Arbeiter:innenkontrolle zu den Sowjets, die poli­ti­sche Herr­schaft mit öko­no­mi­scher Stär­ke bedeu­tet, zu gestal­ten. Der Effekt der Auf­stän­de im Iran in den letz­ten Jah­ren blie­ben beschränkt, weil sol­che Fra­gen nicht beant­wor­tet oder bestän­dig igno­riert wer­den.

Es sind nicht nur Arbeiter:innen, Jugend­li­chen und Frau­en auf den Stra­ßen, auch unter­drück­te Völ­ker im Iran wie die Kur­den oder Belut­schen Die demo­kra­ti­sche Auf­ga­be einer Räte­struk­tur im Iran bedeu­tet die natio­na­le Unter­drü­ckung zu bekämp­fen. Im Iran, als Staat, der vie­le Völ­ker unter­drückt, kann sich gera­de die­se revo­lu­tio­nä­re Kraft an der Sei­te der Arbeiter:innen ent­fal­ten, wenn Sie selbst bestim­men kön­nen, wie sie leben wollen.Solche Auf­ga­ben sind die Auf­ga­ben einer revo­lu­tio­nä­ren Par­tei, die gegen die bür­ger­li­chen Angrif­fe die stra­te­gi­sche, inter­na­tio­na­lis­ti­sche Erfah­run­gen der Arbeiter:innenklasse ver­tei­digt und die Kämp­fe orga­ni­siert.

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