[KgK:] So wenig Steuern zahlen Elon Musk, Jeff Bezos und co.

Die gemein­nüt­zi­ge Stif­tung für inves­ti­ga­ti­ven Jour­na­lis­mus Pro­Pu­bli­ca hat die Ein­kom­men­steu­er der reichs­ten 25 US-Amerikanner:innen zwi­schen 2014 und 2018 ver­öf­fent­licht. Laut der For­bes-Lis­te der reichs­ten Men­schen der USA aus dem Jahr 2020 steht der gewerk­schafts­feind­li­che Boss des Ama­zon­sun­ter­neh­mens Jeff Bezos mit 179 Mil­li­ar­den Dol­lar an der Spit­ze. Damals, vor sei­ner Schei­dung, stand Bill Gates mit sei­nen 111 Mil­li­ar­den Dol­lar noch an zwei­ter Stel­le. Face­book Mil­li­ar­där Mark Zucker­berg Besitz umfasst 85 Mil­li­ar­den Dol­lar, der des 90 Jäh­ri­ger War­ren Buf­fet über 73,5 Mil­li­ar­den. An sieb­ter Stel­le steht Tes­la-Chef Elon Musk mit sei­nen 68 Mil­li­ar­den.

Allein das Ver­mö­gen von Bezos, Gates, Zucker­berg und Buf­fet beläuft sich auf 448,5 Mil­li­ar­den Euro, wäh­rend Afri­kas Staa­ten laut dem Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds knapp 410 Mil­li­ar­den Euro brau­chen, um bis 2023 alle fäl­li­gen Aus­lands­schul­den zu beglei­chen.

Im Jahr 2007 zahl­te Jeff Bezos, damals Mul­ti­mil­li­ar­där und heu­te der reichs­te Mann der Welt, kei­nen ein­zi­gen Cent Ein­kom­mens­steu­ern. Im sel­ben Jahr ver­dop­pel­te sich der Akti­en­kurs sei­nes Unter­neh­mens. Vier Jah­re spä­ter hat er nicht nur kei­nen Cent Ein­kom­men­steu­er gezahlt, son­dern erhielt für sei­ne Kin­der auch noch eine 4000 Dol­lar Steu­er­gut­schrift. Im Jahr 2018 zahl­te Tes­la-Grün­der Elon Musk, die zweit­reichs­te Per­son der Welt, eben­falls kei­ne Ein­kom­mens­steu­ern. Micha­el Bloom­berg hat es in den letz­ten Jah­ren auch geschafft, kei­ne Ein­kom­men­steu­er zu zah­len. Der mil­li­ar­den­schwe­re Inves­tor Carl Icahn schaff­te es zwei­mal. Geor­ge Soros zahl­te sogar drei Jah­re hin­ter­ein­an­der kei­ne Ein­kom­mens­steu­er. Er tritt an die Öffent­lich­keit und for­dert, dass Steu­ern für die Rei­chen erhöht wer­den soll­ten. Ent­we­der sieht er sich nicht als reich genug, viel­leicht soll­te man ihm aber auch ein­fach nicht glau­ben.

Pro­Pu­bli­ca hat nur einen Teil der Infor­ma­tio­nen über die Ein­kom­men­steu­er ver­öf­fent­licht. Ihr ste­hen die Infor­ma­tio­nen zu den Steu­er­erklä­run­gen von m mehr als 15 Jah­re zur Ver­fü­gung. Die Daten bie­ten einen noch nie dage­we­se­nen Ein­blick in das finan­zi­el­le Leben der Tita­nen Ame­ri­kas. Sie zei­gen nicht nur ihr Ein­kom­men und ihre Steu­er­zah­lun­gen, son­dern auch ihre Inves­ti­tio­nen, Akti­en­ge­schäf­te, Glücks­spiel­ge­win­ne und sogar die Ergeb­nis­se von Betriebs­prü­fun­gen. Laut For­bes stieg das Ver­mö­gen der 25 reichs­ten US-Amerikaner:innen von 2014 bis 2018 um ins­ge­samt 401 Mil­li­ar­den Dol­lar. Die­ser Zuge­winn ent­spricht unge­fähr dem Haus­halt von Deutsch­land 2021(413,4 Mil­li­ar­den Euro). Trotz­dem zahl­ten die­se in die­sen fünf Jah­ren ins­ge­samt nur 13,6 Mil­li­ar­den Dol­lar an Ein­kom­mens­steu­ern. Das mag auf den ers­ten Blick wie eine gewal­ti­ge Sum­me erschei­nen, aber sie ent­spricht einem wah­ren Steu­er­satz von nur 3,4 %.

