[GWR:] Stichworte zum Postanarchismus 26

„Wir woll­ten eine Kat­zen­de­mons­tra­ti­on machen, sag­te Ull­rich, nachts durch die Vil­len­vier­tel.“ Es ist die Zeit der Stu­die­ren­den­re­vol­ten um 1968. Die Fron­ten inner­halb der Bewe­gung haben sich schon ver­här­tet, die Leu­te beschimp­fen sich gegen­sei­tig als Revi­sio­nis­ten, Semi­nar­mar­xis­ten, Arbei­ter­ver­rä­ter (an geschlech­ter­ge­rech­te Schimpf­nor­men denkt noch nie­mand). Ull­rich, der Prot­ago­nist aus Uwe Timms Roman

[GWR:] Louise Michel:

Loui­se Michel wird heu­te in vie­len Publi­ka­tio­nen über revo­lu­tio­nä­re Frau­en als Bei­spiel her­an­ge­zo­gen. Neben der Sti­li­sie­rung zur Revo­lu­tio­nä­rin fin­det sich aber auch häu­fig eine Wür­di­gung von Loui­se Michel als Vor­läu­fe­rin oder frü­he Ver­tre­te­rin des erst gut 100 Jah­re spä­ter auf­kom­men­den Anarcha­fe­mi­nis­mus. ((2)) Ihre bekann­te Refle­xi­on über ihre Hin­wen­dung zum Anar­chis­mus

[GWR:] Sprachgebrauch im Exil

Geflüch­te­te, die im Exil ange­kom­men sind, leben in einer Art Durch­gangs­sta­di­um. Wer im Exil lebt, will viel­leicht irgend­wann ein­mal wie­der zurück. Der anar­chis­ti­sche Autor B. Tra­ven ist schließ­lich in Mexi­ko geblie­ben. Aber hat­te er von Anfang an vor, zu blei­ben? Zunächst konn­te er als Akti­vist der Mün­che­ner Räte­re­pu­blik am ers­ten

[GWR:] Die Rolle der Gewaltlosigkeit in der sozialistischen Praxis

Am 10. Febru­ar 1930 fand in Haar­lem ein Stu­di­en­wo­chen­en­de der Jon­ge­ren Vre­des Actie (JVA, Jugend­li­che Frie­dens­ak­ti­on) statt. Das The­ma lau­te­te „Gewalt und Gewalt­lo­sig­keit im Kampf für den Sozia­lis­mus“. Referent*innen waren der Sozi­al­de­mo­krat Johan Valk­hoff mit dem The­ma „Mar­xis­mus, Gewalt und Klas­sen­kampf“ und Hen­ri­et­te Roland Holst. Sie refe­rier­te unter dem The­ma

[GWR:] Pariser Commune:

Die Rezep­ti­ons­ge­schich­te der Pari­ser Com­mu­ne bzw. ihres „Mythos‘“ ist ein wich­ti­ger Bestand­teil anar­chis­ti­scher Geschichts­schrei­bung und Theo­rie­bil­dung. Die­se gilt es hier nach­zu­voll­zie­hen und in einen brei­te­ren Kon­text ein­zu­ord­nen. Horst Sto­was­ser hat in „Frei­heit pur“ über die Bedeu­tung der Com­mu­ne für anar­chis­ti­sches Den­ken poin­tiert fest­ge­stellt: „Für die anar­chis­ti­sche Bewe­gung war die Com­mu­ne

[GWR:] „Solidarität ist die Grundlage jeder linken Politik“

GWR: War­um warst du bei den Pro­tes­ten gegen den G20-Gip­­fel in Ham­burg dabei? Yan­nik U.: Die G20, also der Zusam­men­schluss der 19 mäch­tigs­ten Indus­trie­na­tio­nen und der EU tref­fen sich jähr­lich, um ihre unter­schied­li­chen Inter­es­sen kon­tro­vers zu dis­ku­tie­ren und diplo­ma­ti­sche Lösun­gen zu fin­den. Das ist aber immer nur eine Sei­te der

