[EMRAWI:] Abschiebung nach Kabul trotz Chaos und bevorstehender neuer Fluchtbewegung

Beson­ders Ange­hö­ri­ge der schii­ti­schen Min­der­hei­ten (vie­le von ihnen eth­ni­sche Haza­ra) berich­ten von Fami­li­en­mit­glie­dern und Freun­den, die jetzt dabei sind, ihre Kof­fer zu packen. „Ob der Anschlag von den Tali­ban oder dem ISKP (IS-Kho­ra­san-Pro­vinz) ver­übt wur­de, ist letzt­lich uner­heb­lich, so oder so fürch­ten gera­de die Haza­ra jetzt wie­der um ihr Leben,“ schätzt Langtha­ler die Lage ein und ver­weist auf die Mas­sa­ker, die von den Tali­ban wäh­rend ihrer Herr­schaft an der Min­der­heit ver­übt wur­den.

Sofor­ti­ger Abschie­bungs­stopp

„In einer sol­chen Situa­ti­on an der für Diens­tag geplan­ten Char­ter-Abschie­bung nach Kabul fest­zu­hal­ten, grenzt an Rea­li­täts­ver­wei­ge­rung,“ zeigt sich asyl­ko­or­di­na­ti­on-Spre­cher Lukas Gahleit­ner-Gertz ent­setzt. Der asyl­ko­or­di­na­ti­on ist bekannt, dass eini­gen Geflüch­te­ten das Abschie­be­da­tum kom­men­de Woche von den Behör­den per Bescheid mit­ge­teilt wur­de. Am Wochen­en­de kam es in meh­re­ren Bun­des­län­dern zu Fest­nah­men. „Unse­re For­de­rung nach einem Stopp jeg­li­cher Abschie­bun­gen nach Afgha­ni­stan ist aktu­el­ler und drin­gen­der denn je: Auf­grund des beab­sich­tig­ten Abzugs der inter­na­tio­na­len Trup­pen aus Afgha­ni­stan in den nächs­ten Wochen rech­net sogar die deut­sche Bun­des­re­gie­rung mit einer erheb­li­chen Ver­schlech­te­rung der Sicher­heits­la­ge.“ Statt Geld und Ener­gie in sinn­lo­se Abschie­bun­gen, die Men­schen­le­ben gefähr­den, zu ver­geu­den, wäre es höchs­te Zeit, sich auf die Eva­ku­ie­rung beson­ders gefähr­de­ter Per­so­nen zu kon­zen­trie­ren.

Eva­ku­ie­rung afgha­ni­scher Mitarbeiter*innen

Beson­ders gefähr­det sind jene Afgha­nen, die unmit­tel­bar mit oder für die jetzt abzie­hen­den west­li­chen Mili­tärs und Sicher­heits­kräf­te gear­bei­tet haben. „Auch 14 Öster­rei­cher waren zuletzt noch vor Ort im Ein­satz. Wir for­dern, dass zumin­dest ihre afgha­ni­schen Mitarbeiter*innen – wie Dol­met­scher und Chauf­feu­re – und ihre Fami­li­en direkt nach Öster­reich gebracht wer­den,“ so die asyl­ko­or­di­na­ti­on öster­reich. Es ist aber auch damit zu rech­nen, dass auch aus Euro­pa abge­scho­be­ne Per­so­nen als Kol­la­bo­ra­teu­re des Wes­tens von den Tali­ban ver­folgt wer­den. Mit der sich abzeich­nen­den (zumin­dest teil­wei­sen) Macht­über­nah­me der Tali­ban ver­lie­ren vor allem gebil­de­te Frau­en und alle Men­schen, die in den ver­gan­ge­nen zwan­zig Jah­ren west­lich gepräg­te Bil­dungs­sys­te­me durch­lau­fen haben, ihre Lebens­grund­la­ge. „Der Wes­ten ist mit sei­ner Inter­ven­ti­ons­po­li­tik geschei­tert, jetzt müs­sen die Men­schen in Afgha­ni­stan die Fol­gen aus­ba­den.“

Abschie­bung am 16.Mai 2021 stop­pen!!!

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