Vie­le Amerikaner:innen leben von Gehalts­scheck zu Gehalts­scheck, wie Pro­Pu­bli­ca beschreibt, kön­nen wenig Ver­mö­gen anhäu­fen und zah­len der Bun­des­re­gie­rung einen Pro­zent­satz ihres Ein­kom­mens, der steigt, wenn sie mehr ver­die­nen. In den letz­ten Jah­ren ver­dien­te der ame­ri­ka­ni­sche Durch­schnitts­haus­halt etwa 70.000 Dol­lar pro Jahr und zahl­te 14% an Bun­des­steu­ern. Der höchs­te Ein­kom­mens­steu­er­satz, 37%, wur­de in die­sem Jahr für Paa­re mit Ein­kom­men von mehr als 628.300 Dol­lar ein­ge­führt. Mit dem sel­ben Ansatz hät­ten die Rei­chen anstatt 13,6 Mil­li­ar­den eine Sum­me von 148 Mil­li­ar­den Euro zah­len müs­sen. Mit die­ser Sum­me könn­te man bspw. 3083 Wind­kraft­an­la­gen der 3‑MW-Klas­se bau­en, die unge­fähr vier Mil­lio­nen Haus­hal­te, ca. zwölf Mil­lio­nen Men­schen mit Strom ver­sor­gen könn­ten, was eine gigan­ti­sche Ent­las­sung der Umwelt­ver­schmut­zung heu­te bedeu­ten wür­de.

Nach der Ver­öf­fent­li­chung die­ser Daten will der US-Ame­ri­ka­ni­sche Staat umge­hend han­deln. Nicht dass sie die Steu­er erhö­hen möch­te und eine pro­gres­si­ve Ein­kom­men­steu­er ein­ge­führt wird. Nein, die Steu­er­be­hör­de will nun ermit­teln, wie die ver­trau­li­chen Daten an die Öffent­lich­keit gelangt sind.

Wie krass das Steu­er­ver­hält­nis von einem sol­chen Ansatz ent­fernt ist, wird kla­rer wenn man es in Pro­zent dar­stellt. Laut Pro­Pu­bli­ca wird die Rang­lis­te der wenig zah­len­den Rei­chen von War­ren Buf­fet ange­führt. Er hat zwi­schen 2014 bis 2018 nur 0,10% Ein­kom­mens­steu­er bezahlt. Hier ist die Lis­te von Pro­Pu­bli­ca:

Womit haben wir zu tun?

Laut Oxfam besit­zen die reichs­ten 2,153 Mil­li­ar­dä­re inzwi­schen mehr als 4.6 Mil­li­ar­den Men­schen, also mehr als 60% der Erd­be­völ­ke­rung. In sei­nem Inter­view mit uns hat der Sozio­lo­gie­pro­fes­sor Jake Ali­ma­homed-Wil­son von der Cali­for­nia Sta­te Uni­ver­si­ty, die Ama­zo­ni­sie­rung der Arbeits­welt so defi­niert:

„Der Kon­zern Ama­zon ist das Ergeb­nis meh­re­rer his­to­ri­scher Pro­zes­se, die mit der kapi­ta­lis­ti­schen Ent­wick­lung, dem Neo­li­be­ra­lis­mus und dem Finanz­ka­pi­ta­lis­mus zusam­men­hän­gen. […] Der­art rie­si­ge Kon­zer­ne hat es in der Geschich­te der Mensch­heit kaum gege­ben. Sie haben so viel geball­te Macht, dass sie Geset­ze ändern kön­nen: Bei­spiels­wei­se wur­de in Kali­for­ni­en von Uber das Gig-Eco­no­my-Gesetz durch­ge­setzt, mit­tels des­sen Steu­er­zah­lun­gen ver­mie­den wer­den kön­nen. Arbeiter:innen wer­den nicht mehr als Ange­stell­te, son­dern als Auf­trag­neh­mer und Mit­glie­der pri­va­ter und fal­scher Unter­neh­men ein­ge­stuft.“

Pre­kä­re Arbeits­ver­hält­nis­se bei sol­chen Unter­neh­men füh­ren dazu, dass, bspw. wie 2019 doku­men­tiert, Ret­tungs­diens­te regel­mä­ßig zu Ama­zon-Lager­häu­ser geru­fen wer­den, um „Selbst­mord­ver­su­che, Selbst­mord­ge­dan­ken und ande­re psy­chi­sche Epi­so­den“ zu behan­deln. 1.3 Mil­lio­nen Amazon-Arbeiter:innen leben in pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen. Wäh­rend Bezos die Welt aus dem Welt­all anschau­en will und dafür zwei­stel­li­ge Mil­lio­nen­be­trä­ge aus­gibt. Sein Ver­mö­gen wird gera­de dafür gebraucht, die Löh­ne die­ser Arbeiter:innen zu erhö­hen.

Wie inter­na­tio­nal die­ses Phä­no­men ist, kön­nen wir auch an einem sehr aktu­el­len Bei­spiel aus Deutsch­land bei Goril­las und ande­ren Lie­fe­ran­ten­un­ter­neh­men sehen. Goril­las hat den Stun­den­lohn für sei­ne Mitarbeiter:innen von 12 Euro auf prak­tisch 10.50 Euro gesenkt, obwohl in der­sel­ben Zeit “der Unter­neh­mens­wert auf mehr als eine Mil­li­ar­de Dol­lar bezif­fert“ wur­de. Die Goril­las Mitarbeiter:innen haben ange­fan­gen dage­gen zu strei­ken. Das Unter­neh­men Goril­las imi­tiert nur, was bei Ande­ren auf Kos­ten der Mehr­heit der Bevöl­ke­rung Gang und Gäbe ist. Des­halb ist die­ser Streik im Inter­es­se der Mehr­heit und ver­dient ihre Unter­stüt­zung.

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