[GWR:] Versammlungs-Verhinderungsgesetze

Geset­zes­ver­schär­fun­gen über­all Vor weni­gen Wochen wur­de bekannt gege­ben, NRW pla­ne die Ver­ab­schie­dung eines neu­en Ver­samm­lungs­ge­set­zes. Kri­tik wur­de laut – zu Recht. Immer mehr Bun­des­län­der ver­ab­schie­den sich vom bun­des­wei­ten Ver­samm­lungs­ge­setz. Die­se Geset­ze sind in eini­gen Bun­des­län­dern libe­ra­ler als in ande­ren. All­ge­mein ist aber ver­schärft eine grund­rechts­feind­li­che Aus­le­gung der Ver­samm­lungs­ge­set­ze fest­zu­stel­len. Das

[GWR:] Seid im Mai dabei!

Finan­zen, Haus­halt, Wohn­raum, Außen­ge­län­de, Arbeit, Mobi­li­tät, Ernäh­rung, Selbst­ver­wirk­li­chung, Gesund­heit, Ver­sor­gung, Ent­wick­lung – Berei­che des All­tags eines jeden Men­schen. So grund­le­gend sie uns alle ver­bin­den, so anony­mi­siert und pri­vat sind die­se Berei­che unse­res Lebens jedoch auch. Eine Per­son oder eine Fami­lie, ein Auto, ein Ein­kauf, viel Eigen­tum, vie­le Wege, viel Ver­sor­gung,

[GWR:] Klimastreik!

Son­nen­schein, bun­te Schil­der, Life-Musik, kon­se­quen­te Reden und die For­de­rung nach Kli­ma­ge­rech­tig­keit haben am Frei­tag den 19.03 auch die Köl­ner Innen­stadt gefüllt. Allein hier stan­den wir an sechs ver­schie­de­nen Orten mit ins­ge­samt 2500 Men­schen auf der Stra­ße, denn zuvor hat­ten wir als Fri­days for Future zum sieb­ten glo­ba­len Kli­ma­st­reik ins­ge­samt und

[GWR:] Und falls er putscht…?

Seit dem ein­deu­ti­gen Sieg des neu­ge­wähl­ten Prä­si­den­ten Joe Biden im Novem­ber 2020 waren vie­le Men­schen ver­ständ­li­cher­wei­se bestürzt über die Bemü­hun­gen von Prä­si­dent Trump und sei­nen Anhänger*innen, die Wahl zu steh­len. War­um aber blie­ben sei­ne Ver­su­che trotz der jüngs­ten Gewalt in Washing­ton [6.1.2021 – d. Übers.] erfolg­los? In den Mona­ten vor

[GWR:] Krise der Nationalstaaten – anarchistische Antworten?

Die geplan­te Tagung soll aus­lo­ten, wel­che theo­re­ti­schen Ansät­ze aus dem anar­chis­ti­schen Spek­trum Ant­wor­ten lie­fern auf die Fra­ge: was ist – welt­ge­sell­schaft­lich?! – jen­seits des Natio­nal­staa­tes denk­bar und wel­che Vor­aus­set­zun­gen müs­sen für eine Repro­duk­ti­on sinn­vol­le­rer gesell­schaft­li­cher Ver­hält­nis­se gege­ben sein. Die Tagung adres­siert damit zwei zen­tra­le Berei­che: Kri­tik an natio­nal­staat­li­chen Arran­ge­ments und

[GWR:] Kämpfen heißt Erinnern

Wer in Müns­ter zu Fuß unter­wegs ist, kann Paul Wulf heu­te immer noch begeg­nen: Mit sei­nem offe­nen Blick steht er zen­tral auf dem Ser­va­tii­platz. Über­le­bens­groß! Das macht Sinn, denn Paul soll­te zwei Mal aus­ge­löscht wer­den. Es ist sein lie­bens­wer­ter, zuge­wand­ter und inten­si­ver Blick, der uns alle zum Gespräch, zur Kom­mu­ni­ka­ti­on